Homag und die Deutsche Beteiligungs AG: ein kleines Börsenrätsel

Die Aktie des Holzmaschinenherstellers verlor heute 14 Prozent - und sein größter Anteilseigner war der größte Gewinner im SDAX.

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich die Finanzmärkte besonders wenig verstehe - und das liegt nicht am starken morgendlichen Anstieg der Börsen, der von einem umso heftigeren Absturz am Nachmittag pulverisiert wurde. Mich hat eine kleine Randnotiz stutzen lassen: Die Homag AG, ein weltweit führender Hersteller von Maschinen für die holzverarbeitende Industrie, veröffentlichte hat heute eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Die Aktie verlor im Xetra-Handel 14 Prozent. Der wichtigste Anteilseigner von Homag, die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), war dagegen heute mit einem Plus von mehr als 3 Prozent der größte Gewinner im Nebenwerte-Index SDAX. Komisch, oder?

Schließlich hält die DBAG, ein börsennotiertes Private-Equity-Unternehmen, direkt 16,8 Prozent der Homag-Aktien und über einen Parallelfonds weitere 16,x Prozent. Kein Wunder also, dass auch die DBAG eine Adhoc-Mitteilung zur Homag-Gewinnwarnung veröffentlichte.

Wer kann die gegenläufige Entwicklung von Deutscher Beteiligungs AG und Homag AG erklären?

Mit der habe ich mich, ehrlich gesagt, nicht detailliert beschäftigt. Einen genaueren Blick habe ich lediglich auf die Kursentwicklung der beiden Aktien geworfen - auf Basis der notorisch unzuverlässigen Daten meines Lieblings-Finanzportals Onvista. Die zeigen folgendes Bild:

  • Die Homag-Aktie hat gestern bei 14,765 Euro geschlossen, heute notierte sie zum Ende des Xetra-Handels bei 12,70. Das macht ein Minus von 2,065 Euro oder 13,99 Prozent je Aktie. Da Onvista zufolge 15,688 Millionen Homag-Aktien existieren, ist die Marktkapitalisierung des Unternehmens seit gestern also um rund 32,4 Millionen Euro gesunken.
  • Die Aktie der DBAG dagegen ging gestern mit 18,475 Euro aus dem Handel und schloss heute bei 19,075 Euro - ein Plus von 0,6 Euro oder 3,25 Prozent. Angesichts von 13.676.359 ausstehenden Aktien bedeutet dies einen Anstieg der Marktkapitalisierung um rund 8,21 Millionen Euro. Dabei hätte die DBAG doch allein durch den Wertverlust der von ihr gehaltenen Homag-Aktien um 5,44 Millionen ärmer sein müssen.

Nun rätsele ich, woher diese Diskrepanz kommt. Wahrscheinlich bedeutet eine Minderung des DBAG-Vermögens um 5,44 Millionen Euro nicht automatisch auch einen Wertverlust gleicher Höhe - schließlich bemisst sich der Unternehmenswert am diskontierten Wert der künftigen Zahlungsströme, den die Anteilseigner zu erwarten haben.

Markt-Ineffizienz oder Überforderung des Anlegers?

Nun ist die Marktkapitalisierung der DBAG aber nicht nur nicht gesunken - sie ist sogar deutlich gestiegen, was die Diskrepanz noch vergrößert. Und mir fällt beim besten Willen keine halbwegs passende Begründung ein. Mein erster Gedanke war: Der Markt spielt jetzt das Szenario, dass ein Exit der DBAG bei Homag aufgrund der schlechten Entwicklung der Beteiligung wahrscheinlicher geworden ist. Aber das kam mir dann doch irgendwie albern vor.

Daher bleiben im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Entweder funktioniert der Aktienmarkt nicht besonders gut, wenn es um deutsche Small Caps geht. Oder ich übersehe etwas Wesentliches.

Letzteres halte ich für deutlich wahrscheinlicher. Hat vielleicht jemand eine Idee?

Erklärung: Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung halte ich Aktien der Deutschen Beteiligungs AG.

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vierzehn Kommentare

niels

Viel interessanter als die Höhe des Anteils an Homag, den die Deutsche Beteiligungs AG hält, wäre in diesem Zusammenhang doch der Anteil der Homag-Beteiligung am Gesamtportfolio der Deutschen Beteiligungs AG.

Und könnte in den übrigen Beteiligungen eine Ursache für die heutigen Gewinne stecken?

niels, (URL) - 01-08-’11 21:30
Holger

Hallo Niels,

Homag ist mit Abstand die größte Beteiligung der DBAG (und soweit ich weiß die einzige börsennotierte). Die Buchwerte der einzelnen Beteiligungen weist die DBAG meines Wissens nicht aus. Aber zum Schlusskurs von gestern war die Homag-Beteiligung immerhin knapp 39 Mio. Euro wert – bei einer Marktkapitalisierung der DBAG von gut 250 Mio. Euro. Das ist zugegebenermaßen natürlich kein so großer Brocken, dass ein Wertverlust der Homag-Aktie nicht durch irgendetwas anderes überkompensiert werden könnte. Aber die Gleichzeitigkeit von Absturz und Anstieg beim völligen Fehlen sonstiger Nachrichten macht mich halt stutzig.

Aber klar: Wenn irgendein größerer Investor auf die Idee kommt, seinen DBAG-Anteil aufzustocken, steigt der Aktienkurs völlig ohne fundamentalen Grund.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 01-08-’11 21:38
memyselfandi007

hallo, die letzten letzten 3 Monate liefen die Kurse eigetnlcih recht paralle, zumindest wenn man sich den Chart anschaut:

http://chart.finance.yahoo.com/z?s=HG1.D..

