Zwei mögliche Nachteile von Anleihen-Indizes
Morningstar weist auf zwei häufige Konstruktionsmängel hin, über die auch ETF-Anleger nachdenken sollten
Für seinen aktuellen Newsletter hat sich das Analysehaus Morningstar ein interessantes ETF-Thema herausgepickt: Welche Probleme gibt es eigentlich, wenn man mithilfe eines ETF in Anleihen investieren will? Ich hatte mich vor längerer Zeit ebenfalls schon einmal mit Vorteilen und Nachteilen von Anleihen-ETFs befasst. Die beiden jetzt von Morningstar angesprochenen Punkte waren damals aber nicht Thema. Deshalb sind sie einen eigenen kurzen Artikel wert.
Problem I: Hohe Verschuldung, hohe Gewichtung
Aktienindizes werden meist nach Marktkapitalisierung gewichtet, Anleihenindizes in der Regel nach dem ausstehenden Anleihe-Volumen - also letztlich ebenfalls nach der Marktkapitalisierung. Während unmittelbar einleuchtet, warum wertvolle Unternehmen auch ein besonders hohes Gewicht in Aktienindizes haben sollten, wirft dieses Gewichtungsverfahren im Anleihenuniversum Probleme auf: Wer hohe Schulden hat, bekommt in Indizes ein hohes Gewicht. Das führt Morningstar zufolge bei Corporate Bonds vor allem zu einer hohe Branchenkonzentration mit entsprechenden Diversifikationsproblemen. So hätten Anleihen aus der Finanzbranche im populären Anleihen-Index Markit iBoxx EUR Liquid Corporates ein Gewicht von 40 bis 45 Prozent. Zwar gibt es auch Indizes (und ETFs), bei denen Anleihen von Banken außen vor bleiben. Auch bei denen lohnt es sich aber laut Morningstar, genau auf die Sektorgewichtung zu schauen.
Ähnliche Probleme gibt es auch im Bereich europäischer Staatsanleihen. Hier haben Anleihen hoch verschuldeter (und in den vergangenen Monaten schwer unter Beschuss geratener) Staaten wie Italien und Spanien ein hohes Gewicht - oftmals ein höheres als deutsche Bundesanleihen, obwohl die doch die Benchmark für alle Eurozonen-Anleihen bilden.
Problem II: die Ratingregeln
Ein weiteres Problem laut Morningstar: Die meisten Anleihen-Indizes verlangen von Anleihen ein Mindestrating (zum Beispiel BBB-), damit diese aufgenommen werden. Hierdruch entgehen Anlegern Chancen, die sich durch Ratingverbesserungen von Nicht-Investmentgrade-Bonds ergeben. Für Morningstar ist die Suche nach solchen Chancen einer der Vorteiler einer aktiven Anlagestrategie.
Sind diese Kritikpunkte berechtigt?
Nun stellt sich die Frage, ob diese Kritikpunkte berechtigt sind. Meine Meinung: geht so. Um mit dem Problem der hohen Verschuldung zu beginnen: Wer passiv anlegen will, der möchte, wenn möglich, den gesamten Markt abbilden - im Extremfall also die Entwicklung aller ausstehenden Staats- und Unternehmensanleihen. Dass die Anleihen eifriger Emittenten in diesem Kosmos ein hohes Gewicht haben, ist aber nur logisch. Sollten diejenigen, die in hohem Volumen Anleihen emittieren, tatsächlich schlechtere Schuldner sein, dann dürfte sich dies auch in den Renditen der von ihnen emittierten Papiere widerspiegeln. Und wer nicht völlig passiv investieren will, für den gibt es eine breite Auswahl von AAA-Staatsanleihen-ETFs bis hin zu Corporate-Bond-ETFs mit ausgewogener Sektoraufteilung.
Anlegern, die genau auswählen wollen, kommen im Grunde auch die oft strikten Rating-Vorgaben von Anleihen-Indizes entgegen. Viele Investoren wollen ja gerade nur Investmentgrade-Bonds kaufen (oder dürfen gar nicht anders). Wer Wert auf Ratingverbesserungs-Chancen bei Junk-Bonds legt, kann sich ja zusätzlich einen High-Yield-ETF ins Depot legen.
Deshalb würde ich sagen: Die von Morningstar angesprochenen Aspekte sind zwar durchaus wichtige Gesichtspunkte, über die Anleger einmal nachgedacht haben sollten. Aber sie sind in meinen Augen keine echten Nachteile von Anleihen-ETFs - gerade vor dem Hintergrund, dass die Produktauswahl inzwischen recht groß ist.
Zum Weiterlesen
- Staatsanleihen, Festgeld und Co. - Optionen für den "risikolosen" Teil des Depots
- Von Fremdwährungsanleihen zu Corporate Bonds - Alternativen fürs Anleihenportfolio
- Die Korrelation von Anleihen - untereinander und mit Aktien








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