Krise an den Aktienmärkten - was tun?
Warum einfach stillzuhalten, wahrscheinlich die rationalste Lösung ist
Ich habe gerade leider furchtbar wenig Zeit, aber so ganz möchte ich den andauernden Börsencrash da draußen dann doch nicht ignorieren. Die Frage, die viele Anleger im Moment wohl umtreibt, ist: Wie verhält man sich in so einer Krise eigentlcih am besten? Schließlich schwimmen Menschen, die Geld in Aktien oder Aktienfonds gesteckt haben, gerade größer werdende Teile ihres Vermögens weg. Andererseits werden die Bewertungen aber auch täglich günstiger. Also: was tun? Ich würde sagen: am besten vermutlich gar nichts.
So funktioniert passive Geldanlage schließlich: Ihre wesentlichen Ziele sind, einerseits die Kosten zu minimieren und andererseits potenziell schädliche Emotionen wie Angst und Gier so gut wie möglich zu zügeln. Deshalb geht, wer passiv anlegt nach einem klaren Plan vor:
- Die Vermögensaufteilung festlegen: Orientiert an den eigenen Bedürfnissen (nicht an der Marktlage) wird festgelegt, wie hoch der Anteil von (riskanten) Aktienanlagen und (mutmaßlich weniger riskanten) Anleihen/Zinsanlagen im Depot sein soll.
- Rebalancing-Strategie bestimmen: Durch die Marktentwicklung wird das Depot über kurz oder lang von der Zielaufteilung abweichen. Deshalb ist es nötig festzulegen, in welchen Zeitabständen die Abweichung der tatsächlichen von der idealen Aufteilung festgestellt wird. Ist die Abweichung am Kontrolltermin zu groß, wird das Depot durch gezielte Nachkäufe bzw. Verkäufe gut gelaufener Assets wieder ins Lot gebracht.
- Sich an die Strategie halten: Hört sich einfach an, ist aber der schwierigste Teil - wenn die Strategie einmal implementiert ist, hält man sich auch daran. Das heißt: Es ist im Grunde unnötig, zwischen den Rebalancing-Terminen überhaupt aufs Depot zu schauen. Schließlich orientiert man seine Anlagestrategie nicht am Marktgeschehen - sondern an den eigenen Bedürfnissen.
Soweit die Theorie. In der Praxis kann einen natürlich niemand davon abhalten, über sein eigenes Vermögen zu verfügen und Panikverkäufe zu tätigen. Oder Aktien auch vor einem Rebalancing-Termin nachzukaufen, weil die Kurse ja soo günstig aussehen (ich gestehe: dazu neige ich eher - irgendwie muss das Schnäppchenjagen bei mir genetisch angelegt sein). Praktisch ist in der Hinsicht ein gleichberechtigter Partner, mit dem man sich regelmäßig über die Anlagestrategie austauscht. Das ist zumindest das beste Mittel gegen einsame Kurzschlussentscheidungen, das ich kenne.
Ich möchte das aber einfach mal zur Diskussion stellen: Wie ist Ihre Gemütslage in der momentanen Situation? Haben Sie schon etwas unternommen? Werden Sie noch? Oder schaffen Sie es, einfach stillzuhalten? Wie sichern Sie sich gegen sich selbst ab?
Ich freue mich über jeden Beitrag!
Zum Weiterlesen
- Rebalancing - drei Strategien im Test
- Der stachlige Weg zur richtigen Entscheidung
- Sind Finanzmärkte effizient? Drei Argumente
24 Kommentare
Hallo,
ich habe auch (schon) nachgekauft.
Das liegt daran, daß ich grundsätzlich bei bestimmten Abweichungen rebalanciere – unabhängig vom Termin.
Ob das schlau ist weiß ich nicht. Aber ich komme mir schlau vor, wenn ich es mache. Bei länger anhaltenden Kursverlusten hält letzteres leider nur sehr kurz an.
Viele Grüße,
sparFuxx
Danke Ihnen/Euch für die Einblicke!
Dann muss ich wohl auch mal Butter bei die Fische geben: Ich habe ebenfalls schon ein bisschen nachgekauft. Vorgestern – und zwar einen US-Small-Cap-ETF, weil Nordamerika ein zu niedriges Gewicht im Depot hatte. Und seitdem fühle ich mich ebenfalls je nach Indexstand mal klug und mal (meistens) weniger klug.
