In welchem Rhythmus sollten Privatanleger ansparen?
Monatlich, quartalsweise oder halbjährlich investieren - eine Frage von Kosten und Rendite
SparFuxx hat zuletzt in einem seiner Kommentare eine interessante Frage aufgeworfen: In welchem Rhythmus sollte man Geld, das sich auf dem Tagesgeldkonto ansammelt, in sein langfristig ausgerichtetes Wertpapierdepot investieren? So schnell wie möglich? Oder doch eher nur einmal im Jahr zum Rebalancing-Termin? Letztgültig beantworten kann ich die Frage nicht. Aber ich kann versuchen, sie durch Vereinfachung auf ein simples Rechenproblem zu reduzieren.
Grundsätzlich hat man als Anleger ja deshalb ein Wertpapierportfolio, weil man sich davon eine Rendite erhofft, die über dem risikolosen Zins liegt, den man auf dem Tagesgeldkonto erhält. Anders ausgedrückt: Die erwartete Rendite des Wertpapierdepots ist höher als die des Tagesgeldkontos. Im Umkehrschluss heißt das, Anleger lassen sich die Chance auf eine höhere Rendite entgehen, wann immer sie mehr Geld als nötig auf dem Tagesgeldkonto herumliegen lassen. Das spricht dafür, überschüssiges Kapital so schnell wie möglich zu investieren.
Andererseits entstehen bei der Investition Transaktionskosten – zumindest dann, wenn man ETFs, Aktien oder Anleihen kauft und nicht die Möglichkeit hat, Anteile im Rahmen eines kostenlosen Sparplans zu erwerben (diese Möglichkeit lassen wir im weiteren Verlauf des Textes mal außen vor).
Wer über den richtigen Zeitpunkt für die Umschichtung vom Tagesgeldkonto ins Wertpapierdepot nachdenkt, muss also zwei Faktoren gegeneinander abwägen: die höhere Rendite des Depots einerseits und die beim Umschichten entstehenden Kosten einerseits. Die Investition lohnt sich immer dann, wenn die zusätzliche Rendite die Kosten überwiegt. Mithilfe des Girorechners auf zinsen-berechnen.de habe ich das Problem nun für verschiedene Fälle durchgespielt.
Der Modellfall: Anleger Alf und seine Anspar-Pläne
Anleger Alf kann jeden Monat 500 Euro auf die hohe Kante legen. Weil seine Liquiditätsreserve schon ausreichend groß ist, kann er das Geld eigentlich sofort in sein Wertpapierdepot investieren. Aber lohnt sich das auch? Alf orientiert sich eng am einfachen Musterdepot aus drei ETFs. Und jedes Mal, wenn er über Xetra einen der drei ETFs kauft, berechnet seine Bank Gebühren. Zu einer Grundgebühr von 4,95 Euro kommt eine volumenabhängige Gebühr in Höhe von 0,25 Prozent der Transaktionssumme, mindestens aber 5 Euro. Zusätzlich muss Alf eine Xetra-Pauschale von 0,95 Euro zahlen. Allerdings erwirtschaften die 500 Euro von nun an eine jährliche Rendite von 6 Prozent. Auf dem Tagesgeldkonto wären es nur 2 Prozent.
Alf steht nun vor der Entscheidung, ob er jeden Monat 500 Euro, jedes Quartal 1.500 Euro, alle sechs Monate 3.000 Euro oder einmal im Jahr 6.000 Euro investieren soll. Bei den drei letztgenannten Varianten könnte er zusätzlich die in der Zwischenzeit auf dem Tagesgeldkonto angesammelten Zinsen investieren. Für welche Variante soll er sich entscheiden?
Ergebnisse der Modellrechnungen zu den Anspar-Intervallen
Sammelt Alf sein Geld einfach ein ganzes Jahr auf dem Tagesgeldkonto an, dann hat er am Ende des Jahres 6.065,00 Euro. Investiert Alf seine 6.000 Euro dagegen in zwölf Raten, dann kann er abzüglich der Transaktionskosten in jedem Monat 489,10 Euro ins Wertpapierdepot umschichten. Nach Ablauf eines Jahres bleiben Alf bei diesem Vorgehen 6059,95 Euro – also etwas weniger, als wenn er das Geld einfach auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen hätte.
