Der Einfluss von Inflation und Deflation auf Gold
Eine Studie von Oxford Economics hat die Auswirkungen verschiedener Variablen auf den Goldkurs untersucht.
Der Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 war zugleich Ausgangspunkt einer lange nicht dagewesenen Rallye des Goldpreises. Doch – wie eigentlich immer und bei allen Anlageklassen herrscht Ungewissheit, wie es weitergeht: Ist der Goldpreis bereits zu weit gestiegen? Oder nimmt er nur einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus vorweg? Was passiert mit Gold, wenn das allgemeine Preisniveau gar nicht ansteigt und wir, den vielen globalen Krisen sei Dank, auf ein eher deflationäres Szenario mit geringem Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation zusteuern? All diese Fragen hat das Analysehaus Oxford Economics in einer unabhängigen (aber zufällig vom World Gold Council in Auftrag gegebenen) Studie untersucht.
Ich hatte schon länger einmal versprochen, diese Studie hier vorzustellen, und will das nun nachholen.
Die Eigenheiten von Gold als Anlageklasse
Zunächst identifiziert die Studie einige spezifische Eigenheiten von Gold als Anlageklasse. Das Edelmetall verliert auch über lange Zeiträume nicht seine Qualität, verändert sich nicht, verdirbt nicht – dies begünstigt seine Nutzung als Wertaufbewahrungsmittel. Gold wird zudem vergleichsweise wenig in der Industrie eingesetzt – zumindest im Vergleich zu anderen Rohstoffen – und zu anderen Edelmetallen wie Silber und Platin im Speziellen. Im Jahr 2010 machte die Industrienachfrage nur 10 Prozent der Gesamtnachfrage nach Gold aus – die übrigen 90 Prozent kamen durch Schmuck- und Investmentnachfrage zustande. Die Folge: Die Entwicklung des Goldpreises ist weniger stark mit den Konjunkturzyklen verknüpft als die Entwicklung des Platinpreises (oder auch der Aktienkurse). Entsprechend weist Gold den Studien-Autoren zufolge oft eine niedrige oder sogar negative Korrelation mit anderen Anlageklassen auf. Schließlich erhalten Investoren weder Zinsen noch Dividenden dafür, dass sie Gold halten. Diesem Nachteil steht allerdings der Vorteil entgegen, dass Gold kein Emittentenrisiko aufweist.
Der Goldpreis, Inflation und Deflation
Gold wird – der Studie zufolge – gerne als Anlageklasse bezeichnet, die Schutz vor Inflation bietet. Diese Behauptung stützt sich darauf, dass die reale Kaufkraft des Edelmetalls über lange Zeiträume hinweg bemerkenswert stabil geblieben sei. So hatte eine Feinunze Gold im Jahr 1830 eine Kaufkraft von 450 US-Dollar (gemessen am Wert der Währung im Jahre 2010) – und im Jahr 2005 ebenfalls. Dieses Phänomen liegt wohl auch dem schönen Spruch zugrunde, dass man sich für eine Unze Gold immer einen guten Anzug kaufen konnte.
Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass dies nicht stimmt – auch dies stellt die Studie fest: In der Vergangenheit gab es immer wieder längere Perioden, in denen kein Zusammenhang zwischen Inflation und Goldpreis feststellbar war. So habe der reale Goldpreis in den frühen 1980er-Jahren beim Dreifachen des langfristigen Durchschnitts gelegen, in den 1990er-Jahren dagegen deutlich unter diesem Durchschnitt. Anders gesagt: Mal konnte der geneigte Investor sich für eine Unze Gold gleich mehrere gute Anzüge kaufen, mal reichte es wohl nur für Mittelklasse-Stoff.
Gold notiert deutlich über dem langfristigen Durchschnitt
Derzeit notiert Gold wieder deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Das muss aber nicht heißen, dass ein schneller Rückgang des Preises droht, so die Autoren der Studie. Zum einen habe der Preis in den 1980ern eben noch deutlich höher gelegen. Zum anderen könne die Anpassung an den langfristigen Durchschnitt auch ohne einen drastischen Preisrückgang erfolgen – über eine starke Steigerung des allgemeinen Preisniveaus.