Und ich habe das mit meiner Frau gemeinsam beschlossen. Ein leicht schlechtes Gewissen habe ich trotzdem. Schließlich war das eigentlich nicht geplant, sondern ist eher der Jagd nach Schnäppchen geschuldet.
Zugegeben: Der Nebeneffekt ist, dass der Aktienanteil im Depot nicht zu weit sinkt. Ich prüfe das wie Kleinanleger schließlich auch fast ständig.
Aber ich halte das dennoch für eine Schwäche, auch wenn es genügend Möglichkeiten gibt, rationale Gründe für so einen Nachkauf vorzuschieben.
Lieber Herr Handstein,
ich teile die Auffassung von KLEINANLEGER, dass ein Rebalancing nicht zwangsläufig an einen Zeitpunkt gebunden sein muss, sondern – unter Beachtung der hauseigenen Kriterien – letztlich den Kauf/Verkauf von Wertpapieren zu günstigen Kursen bedeuten kann. Natürlich ist es sinnvoll für die Rendite, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Daher grämen Sie sich bitte nicht, Ihrem Schnäppchendrang nachgegeben zu haben. Dies entspricht naturgemäß nicht einer strikt passiven Srategie, aber es spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, eine untergewichtete Position günstig zu erhöhen.
Da ich selbst ein totaler Anfänger auf dem Gebiet der Geldanlage bin, hätte ich da ein paar Fragen an Sie:
1.) Warum haben Sie sich entschieden, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nachzukaufen? Warum warten Sie nicht ab? Ich persönlich glaube, dass der aktuelle “Crash” eine Kombination aus Einpreisung des Staatsanleiheproblems plus Überbewertung der Indizes – insbesondere des DAX – plus eine gehörige Portion Angst ist. Insbesondere letzteres lässt mich glauben, dass es durchaus noch weiter runter gehen kann, vor allem, wenn durch den Crash selbst wirklich etwas ins Wanken kommt. Sie nicht?
2.) Wonach entscheiden Sie, dass Ihr Nordamerikaanteil untergewichtet ist? Marktkapitalisierung, BIP, Bauchgefühl …? Warum haben Sie sich – abgesehen vom Bauchgefühl – für diese Bewertung entschieden?
3.) Eine weitere Frage bewegt mich zur Zeit, die nicht gsnz in das nüchterne “Renditerechnen” passt. Sie haben gesagt, dass Sie die Entscheidung für den Kauf mit Ihrer Frau abgesprochen haben. Da meine Frau sich wenig für Geldangelegenheiten interessiert: Kennen Sie einen Kniff, damit sich ein Normalmensch für unsere Sorgen interessiert? Ich verlange ja keine Begeisterung, aber immerhin ist es ja auch ihr Geld, mit dem ich da hantierte.
Ich würde mich über eine Antwort freuen und möchte noch anfügen, dass ich mich von Ihrem Blog sehr inspiriert fühle, mich mit meinen Geldanlagen – weg von Werbeversprechungen durch Finanzdienstleister – zu befassen (Ja, ich bin/war wohl ein finanzieller Standardkonsument, aber ich gelobe Besserung ). Tatsächlich verfolge ich diesen Blog schon einige Zeit mit sehr großem Interesse und hätte noch tausend Fragen, vor allem zu wirtschaftswissenschaftlichen Diskussionen, die ich zur Zeit leider noch kaum verstehe (Haben Sie einen guten Hinweis, wo man an entsprechende Veröffentlichungen kommen kann?). Insbesondere gilt an dieser Stelle mein Dank für den Hinweis auf das Buch von Malkiel, dass ich in kürzester Zeit verschlungen habe.
Hallo Martin,
danke für Ihren Kommentar. Und zunächst einmal sorry: Ich muss Sie noch um ein bisschen Geduld bis zu einer richtigen Antwort bitten. Im Moment komme ich einfach nicht dazu – und ich möchte nicht irgendetwas hinrotzen. Dafür sind die aufgeworfenen Fragen zu interessant.
Viele Grüße
Hallo Martin,
sorry noch mal für die lange Verzögerung.