Wie aber wirkt sich die quartalsweise Investition aus? Während der zwei Monate, in der Alfs Geld sich auf dem Tagesgeldkonto ansammelt, erhält er 1,66 Euro Zinsen. Zu Beginn des dritten Monats kann er also 1501,66 Euro investieren – abzüglich der Transaktionskosten von 10,90 Euro. Das ergibt eine Investitionssumme von 1490,76 Euro im Quartal. Das Endkapital nach einem Jahr beträgt 6.127,02 Euro – deutlich mehr also als bei einem monatlichen Ansparrhythmus.
Bei der halbjährlichen Investition kann Alf sein Geld jeweils fünf Monate lang auf dem Tagesgeldkonto verzinsen lassen. Zu Beginn des sechsten Monats investiert er 3.012,52 Euro abzüglich Kosten von 13,43, also 2.999,09 Euro. Am Jahresende beträgt sein Kapital 6.118,14 Euro. Das ist weniger als beim vierteljährlichen Investitionsrhythmus – der Punkt, an dem der Verlust der zusätzlichen Rendite schwerer wiegt als die Transaktionskosten-Ersparnis ist hier also bereits überschritten.
Deshalb spart Anleger Alf sich auch die etwas nervige Berechnung der Variante, bei der nur einmal im Jahr 6.000 Euro investiert werden, zumal das Ergebnis ohnehin kaum von der Variante abweichen dürfte, bei der das Geld die ganze Zeit auf dem Tagesgeldkonto angesammelt wird. Die folgende Tabelle zeigt die bei den unterschiedlichen Varianten anfallenden Kosten und Erträge noch einmal im Überblick.
| Intervall | Kosten | Endkapital | Netto-Ertrag |
| monatlich | 130,80 EUR | 6.059,95 EUR | 59,95 EUR |
| quartalsweise | 43,60 EUR | 6.127,02 EUR | 127,02 EUR |
| halbjährlich | 26,86 EUR | 6.118,04 EUR | 118,04 EUR |
| gar nicht | 0,00 EUR | 6.065,00 EUR | 65,00 EUR |
Fazit: Zu kleine Sparraten lohnen sich nicht - zu langes Ansammeln des Geldes ebenfalls nicht
Bei unterschiedlichen Gebührenmodellen (etwa komplett volumenabhängigen Gebühren oder Flat Fees) sehen die Ergebnisse natürlich anders aus. Gleiches gilt, wenn man die zugrunde gelegten Zinssätze verändert.
Noch nicht berücksichtigt ist auch das höhere Risiko, das die kürzeren Ansparintervalle mit sich bringen: Wenn Alf sein Geld jeden Monat sofort in ETFs packt, dann ist sein Gesamtportfolio (zu dem ja auch das Tagesgeldkonto gezählt werden muss) riskanter ausgerichtet als bei einem Verbleib des Geldes auf dem Tagesgeldkonto. Der monatliche Sparrhythmus führt also dazu, dass Alf ein höheres Risiko eingeht und dennoch eine niedrigere Rendite erzielt, Umgekehrt kann ein langes Ansammeln des Geldes auf dem Tagesgeldkonto dazu führen, dass offensiv ausgerichtete Anleger immer weiter von ihrer Zielallokation abweichen, da der Anteil des risikolosen Tagesgeldes am Portfolio stetig zunimmt.
Und apropos Zielallokation: Das von sparFuxx in seiner Frage angesprochene Rebalancing wird in dieser vereinfachten Rechnung noch gar nicht erfasst. Den Berechnungen liegt schließlich die Annahme zugrunde, dass sämtliches Geld in ein einziges Wertpapier fließt – und also bei der Investition von 6.000 Euro auf einen Schlag tatsächlich auch nur einmal Transaktionskosten anfallen. In der Realität kann es gut sein, dass Anleger das Geld auf verschiedene Instrumente – also zum Beispiel einen MSCI-World-ETF, einen MSCI-Emerging-Markets-ETF und einen Anleihen-ETF – verteilen müssen. Das erhöht aber die Transaktionskosten – und lässt die Varianten, in denen Geld lange angesammelt und dann auf einen Schlag investiert wird, weniger attraktiv erscheinen.