Für Investoren allerdings – und das ist jetzt meine eigene Einschätzung – ist das einerlei: Auch wenn der Goldpreis nominal stabil bleibt, während alle anderen Preise stark steigen, sinkt die reale Kaufkraft von Gold. Das ist bei Anleihen schließlich nicht anders.
(Noch) weniger klar ist der Studie zufolge, wie Gold sich in deflationären Phasen verhält. Das liegt einerseits daran, dass solche Phasen nur selten vorkommen: Die Große Depression und die Große Moderation (das ist eine Nichtübersetzung des Begriffs Great Moderation) sind die einzigen Beispiele. In beiden Perioden gab es aber meist einen Goldstandard, so dass der Goldpreis sich nicht frei bewegen konnte. Aus den Preisbewegungen anderer Rohstoffe schließen die Studien-Autoren allerdings, dass der Goldpreis wohl deutlich gefallen wäre, wenn er das gedurft hätte – und das, obwohl sie doch eingangs ausdrücklich auf die großen Unterschiede zwischen Gold und anderen Rohstoffen hingewiesen hatten.
Im nächsten Teil des Artikels geht es um weitere Einflussfaktoren auf den Goldpreis - vom Zinsniveau bis hin zu Aktivitäten des öffentlichen Sektors. Im dritten Teil folgt eine Betrachtung verschiedener Szenarien für die Zukunft des Goldpreises.
Die komplette Studie „The Impact of Inflation and Deflation on the Case for Gold“ ist beim World Gold Council kostenlos erhältlich, sofern man sich als Nutzer registriert.
Foto: Macin Smolinski
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zwölf Kommentare
Hallo Stefan,
danke. Ich würde mir auch kein Gold ins Depot legen – vor dem Schreiben des Artikels nicht und jetzt immer noch nicht. Aber ich habe gedacht, ein bisschen Beschäftigung mit dem Thema Gold kann trotzdem nicht schaden (und außerdem hatte ich vor längerer Zeit mal versprochen, über die Studie zu berichten).
Viele Grüße
Da Gold – wie schon im Beitrag erwähnt – keine Zinsen/Dividenden hervorbringt, ist eine Anlage in Gold keine Investition, sondern eine Spekulation. Die Spekulation auf steigende Goldkurse könnte möglicherweise noch eine Weile erfolgreich sein.
Wer keine größere Gefahr für US-Dollar und Euro (oder auch Renminbi) sieht, benötigt nicht unbedingt Gold.
Wer die Währungen bald zusammenbrechen sehen sollte, für den bieten sich ein paar Gold- oder (vielleicht noch besser/praktikabel) Silbermünzen an.
Nicht zu viel Angst/Panik haben!
Grüße
Hedger
Ina, ich habe den Link auf die Glücksspiel-Seite entfernt. Zu Ihrer Frage: nein, nicht genauso – vermutlich anders.
Viele Grüße
Interessanter Artikel!
Was bei Gold denke ich gesehen werden muss ist, dass es niemals einen inneren Wert von 0 annehmen kann. Das ist bei Aktien, Anleihen etc. nicht der Fall.
(Mir ist bewusst, dass durch Angebot und Nachfrage der Preis 0 werden kann, aber mit Sicherheit nicht wird)
Notenbanken sind übrigens wieder Nettokäufer von Gold und durch die expansive Geldpolitik MUSS der Goldpreis steigen, was in der bisherigen Goldhistorie nicht der Fall war.
Wieso würdest Du kein Gold kaufen wollen, Holger? Kannst du das nachvollziehbar begründen?
Viele Grüße, Chris
Habe deine Begründungen, gegen ein Goldinvestment, gerade erst gelesen.
Vielleicht ist diese Seite für dich interessant:
http://www.querschuesse.de/uk-blasenokon..
Da sieht man die Inflation in UK.