Erst mal zur Wichtigkeit des Rebalancings-Zeitpunktes: In den Büchern, die ich so gelesen habe (fragen Sie mich bitte nicht, in welchen – ich tippe zumindest auf Bernstein und Kommer) wird in aller Regel empfohlen, nur einmal jährlich zu rebalancieren, um nicht zu hohe Kosten zu verursachen. Ich persönlich halte es am besten, ein Überprüfungs-Intervall (z. B. alle 6 Monate) und eine Schwelle für die mindestens erforderliche Abweichung von der Zielallokation (z. B. “risikoloser” Depotanteil liegt um > 5 Prozentpunkte unter der Zielallokation) festzulegen. Das hilft einem, die Ruhe zu bewahren und bei hoher Volatilität (es kann ja auch schnell wieder nach oben gehen), nicht wild hin und her zu traden. Mir geht es da einfach darum, misstrauisch gegenüber mir selbst zu bleiben und möglichst stabile Leitplanken zu haben, die mich auf Kurs halten.
Und wenn man zum Beispiel – natürlich rein hypothetisch gesprochen – die Liquiditätsreserve auf dem Tagesgeldkonto verringert, um eine mutmaßlich günstige Gelegenheit am Aktienmarkt zu ergreifen, ist das eben nicht gut. Weil es an den Marktgegebenheiten orientiert ist statt an den eigenen Bedürfnissen. Und wenn man diese Logik fortführt, dann sind die Märkte unter Umständen irgendwann so günstig, dass man praktisch zu einem kreditfinanzierten Nachkauf gezwungen wird. ![]()
Warum haben Sie sich entschieden, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nachzukaufen? Warum warten Sie nicht ab?
Meine Gedanken sind da recht schlicht: Die persönliche Liquidität und die erwarteten zukünftigen Cashflows schienen ausreichend, der Aktienanteil im Depot war zu niedrig, die Bewertung der Aktienmärkte wirkt ebenfalls nicht besonders hoch, und die hohe Volatilität legt nahe, dass Panik herrschte. Das sind für mich alles Faktoren, die einen Einstieg begünstigen. Klar: Es kann immer weiter runtergehen. 2008 dachte ich auch regelmäßig, dass die Märkte zum Zeitpunkt X aber wirklich billig waren – und plötzlich wurden sie noch billiger. Aber das kann ich nicht prognostizieren. Volkswirtschaftliche Prognosen gebe ich sowieso nicht ab. Das kriegen ja nicht mal die volkswirtschaftlichen Forschungsinstitute hin (ich freue mich schon auf die massenhafte Abwärtsrevision der bisherigen optimistischen Vorhersagen nach den heutigen Konjunkturzahlen).
Wonach entscheiden Sie, dass Ihr Nordamerikaanteil untergewichtet ist? Marktkapitalisierung, BIP, Bauchgefühl …?
Ich habe vor längerer Zeit mal eine Gewichtung der Regionen Deutschland, Resteuropa, Nordamerika, Asien-Pazifik, Emerging Markets in meinem Depot festgelegt – nach “naiven” Kriterien. Die Regionen sind also annähernd gleich gewichtet. EM haben ein etwas höheres Gewicht. So sehr möchte ich aber gar nicht darauf eingehen. Das ist sicher keine wissenschaftliche Herangehensweise, sie führt unter anderem zu einem leichten Homebias – und welche ETFs ich in meiner Anfangszeit gekauft habe und immer noch halte, werde ich frühestens in ein paar Jahren mal öffentlich erzählen.
Aber von der pseudowissenschaftlichen Genauigkeit, die durch die BIP-Gewichtung nahegelegt wird, bin ich nicht überzeugt. Und eine strikte Ausrichtung nach Marktkapitalisierung führt zu einem ziemlich prozyklischen Portfolio – will man auch nicht unbedingt.
Kennen Sie einen Kniff, damit sich ein Normalmensch für unsere Sorgen interessiert? Ich verlange ja keine Begeisterung, aber immerhin ist es ja auch ihr Geld, mit dem ich da hantierte.
Ein tolles Thema für einen eigenen Beitrag. Einen Kniff kenne ich nicht. Ich habe meine Frau anfangs immer wieder mit dem Thema belästigt, auch wenn sie nicht so recht Lust hatte. Im Laufe der Zeit hat sie begonnen, sich auch selbst mehr dafür zu interessieren, was mit unserem Geld geschieht. Also: eigentlich kein Kniff – vermutlich einfach eine Mischung aus Beharrlichkeit und Glück, dass meine Frau auch ein Interesse am Thema hat. Über Rebalancing-Intervalle diskutieren wir beim Abendessen aber immer noch nicht. ![]()
Viele Grüße
Lieber Herr Handstein,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich halte es für selbstverständlich, dass eine gute Antwort etwas Zeit benötigt und freue mich daher um so mehr, dass Sie sich diese genommen habe. Tatsächlich geniesse ich eine – größtenteils – internetlose Zeit am Meer und lasse den DAX machen, wozu er lustig ist. Ich würde daher gerne zu einem späteren Zeitpunkt an diese Diskussion anknüpfen.