Ein Hinweis noch zu den Berechnungen: Der Einfachheit halber habe ich die Transaktionskosten jeweils von den Sparraten abgezogen – ohne zu berücksichtigen, dass bei einer Minderung der Sparrate um 13,43 Euro eigentlich auch die Gebühren geringfügig sinken müssten.
Zum Weiterlesen
- Krise an den Aktienmärkten - was tun?
- Gibt es den Cost Average Effect wirklich?
- Geringerer Spread oder geringere Gebühren - an welcher Börse sollte man kaufen?
elf Kommentare
Hallo sparFuxx,
das bleibt selbstverständlich willkommen. Schließlich sind viele Deiner Kommentare wertvoller als viele der regulären Artikel hier. Also nur zu. ![]()
Viele Grüße
“Allerdings erwirtschaften die 500 Euro von nun an eine jährliche Rendite von 6 Prozent.” – Was für ein wunderbar apodiktischer Satz
Hast Du dazu eigentlich schon mal so ganz grundsätzlich was geschrieben? Ließe sich zum Beispiel berechnen, wie lange man einen ETF auf den MSCI World halten muss, um mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Rendite von >6 (>7, >8 …) Prozent zu erreichen? Wäre ja interessant zu wissen, wie viele Jahre dann vermutlich noch zum Ausgeben bleiben…
Hallo Ster,
nein, soweit ich mich erinnern kann, habe ich dazu grundsätzlich noch nichts geschrieben. Ich bezweifle auch, dass ich es irgendwann tun werde, denn das Thema anzugehen ist erstens aufwendig (es sei denn, man stolpert über eine passende Studie), und zweitens halte ich es für nur begrenzt sinnhaltig.
Beziehungsweise: Das Thema ist natürlich hochinteressant, da es ja immer heißt, Aktien seien langfristig die profitabelste Anlageform. Für die Behauptung gibt es ja auch gute Argumente, aber ich glaube, es ist trotzdem nicht methodisch sauber hinzukriegen, Wahrscheinlichkeiten für Minimal-Renditen zu ermitteln – vor allem, weil man nie aus dem erkenntnistheoretischen Dilemma rauskommt, dass man nicht aufgrund von Vergangenheitsdaten auf die Zukunft schließen kann.
Ich habe deshalb Vorbehalte gegen die durch solche Statistiken suggerierte Präzision (und letztlich auch: Sicherheit) und begnüge mich damit, dass es eine große Wahrscheinlichkeit gibt, mit einem klug diversifizierten Portfolio langfristig eine positive Real-Rendite zu erzielen – und dass gleichzeitig auch die realistische Möglichkeit besteht, Verluste zu erleiden. Auch über längere Anlagezeiträume hinweg.
Viele Grüße
Ok, aber Deine 6 Prozent sind ja ein Erfahrungswert aus Vergangenheitsdaten, oder nicht?
Mit dem erkenntnistheoretischen Problem hast Du natürlich Recht, allerdings finde ich das hier weniger problematisch, als wenn wir über Einzelaktien sprechen. Bzw. stellt sich die Frage, auf welcher Basis man sonst die Entscheidung treffen soll, ob das Risiko eines ETF-Kaufs langfristig angemessen (und das meine ich ganz subjektiv) vergütet wird.
An dieser Stelle mal ein Dankeschön für Deinen sachlich-rationalen Stil. Ich habe in Deinem Blog bisher viel gelernt. (Und die Werbung bildet oft einen “interessanten” Kontrast, drum klicke ich da regelmäßig drauf
)
Ok, aber Deine 6 Prozent sind ja ein Erfahrungswert aus Vergangenheitsdaten, oder nicht?
Gut, dass Du das ansprichst: Es ist kein Erfahrungswert, sondern ein realistisches Beispiel. Ich bin für den Artikel auch davon ausgegangen, dass man in ein diversifiziertes Depot aus mehreren Anlageklassen investiert, so dass ich genauso gut 4, 5 oder 7 Prozent hätte annehmen können.