Viele Grüße, Chris
Beim Gold halte ich es lieber mit Alf. Der stärkte mein kindliches Bewusstsein für Kontingenz erheblich als er erklärte: “Bei uns konntest du dir für Gold nichts kaufen. Gold war … fast wertlos. Das Wertvollste bei uns war Schaum.” (zitiert nach: Internet)
Oder mit Ben Bernanke: http://youtu.be/2NJnL10vZ1Y?t=4m59s
Hallo Ster,
sehr schön – mag ich.
Hallo Chris,
danke für den interessanten Kommentar. Dazu eine Frage: Wie hoch ist denn der innere Wert von Gold? Und wie hoch ist der innere Wert der Lehman-Aktie, die vor einigen Wochen für 24.000 Euro versteigert wurde?
Was meine Abneigung gegen Gold angeht, fürchte ich – ganz ehrlich -, dass es etwas mit meiner Neigung zu tun hat, antizyklisch zu handeln. Aber etwas rationaler betrachtet, erwarten auch die Autoren der hier vorstellten Studie von Gold langfristig eine reale Rendite von 0 – vor Kosten. Das halte ich nicht für besonders verlockend.
Viele Grüße
Also für mich ist der innere Wert von etwas die Summe aller zukünftigen Zahlungsströme, die damit erwirtschaftet werden können, abgezinst mit einem vernünftigen Zinssatz.
Insofern hat für mich weder Gold noch die Lehmann-Aktie (gewissermaßen ein Sammlerobjekt) einen inneren Wert, höchstens einen Tauschwert.
Dinge mit einem inneren Wert (wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Grundstücke…) haben für mich einen Wert, weil sie Erträge erwirtschaften. Ich bin nicht darauf angewiesen, sie jemals wieder zu verkaufen. Wird mir kein fairer Preis geboten, kann ich weiterhin von den erwirtschafteten Erträgen profitieren, und wenn ich den inneren Wert richtig eingeschätzt habe, entschädigen mich die Erträge im Laufe der Zeit für den gezahlten Kaufpreis.
Objekte mit einem Tauschwert dagegen, erwirtschaften keine regelmäßigen Erträge. Also sämtliche Rohstoffe, Gold, Kunstgegenstände u.ä. Ich bin also darauf angewiesen, dass mir irgendwann ein höherer Preis als mein Kaufpreis geboten wird. Die Inflation sollte für einen Werterhalt sorgen. Aufbewahrungskosten zehren den Wert mit der Zeit mehr oder weniger stark auf. Verschiebungen in Angebot und Nachfrage können den Tauschwert mit der Zeit zusätzlich verändern. Kann man diese richtig prognostizieren, profitiert man davon. Ich persönlich finde es aber schwieriger, Angebot und Nachfrage von Tauschgütern vorherzusagen, als die ungefähren Erträge von Unternehmen.
Hallo Stefan,
danke für die sehr schöne, sehr klare Erklärung. Ich sehe es genauso. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Prognose der Erträge von Unternehmen so viel leichter ist als die Bestimmung des künftigen Goldpreises, dass es in der Praxis einen Unterschied macht.
Viele Grüße
Naja, sagen wir mal so, ich kenne eine Handvoll Unternehmen, deren zukünftige Erträge ich mir zutraue, zumindest in ihrer ungefähren Größenordnung vorherzusagen.
Bei Rohstoffpreisen und auch bei Gold habe ich dagegen keinen blassen Schimmer.
Auch die Erträge der allermeisten Unternehmen traue ich mir aber nicht vorherzusagen. Schätzungsweise 80% aller Unternehmen, die ich mir anschaue, kann ich absolut nicht einschätzen, also auch keine grobe Abschätzung für den inneren Wert vornehmen.
Es mag aber durchaus sein, dass es auch am Rohstoffmarkt Situationen gibt, wo man Änderungen von Angebot und Nachfrage einschätzen kann, wenn man sich auskennt.
Buffett hat ja z.B. mal erfolgreich auf ein Steigen des Silberpreises gewettet.








Obwohl mich Gold nicht wirklich interessiert und ich mir definitiv keines ins Depot legen werde: ein interessanter, gut geschriebener und gut recherchierter Artikel!