Viele Grüße,
Martin
Lieber Herr Handstein,
nachdem ich das Meer notgedrungen hinter mir lassen musste, hoffe ich auf eine Fortführung dieses öffentlichen Gerspräches. Bevor ich anfange, auf Ihre Antwort einzugehen, möchte ich auf den ursprünglichen Artikel zurückkommen bzw. kurz auf Ihre dort gestellte Frage nach dem Umgang mit der (abgeschlossenen oder noch laufenden?) Korrektur an den Aktienmärkten antworten:
Als Sparer, der monatlich für die Vermögensbildung in aktive/indexbasierte Publikumsfonds investiert, betrifft mich (bzw. meine Frau und mich) die Krise relativ wenig. Ich investiere – mehr oder weniger – stur weiter in die von mir ausgesuchten Instrumente. Allerdings (!) erlaube ich es mir, die Sparraten u. U. monatlich an meine Zielallokation anzupassen (sprich: durch die Krise stärker mitgenommene Investments werden stärker bespart und umgekehrt). Transaktionskosten/Ausgabeaufschläge fallen dabei nicht an, aber es verführt im Moment dazu, etwas mehr zu investieren, als man sich eigentlich vorgenommen hat (An dieser Stelle einen Dank für Ihren Kommentar über die eigenen Bedürfnisse und die Markgegebenheiten, die finale Logik der kreditfinanzierten Aktienkäufe war mir so gar nicht bewusst). Im Übrigen freue ich mich sogar etwas über die derzeitige Situation, und zwar aus einem völlig anderen Grund: Sie bietet mir als Neuling die Gelegenheit, den Wertverfall meines nützlicherweise sehr kleinen Depots mit diversen, eigens dafür angelegten Musterdepots zu vergleichen. Um es kurz zu machen: ich bin erstaunlich gut dabei , aber es ginge noch erheblich besser. Ich würde auch lieber deutlich mehr in ETFs investieren (und werde das bei angemessenen Volumen auch tun), allerdings hauen da – bei meinem Depot – zu sehr die Transaktionskosten rein.
Womit wir beim Thema des Rebalancings wären: letztenendes scheint es mir, dass das Rebalacing kritisch von der Größe des Investments abhängt. Damit meine ich, dass der prozentuale Anteil der Transaktionskosten (Grundgebühr plus x Prozent des Volumens) sehr stark die Peformance beeinflusst und damit auch die Häufigkeit des Rebalancings bestimmen sollte. Daher wohl auch die Warnung an Privatanleger (mit normalerweise “kleinen” Vermögen) von Kommer und anderen, zu oft umzuschichten. Oder wie sehen Sie das?
Was den Zeitpunkt des Nachkaufs betrifft, sind wir wohl einer Meinung: das ist eine rein persönliche Entscheidung, die von der ebenfalls rein persönlichen Situation abhängt. Hatte mich nur so mal interessiert. Am Rande: Mein Schwager – gelernter Mikro- und Makrökonom – äußerte sich sehr überrascht über die Heftigkeit der “Korrektur”. Interessanter ist seine Äußerung über Grundsätzliches über den Aktienkauf an sich: Zu jedem, der glaubt, Aktien billig zu kaufen, gehört jemand, der glaubt, sie teuer zu verkaufen. Soviel zum “richtigen” Einstieg…
Ich hatte Sie nach Ihrer regionaler Diversifizierung gefragt. Bei Ihrer Antwort sind mir zwei Dinge aufgefallen: a) Ihre – doch starke – Gewichtung von Deutschland (legt man die Marktkapitalisierung zu Grunde). Es geht mir nicht anders, aber ist das nicht eigentlich irrational? So stark sich der deutsche Aktienmarkt gezeigt hat, ebenso stark trifft es ihn im Moment. Zudem lässt sich die starke Korrelation zum DOW doch nicht abstreiten, oder? Also, warum tun wir das? b) der Begriff “pseudowissentschaftlich” lässt sich für mich – als Naturwissenschaftler – offen gestanden auf fast alle mir bekannten Portfoliotheorien anwenden. Ich kenne den Artikel von Jacobs et al., er basiert in erster Linie – wie so viele – auf bestimmten Beobachtungszeiträumen, die 1.) nichts mit der zukünftigen Entwicklung zu tun haben müssen und 2.) so gewählt sein können, dass Sie dem gewünschten Ergebnis entsprechen. Aber letztlich spricht doch nichts gegen die BIP-Regel, da sie genauso gut ist wie jede andere auch, oder? Warum äußern Sie sich hier so kritisch?
