Fremdwährungsanlagen und das Währungsrisiko

Ob Schweizer Franken, Britisches Pfund oder der Australische Dollar – keine ausländische Währung ist eine sichere Bank

Beliebt als Fremdwährung: Schweizer FrankenMomentan wird in den Medien praktisch täglich der Zusammenbruch Griechenlands, Italiens oder gleich der ganzen Eurozone beschworen. Da kann man es als risikoscheuer deutscher Anleger schon mal mit der Angst zu tun bekommen. Schließlich haben viele – mich eingeschlossen – den Großteil ihres Geldes in Euro angelegt. Eine große Gruppe besonders risikoaverser Anleger dürfte sogar überhaupt keine Anlagen besitzen, die in Fremdwährungen notieren. Insofern kommt eine Warnung des Bankenverbandes sehr zur rechten Zeit: „Sparer sollten das Währungsrisiko nicht unterschaetzen.“

Beispiel Schweizer Franken: Die Schweiz mag vielen als sicherer Hafen verlockend erscheinen, hat kapitalstarke Banken und eine offenbar ziemlich stabile Volkswirtschaft. Doch, wer hätte das gedacht: Diese Fakten sind allgemein bekannt – und deshalb hat sich der Franken in den vergangenen Jahren im Vergleich zum Euro sehr verteuert. Anders ausgedrückt: Die Stärke der Schweiz und die Probleme des Euroraums dürften im Wechselkurs bereits berücksichtigt sein. Deshalb hat der Bankenverband schon wieder Recht: „Der Kurs des Schweizer Franken ist zwar seit Jahresbeginn deutlich gestiegen – doch er kann auch wieder fallen. Davon abgesehen ist das Zinsniveau bei Anlagen in der Schweizer Waehrung niedriger als beim Euro.“

Fehler: die Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben

Wer also jetzt ein Fremdwährungskonto eröffnet, das in Franken geführt wird, macht den allzu menschlichen Fehler, die Entwicklung der Vergangenheit einfach in die Zukunft fortzuschreiben – und holt sich dabei ein zusätzliches Risiko ins Haus.

Ganz ähnlich sieht es für Anleger aus, die sich durch Investitionen in Währungen wie den Australischen Dollar oder den südafrikanischen Rand absichern wollen. Diese Währungen bieten nach Angaben des Bankenverbandes zwar ein höheres Zinsniveau als Anlagen in Euro – die Gefahr von Wechselkursverlusten besteht aber auch hier. Und ich weiß nicht, ob man es extra betonen muss (der Bankenverband tut's), aber: Für das Britische Pfund, den US-Dollar und den Yen gilt das ebenfalls.

Fremde Währungen sind prinzipiell trotzdem sinnvoll

Kurz: Wer in fremde Währungen investiert – sei es über Geldmarktkonten, Aktien oder Anleihen – sollte eine gewisse Risikotoleranz mitbringen. Das heißt aber natürlich nicht, dass grundsätzlich von solchen Investitionen abzuraten wäre. Wie soll man schließlich sonst den gefürchteten Home Bias in seinem Aktiendepot vermeiden? Außerdem habe ich den Verdacht, dass es schon deshalb sinnvoll ist, fremde Währungen im Depot zu haben, weil diese das eigene Portfolio gerade dann stabilisieren können, wenn es zu einer Krise des eigenen Währungsraumes kommt – siehe oben. Doof ist halt nur, wenn man erst darüber nachdenkt, nachdem die Krise schon eingetreten ist...

(Foto: Michael Faes)

Zum Weiterlesen

Zum Weitersagen

These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Del.icio.us
  • Digg
  • Google
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Facebook
  • Twitter

sechs Kommentare

sparFuxx

Hallo Holger,

an einem Punkt bin ich mir nicht sicher, ob ich zustimmen kann bzw. ob ich die Welt richtig verstehe: nämlich beim Wechselkursrisiko einer Aktie, welche in ausländischer Währung notiert ist.

Ist es nicht so, daß sich die Schwankung der zugrundeliegenden Währung durch die Schwankung des Kurses ausgleichen müsste?

Vereinfachtes Beispiel: Die Aktie von X notiert bei 100 Dollar. Der Dollar verfällt im Wert um 20%, doch das Unternehmen X bleibt eigentlich gleich wertvoll. Sollte sich der Kurs dann nicht einfach Richtung 120 Dollar bewegen, womit das Währungsrisiko verschwinden würde?