Und natürlich hast Du Recht: Langfristige Vergangenheits-Renditen sind interessant, und ich orientiere mich auch daran. Ansonsten bleibt ja als einziges logisches Argument, dass man als AKtienanleger für das Risiko, das man eingeht, angemessen entschädigt wird, weil die Finanzmärkte halbwegs effizient sind.
Ich denke nur, man sollte sich hüten, beim Blick auf historische Renditen zu genau auf die Details zu schauen. Es gibt ja dieses tolle Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts (leider kostenpflichtig). Aber Finanztip hat darüber irgendwann berichtet. Ich hab das über Google gefunden und den Verdacht, die Finanzkrise ist in dem Bericht noch nicht berücksichtigt. Jedenfalls: Selbst bei 25-jährigen Anlagezeiträumen im insgesamt ziemlich erfolgsverwöhnten Nachkriegsdeutschland schwanken die Renditen zwischen 4,8 und 13,5 Prozent jährlich. Ich denke, das geht noch heftiger. Aber klar, man soll ja auch nicht in den Aktienmarkt eines einzelnen Landes investieren.
Schick fand ich auch die Renditen des Dow Jones, wie sie in diesem Blog aufgeführt sind – der Einfluss der großen Depression ist auch bei einem 80-jährigen Anlagehorizont noch deutlich spürbar.
Viele Grüße
Sehr interessant, danke für die Links! Und falls Du mal auf ein Renditedreieck zum MSCI All Countries World o.ä. stoßen solltest, wäre das sicher ein eigenes Posting wert – mich tät’s in jedem Fall sehr interessieren.
Hallo,
noch eine Anmerkung für alle Aktienfondssparer: natürlich kann man die kleinen monatlichen Sparraten auch sofort in einen ausgabeaufschlagfreien Aktienfonds einzahlen, zum Beispiel per Sparplan. So arbeitet das Geld sofort, ohne daß man Kaufgebühren hat.
Ab einer sinnvollen Summe wird dann einfach in einen ETF umgeschichtet.
Die schlechtere zu erwartende Performance des (aktiv gemanagten) Aktienfonds stört dabei nur wenig, weil immer nur ein kleiner Teil des Geldes dort investiert ist (zum Beispiel maximal die jährliche Sparrate).
Dies nur so als Anregung.
Viele Grüße,
sparFuxx
Hallo sparFuxx,
danke für den guten Hinweis, der nicht nur zeigt, dass solche stark vereinfachten Rechnungen ihre Grenzen haben, wenn es um die Praxis geht, sondern auch einfach ein schöner Tipp ist.
Man könnte natürlich sein Geld auch zwischenzeitlich in einen kostengünstigen, ausgabeaufschlagsfreien Indexfonds packen.
Viele Grüße
Guter Artikel und natürlich hast du Recht, jedoch solltest du an einen Cost-Average-Effekt denken.
Kann die Kosten ,im Vergleich zu einer Einmalanlage, massiv drücken.
Cheers, Chris
Hallo Chris,
danke für Deinen Kommentar. Letztlich sind ja alle hier betrachteten Varianten Sparpläne – ich halte das Konzept “Einmalanlage” sowieso nur für begrenzt praxisrelevant: Die meisten Menschen haben ja eher selten einen riesigen Betrag zur Verfügung, den sie auf einen Schlag anlegen können, sondern sammeln Schritt für Schritt Geld an. Es sei denn, sie gewinnen im Lotto, erben ein Vermögen oder erhalten eine Riesenauszahlung von irgendeiner Lebensversicherung.
Viele Grüße








Hallo,
sehr schöner Artikel; vielen Dank. Er bringt den letztendlich einfachen Sachverhalt auf den Punkt. Für mich haben sich weitere Fragen zu diesem Thema erledigt.
Trotzdem werde ich voraussichtlich auch in den nächsten Wochen mit meinen Gedanken und Fragen rund um die Konstruktion der eigenen passiven Anlagestrategie weiternerven; schließlich sind da noch viele offene Fragen. Ich hoffe, das ist (bleibt?) willkommen…
Viele Grüße,
sparFuxx