Was den letzten Punkt angeht: die Geldanlage der Normalmensch, meine Frau und ich. Da komme ich nicht wirklich weiter. Aber ich schöpfe Hoffnung: steter Tropfen höhlt den Stein!
Viele Grüße,
Martin
Hallo Martin,
wieder mal muss ich mich für die lange Zeit bis zu meiner Antwort entschuldigen – aber ich hatte am Wochenende deutlich mehr damit, dieses Blog nach einem Update vom Totalcrash abzuhalten, als mir lieb gewesen wäre (zwischendurch war einige Zeit lang zwar Ihr Kommentar sichtbar, aber nicht mehr der zugehörige Artikel).
Jedenfalls:
Damit meine ich, dass der prozentuale Anteil der Transaktionskosten (Grundgebühr plus x Prozent des Volumens) sehr stark die Peformance beeinflusst und damit auch die Häufigkeit des Rebalancings bestimmen sollte.
Das ist sicher ein Faktor. Berücksichtigen sollten Sie aber auch die fälligen Steuerzahlungen – und die belasten tendenziell eher größere Depots, weil der Sparerpauschbetrag da nicht mehr viel hilft. Und leider dürften beim Rebalancing oft Steuern anfallen, weil normalerweise gut gelaufene Depotbestandteile ver- und schlechter gelaufene nachgekauft werden.
Zu jedem, der glaubt, Aktien billig zu kaufen, gehört jemand, der glaubt, sie teuer zu verkaufen.
Ich finde den Satz als erste Näherung gut, weil er einem hilft, seine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Es gibt aber auch viele Verkäufe die nicht deshalb getätigt werden, weil jemand den Preis eines Wertpapiers für (zu) hoch hält. Zum Beispiel: weil eine Stopp-Loss-Marke gerissen wird; weil aufgrund der gestiegenenen Volatilität bei irgendeinem Institutionellen ein Anlagegrundsatz verletzt wird; weil jemand auf Kredit spekuliert hat und vom “Margin Call” eingeholt wird. Das sind auch alles wunderbare Gründe dafür, dass Kursstürze eine Eigendynamik entwickeln können – ohne dass jemand wirklich in Panik im Sinne eines zeitweisen Aussetzens des Verstandes verfallen muss.
Es geht mir nicht anders, aber ist das nicht eigentlich irrational?
Ja, da haben sie völlig Recht. Meine persönliche Gewichtung ist auch eher ein Überbleibsel aus der Zeit, als ich noch mehr Enthusiasmus und weniger Wissen hatte.
Ich wollte die BIP-Gewichtung auch nicht schlecht reden. Ich denke, sie hat auch jenseits der rein vergangenheitsorientierten Performance-Betrachtung viele Vorzüge, weil sie ein festes, “objektives” Regelwerk liefert und nicht anfällig für prozyklische Schwankungen ist (anders als etwa die Gewichtung nach Marktkapitalisierung).
Viele Grüße
Ich persönlich empfinde die momentane Situation bzw. Reaktion des Marktes als stark überzogen. Zum einen steht derzeit noch längst nicht fest dass die USA in eine neuerliche Rezession schlittern, und zum andern ist die Lage in Europa zwar Ernst aber speziell in und für Deutschland, respektive die Deutsche Wirtschaft – dermaßen schlecht, das ein Dax Absturz in diesem Ausmaß gerechtfertigt erscheint. Aus diesem Blickwinkel betrachtet erscheint mir speziell der Deutsche Aktienmarkt derzeit stark unterbewertet und überverkauft. Die derzeitig Panik vermag den Dax vielleicht noch ein ganzes Stück tiefer zu treiben, dennoch bin ich der Meinung das wir uns trotz der Europäischen Situation und ganz abgesehen von den unguten Bild welche die Charttechnik derzeit zeichnet, so langsam aber sicher einem Boden im Dax annähern. Von daher finde ich lohnt es sich einfach – je nach Anlagestrategie mit dem Aufbau einer ersten Position zu beginnen, oder gar zu Akkumulieren, in welcher Form auch immer. Alternativ bietet sich derzeit geradezu der Aufbau einer Shortposition auf Amerikanische Staatsanleihen an, deren Yields derzeit auf Historischen niedrigst Niveau notieren, jedoch über kurz oder lang aus vielen verscheidenen Gründen definitiv wieder ansteigen werden…
Hierzu existiert in meinem Blog auch ein passender Artikel.