Ausserdem waren die Umsätze ziemlich minimal.

mmi

memyselfandi007, (URL) - 01-08-’11 22:28
memyselfandi007

sorry für die Tippfehler….

memyselfandi007, (URL) - 01-08-’11 22:29
Holger

Hallo memyselfandi007,

ja, dass die Umsätze minimal sind, ist leider ein Problem, das tatsächlich oft zu erratischen Kursbewegungen führen dürfte, die sich nicht einfach so erklären lassen. Aber gestern war die Abweichung definitiv ziemlich auffällig – erst recht, wenn sich die Aktien sonst halbwegs parallel entwickeln.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 02-08-’11 08:19
memyselfandi007

heute gehts mit Homag nochmal weiter nach unten und DBA bleibt stabil.

Es scheint, dass die DBAG Aktionäre nicht ganz so zittrige Hände haben wie die Homag Aktionäre.

memyselfandi007, - 02-08-’11 16:08
marcel

Hi,

ich bin etwas frustriert, weil ich mich auf dieser Seite nicht zurechtfinden kann. Irgendwie bin ich auf das Musterdepot gestoßen, finde es aber nicht wieder, wenn ich auf der Startseite bin.
Was mir fehlt ist ein roter Faden. Wie komme ich an andere Themen auf dieser Seite außer denen auf der Startseite.
Schön wären irgendwelche, nach Themen sortierte, Buttons.
Aber vielleicht habe ich sowas ja auch nur übersehen.
gruß,

marcel

marcel, - 02-08-’11 17:15
Holger

Hallo memyselfandi007,

wenn man ein Minus von 3,3 Prozent als stabil bezeichnen kann, dann hast Du sicher Recht. ;-) Ist jedenfalls interessant, dass die Diskrepanz heute weiterzubestehen scheint – das heutige DBAG-Minus bewegt sich ja völlig im Rahmen dessen, was alle Aktien konjunktursensibler Unternehmen erleiden mussten.

Hallo marcel,

das tut mir leid. Die Blog-Struktur dieser Website hat tatsächlich nicht nur Vorteile, gerade bei Inhalten, die nicht klassisch bloggig sind. Die Suchfunktion (oben rechts) funktioniert aber meist ganz gut, und bringt eine Reihe relevanter Treffer, wenn Du “musterdepot” eingibst. Direkt hier verlinkten kann ich die Suchergebnis-Seite leider nicht. Bitte schreiben Sie mir eine kurze E-Mail an handstein[at]der-privatanleger.de, wenn das bei Ihnen nicht klappt.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 02-08-’11 18:55
marcel

Hi,
danke für die Antwort.
Mir ging es im Wesentlichen darum, dass ich keine wirkliche Struktur auf dieser Seite erkennen konnte. Mir fehlen Themenbuttons, die als eine Art Inhaltsverzeichnis dienen. Die könnten sich unter anderem gliedern in: Aktuelles (aktuelle Themen und Berichte), ETF (Grundlagenartikel dazu und Neuigkeiten), etc…
Das hat bei mir den Hintergrund, dass ich mich gestern zum ersten Mal mit ETFs beschäftigt habe und nicht wirklich wusste, was das ist. Da hatte ich halt gehofft, auf dieser Seite mehr zu erfahren. Vor allem auch, worauf man bei den Dingern achten muss. Wann sind die z.B. teuer oder welche Kosten dürfen dabei anfallen.
Danke nochmal für die Antwort. Werde mich mal durch die Suchfunktion wurschteln.
Gruß,

Marcel

marcel, - 03-08-’11 10:43
Holger

Hi Marcel,

danke für das Feedback. Ich versuche, die Seite Schritt für Schritt übersichtlicher zu machen.

Neben den Kategorien (Aktien, Anleihen, Immobilien…) und der Stichwortwolke gibt es deshalb seit Kurzem die Seite Wissenswert, die einen Überblick über die wichtigsten Artikel hier bieten soll:

http://der-privatanleger.de/page/links

Auch die ist aber kein Allheilmittel – und zudem leider noch sehr unvollständig. Grundproblem: Ich habe zu wenig Zeit.

Jetzt aber zurück zum Thema Homag/DBAG. ;-)

Viele Grüße

Holger, (URL) - 03-08-’11 18:55
Tim

Solange die Beteiligungsfirma ihre Homag-Anteile nicht verkauft, ist der aktuelle Homag-Kurs ziemlich Wurst.

Tim, (URL) - 11-08-’11 16:57
Holger

Hallo Tim,

müsste man, wenn man dieses Argument auf die Spitze treibt, dann nicht auch sagen, dass die Wertschwankungen von Aktien in einem Investmentfonds Wurst sind, so lange der Fonds die Aktien nicht verkauft?

Die Bewertung der Homag-Aktie hat ja definitv Einfluss auf das Jahresergebnis der DBAG, selbst wenn sie zunächst keine Auswirkungen auf den Cashflow hat.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 11-08-’11 17:51
Marcel

Ich freue mich, dass diese Seite so schön übersichtlich gestaltet wurde.
Man sieht, dass Kritik gerne angenommen und zu Verbesserungszwecken genutzt wird.
Nur weiter so.

Marcel, - 16-08-’11 11:07
Holger

Hallo Marcel,

danke für das Lob. Ich bemühe mich immer, auf Kritik einzugehen. Aber da DER PRIVATANLEGER ein reines Hobbyprojekt ist und meine Zeit fast noch begrenzter ist als meine Webdesign-Fähigkeiten, kann es manchmal sehr lange dauern, bis sich was ändert.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 16-08-’11 19:31
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