Viele Grüße,
sparFuxx

sparFuxx, (URL) - 25-07-’11 10:25
Holger

Hallo sparFuxx,

ich glaube, dass Du dem Grundsatz nach Recht hast: Das “Währungsrisiko” bei Aktien, die in Fremdwährung notierten, wirkt oft eher als zusätzlicher Puffer.

Dennoch dürfte es das Risiko geben – mindestens theoretisch (denn es kann ja immer passieren, dass die Kurse in einer Region dann stürzen, wenn auch die Währung schwächelt) und vermutlich auch in der Praxis. Ich habe zumindest den Verdacht, dass die Währungen von Schwellenländern in der vergangenen Krise im Gleichklang mit den Aktienkursen abgestürzt sind, während beim US-Dollar oder Schweizer Franken das Gegenteil geschah.

Wenn man das auf der Ebene einzelner Unternehmen betrachtet, muss man vermutlich sagen: Kommt drauf an. Der zu erwartende künftige Cashflow eines US-Energieversorgers, der praktisch keine Umsätze außerhalb seiner Heimatregion macht (ist ja staatlich reguliert), dürfte schon sinken, wenn der Dollar im Vergleich zum Euro an Wert verliert, oder? Bei global aufgestellten Unternehmen, die ihre gesamte Wertschöpfungskette irgendwie währungsneutral ausrichten, kann es dagegen sicher geschehen, dass das letztlich keinen Einfluss hat.

Aber ich bin mir nicht sicher, dass man sagen kann, der Wert eines Unternehmens bleibt gleich, auch wenn Wechselkurse schwanken. Ich denke, das ist schon eine Variable, die eine Rolle spielt – sonst wäre es auch wenig sinnvoll, dass so viele Unternehmen sich gegen Währungsschwankungen absichern. Oder?

Viele Grüße
Holger

Holger, (URL) - 25-07-’11 19:28
Rainer Meyer

Vielen Dank für den interessanten Beitrag, der ich auch gut für einen Blogartikel nutzen konnte:
http://der-privatanleger.de/entry/413/fr..
Fremdwährung als Anlageform ist interessant aber auch nicht ohne Risiken zu handhaben.

Rainer Meyer, (URL) - 01-08-’11 16:04
Holger

Hallo Herr Meyer,

freut mich, dass Sie den Beitrag nützlich fanden. Trotz allem halte ich den Kauf von beispielsweise Aktien(-ETFs) in Fremdwährung allerdings für ziemlich sinnvoll, in der Hinsicht stimme ich sparFuxx fast voll zu.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 01-08-’11 19:24
sparFuxx

Hallo Holger,

sicherlich mag der Wert eines Unternehmens mit dem Wechselkurs schwanken – abhängig vom Geschäftsfeld. Was ich sagen wollte: das tut es unabhängig davon, in welcher Währung die Aktie dieses Unternehmens notiert.

Bleiben wir bei Deinem Beispiel des US-Energieversorgers und nehmen an, dessen Aktie würde zusätzlich an einer Börse in Euroland notieren und dort in Euro gelistet.

Würde sich nun seine Abhängigkeit vom Dollar auch nur ein kleines Stückchen ändern? Ich denke nicht.

Ich spinne das Beispiel, zugegeben etwas abstrus, weiter: nehmen wir an, dieses Energieunternehmen würde sich in den USA de-listen lassen. Es wäre also nur noch an einer Euroland-Börse in Euro handelbar.

Würde sich für das Unternehmen und dessen Währungsanfälligkeit irgendetwas ändern? Ich denke nein.

Worauf ich, pauschal gesprochen, hinaus möchte: bei einem global agierenden Unternehmen ist es meines Erachtens egal, in welcher Währung die Aktie notiert.
Bei einem lokal agierenden Unternehmen kauft man sich sicherlich in die entsprechende Währung ein. Aber nicht, weil die Aktie in dieser Währung notiert, sondern weil das Unternehmen in diesem Währungsraum operiert (das Beispiel mit dem US-Versorger, der in Euro notiert, kommt ja in der Praxis nicht vor).

Zustimmung? Oder schreibe ich Unfug?

Viele Grüße,
sparFuxx

sparFuxx, (URL) - 02-08-’11 15:26
Holger

Hallo sparFuxx,

nun hab ich es auch verstanden. Du hast natürlich völlig Recht.

Viele Grüße
Holger

Holger, (URL) - 02-08-’11 18:48
Emoticons
Bitte beantworten Sie diese einfache Frage. Sie dient dazu, automatisierten Kommentar-Spam zu verhindern.
Persönliche Informationen speichern?
Benachrichtigen
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.