Bei jeder Krise sollte man sich denke ich klar machen, dass zukünftige negative Entwicklungen dann in den Kursen eingepreist sind. Vielleicht nicht vollständig, vielleicht auch stark überzogen, um das genau einschätzen zu können, bräuchte man eine Glaskugel. Aber Fakt ist, dass negative Entwicklungen zu einem bestimmten Grad in den Kursen eingepreist sind.
In Boomphasen dagegen ist das eher nicht der Fall. Und doch lehrt uns die Geschichte, dass die nächste Krise garantiert irgendwann kommt, genauso wie der nächste Boom.
In der jetzigen Situation gibt es daher für mich nur eins: kaufen! Das Problem ist natürlich der Zeitpunkt. Geht es noch weiter runter und ich könnte noch billiger kaufen? Da ich mir selbst dazu keine Einschätzung zutraue, konzentriere ich mich lieber auf die fundamentalen Daten der von mir verfolgten Unternehmen. Je günstiger der Preis wird, desto mehr kaufe ich, ich kaufe also Stück für Stück. Damit verhindere ich, dass ich vor lauter Zögern garnichts billig kaufen kann, habe aber andererseits die Möglichkeit nachzukaufen, wenn die Kurse noch weiter fallen. Zumindest psychologisch ist diese Strategie für mich optimal, und Psychologie ist vermutlich einer der entscheidenden Faktoren, wenn nicht gar der Faktor überhaupt, um langfristig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.
Leider geht mir so langsam das Geld aus, aber was solls, am absoluten Tiefpunkt zu kaufen ist wohl leider ein unerreichbares Ziel.
Generell fühl ich mich richtig gut momentan, denn obwohl mein Depot gut ins minus gerutscht ist, fühle ich mich besser damit, frisches Geld gut investieren zu können, als einfach nicht zu wissen, wohin mit meinem Geld, weil mir einfach alles nach funamentalen Gesichtspunkten zu teuer ist.
Hallo,
im wesentlichen durch dieses Blog inspiriert bin ich gerade dabei, ein festes Regelwerk für meine Aktienquote zu definieren. Dabei lege ich eine Zielquote für den Renteneintritt fest und eine aktuelle Quote. Dazwischen will ich linear interpolieren.
Soweit so gut. Nun überlege ich mir, ob eine performanceabhängige Abweichung in der Gewichtung sinnvoll sein könnte, in etwa so:
Die Aktienquote verringert sich, zum Beispiel um 2 Prozentpunkte im Vergleich zum errechneten interpolierten Wert, wenn die Aktien-Performance im vergangenen Jahr besser als x Prozent war. Bei schlechter Performance steigert sie sich entsprechend.
Die konkrete Höhe (hier: 2 Prozentpunkte) will ich gar nicht diskutieren; man könnte das auch performanceabhängig machen, z. B. so:
Veränderungsquote = -Aktienperformance geteilt durch 10.
Bei einer Performance von 40 Prozent würde die Aktienquote also automatisch um 4 Prozentpunkte gegenüber dem interpolierten Wert reduziert etc.
Frage:
a) haltet Ihr das für sinnvoll, oder ist das ein zum Scheitern verurteilter Versuch des Market-Timings
b) kennt jemand eine Studie, in welcher der Erfolg (Chance und Risiko!) einer vergleichbaren Strategie zurückgerechnet wurde?
Ich würde mich wie immer über anregende Gedanken dazu sehr freuen!
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo sparFuxx,
nur kurz, bin zeitlich wieder knapp dran:
- Für einen sinnlosen Market-Timing-Versuch halte ich das keinesfalls. Die Strategie ist durchdacht und streng regelgeleitet. Ob die zugrunde liegenden Annahmen dauerhaft zutreffen, weiß man nicht. Das gilt aber auch für schlichtes Rebalancing.
- Bernstein hat mal über dieses Overbalancing geschrieben. Ich kenne keine richtige Studie dazu, aber vermutlich hat er sich auf eine bezogen.
Viele Grüße
Hallo,
ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Frage – zumindest für den Performanceteil – selbst beantwortet, indem ich “meine” Strategie am Beispiel des DAX zurückgerechnet habe.
Ergebnis: es gibt nur minimale Abweichungen gegenüber einer performanceunabhängigen Gewichtung. Die Antwort auf die Frage, ob die performanceabhängige Gewichtung besser oder schlechter ist, wechselt zudem noch von Jahr zu Jahr.
Wenn ich nun berücksichtige, daß damit ein etwas höheres Risiko eingegangen wird, komme ich zu der Vermutung, daß mein Vorschlag Quatsch ist.
Oder ist es zu naiv, eine solche Schlussfolgerung aus einer einzigen Datenreihe zu ziehen?
Was vielleicht einige interessiert: der fiktive Zinssatz, mit dem der nicht-Risiko-Anteil verzinst wird (im Beispiel einfach mal 2 Prozent, 3 Prozent oder 4 Prozent) hat einen weitaus größeren Einfluss auf den Gesamterfolg der Anlage!
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo sparFuxx,
eine Verständnisfrage dazu: Wieso wird bei Deiner Strategie ein etwas höheres Risiko eingegangen? Und wie misst Du dabei das Risiko?
Ich finde das schon sehr interessant, aber ich will ja niemanden zum Schreiben von Gastbeiträgen drängen. ![]()
Viele Grüße
Hallo,
das höhere Risiko messe ich einfach in der temporär höheren Aktienquote. Das erschien mir so sehr einleuchtend, daß ich es nicht für erwähnenwsert hielt.
Aber Deine Rückfrage irritiert mich jetzt so sehr, daß ich mich frage, ob ich einem banalen Irrtum aufliege. Gibt es etwa Einwände zu dieser einfachen Sichtweise?
Ich schau mal, ob ich die Zahlenreihe irgendwo ins Netz stelle und würde dann einen Link hier posten.
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo sparFuxx,
na ja, mir ging es einfach darum, dass die Strategie ja nicht per se zu einer höheren Aktienquote führen, sondern die risikoadjustierte Rendite dadurch erhöhen sollte, dass die Aktienquote in Zeiten günstiger Bewertungen erhöht und in Zeiten hoher Bewertungen gesenkt wird (oder?).
Vermutlich hast Du jetzt in Deiner Zeitreihe durchschnittlich eine höhere Aktienquote gehabt – das hätte ich mir denken können, so richtig wissen konnte ich’s aber nicht.
Und wenn man etwas um die Ecke argumentiert, könnte man auf die Idee kommen, dass eine hohe Aktienquote in Zeiten niedriger Bewertungen ja eigentlich kein hohes Risiko ist, weil der Erwartungswert so unfassbar hoch ist…
Nebenbei: Welche Vorzüge hat dieses an der Vorjahresrendite orientierte Overbalancing aus Deiner Sicht gegenüber einer Orientierung an einer Bewertungskennziffer wie dem KGV, meinetwegen auch irgendeinem KGV-Mittelwert?
Viele Grüße
Holger
Hi,
ganz viele Punkte, also der Reihe nach:
- Risiko / Aktienquote: ich denke, man muß das Risiko auf lange Zeit anhand der höchsten Aktienquote bemessen und nicht anhand der Durchschnittlichen, denn bei einem angenommenen katastrophalen langfristigen Kursverlauf verliert man eben fast alles, was man investiert hat (worst case). Und da schlägt das Jahr mit der höchsten Aktienquote eben voll durch, oder nicht? So ganz sicher bin ich mir da aber nicht.
- Maßstab für die Aktienquote:
— 1.: Vorjahresrendite: die ist völliger Quatsch. Das habe ich nur nicht mehr geschrieben. Man steigt nach einem Crash viel zu schnell wieder aus (zumindest wäre es in der Vergangenheit so gewesen). Die Folge war eine sehr deutliche Under-Performance.
— 2.: Dann habe ich die Aktienquote anhand des Abstands zum All-Time-High bemessen: steht man aktuell auf dem All-Time-High, so bleibt die Quote konstant. Liegt man darunter, wird die Quote pro 10 Prozent Verlust vom High zum aktuellen Stand um je ein Prozentpunkt erhöht. Jetzt ergaben sich in der Performance kaum Unterschiede, aber das Risiko ist jetzt eindeutig höher, weil die Aktienquote im langfristigen Durchschnitt auf jeden Fall höher (oder theoretisch gleich) ist, niemals aber niedriger als bei konstanter Gewichtung.
Ich habe auch noch ein wenig rumgespielt, wenn man die Gewichtung verringert, wenn ein neues All-time-High erreicht ist. Auch das hat nichts gebracht (Details würden das hier glaube ich sprengen).
— 3.: KGV, oder auch KBV: das Zahlenmaterial ist aus meiner Sicht nicht brauchbar. Vergangenheitswerte bringen nichts, und Zukunftswerte sind (nutzlose) Schätzungen. Auf Einzelaktien bezogen hätte man mit dieser Strategie vor einem Jahr zum Beispiel Finanzwerte und deutsche Energieversorger gekauft. Der Rückblick zeigt, daß das alles andere als risikoarm gewesen wäre. Ich schäzte, das könnte bei ganzen Märkten (ETFs) vergleichbar aussehen. Ist aber nur eine Vermutung.
Ich bin gespannt auf Dein Feedback!
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo,
ich muß meine Aussagen leider etwas relativieren, weil mir ein Fehler in den Berechnungen unterlaufen ist.
Das bestätigt die Idee, daß ich die Daten irgendwo hinstelle und verlinke. Dann können sie von allen interessierten überprüft werden.
Ich hoffe, ich komme diese Woche noch dazu.
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo,
ich habe das Ergebnis einiger Rück-Berechnungen anhand des DAX jetzt online gestellt:
(Verschiedene Strategien im Vergleich)
Ich habe noch dazugeschrieben, was ich wovon denke, aber die Qualität reicht leider nicht für einen Gastbeitrag; dafür hätte ich noch deutlich mehr Zeit investieren müssen. Ich hoffe, es ist trotzdem spannend.
Falls es hilfreiche Kommentare geben wird, erweitere ich die Beispielrechnungen sicherlich auch nochmal.
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo sparFuxx,
danke Dir. Ich bin leider immer noch stark ausgelastet durch eine fiese Kombination aus Arbeits- und Freizeitstress. ![]()
Aber zumindest kurz: Ich frage mich, ob die Orientierung am All-Time-High gedanklich Sinn ergibt. Das ATH ist letztlich auch ein ziemlich willkürlicher Orientierungspunkt. Angenommen, man zieht diese Strategie mit dem Nikkei 225 durch – der notiert seit fast 20 Jahren 50 bis 75 Prozent unter seinem Allzeithoch. Das würde entsprechend zu einer dauerhaften deutlichen Abweichung vom festgelegten Risikoprofil führen. Ziel auch einer dynamischen Strategie muss aber sein, dass man auf Dauer ungefähr das benötigte Risikoprofil erreicht.
Allgemeines, leicht lösbares Problem: Mit festen Prozentpunkt-Werten zu arbeiten, ist problematisch, weil es ein Unterschied ist, ob man bei einer Aktienquote von 20 Prozent oder einer Aktienquote von 75 Prozent fünf Prozentpunkte von der Zielallokation abweicht.
Viele Grüße
Hallo,
ja, das ATH ist irgendwie genauso willkürlich wie viele andere Eckpfeiler einer jeden passiven Strategie auch. Der Gedanke dabei war weniger tiefgehend, sondern eher ein “an irgendwas muss man sich ja orientieren”. Das Beispiel mit dem Nikkei trifft aber ganz gut ins Schwarze, wenn man nach der entscheidenden Schwäche sucht.
Im Moment gehe ich in der Tat davon aus, daß all diese Strategien unsinnig sind. Einzig eine Gewichtung anhand des aktuellen, nachvollzieh- und überprüfbaren(!) KBVs könnte ich mir als Ertragsbringer noch vorstellen. Nur ist die Erhebung der Daten zu aufwändig. Selbst für den DAX, der ja als Langfrist-Investment wenig geeignet ist und nur wegen seiner Einfachheit immer wieder herhalten muss, müsste man 30 Bilanzen durchgehen. Für einen Privatanleger dürfte das unsinnig sein.
Weiß noch jemand etwas aufmunterndes?
Viele Grüße,
sparFuxx








Hallo, Herr Handstein!
Ich habe nachgekauft – und zwar Small Caps aus Nordamerika, Europa, Japan und den Emerging Markets; finanziert zum einen mit “frischem Geld” und zum anderen mit teilweisen Verkäufen meiner Staatsanleihen-ETFs.
Ich teile nicht so ganz Ihre Auffassung, dass man nur zu festgelegten Terminen sein Depot auf Abweichungen überprüfen sollte. Ich überprüfe es mehr oder weniger ständig. Sind die Abweichungen nach meinen Kriterien relevant, rebalanciere ich. Das gilt auch dann, wenn das letzte Rebalancing noch nicht lange her ist.
Viele Grüße vom KLEINANLEGER