Wie das Zinsniveau, die Entwicklung des Dollar und andere Faktoren den Goldpreis beeinflussen
Weitere Erkenntnisse aus der Studie von Oxford Economics über Gold als Geldanlage
Der Einfluss von Inflation und Deflation auf Gold wurde im vorigen Artikel zu Gold als Anlageklasse bereits skizziert. Die Studie von Oxford Economics behandelt darüber hinaus aber auch andere Einflussfaktoren: das reale Zinsniveau, die Entwicklung des US-Dollar, Finanzkrisen, die Volatilität des Aktienmarktes, politische Instabilität und das Verhalten von Zentralbanken und Regierungen. Wie wirken sich diese Größen auf den Goldpreis aus?
Der Einfluss des realen Zinsniveaus auf den Goldpreis
Wer in Gold investiert, erhält keine Zinszahlungen. Dem Investor entgehen also die Zinsen, die er erhalten hätte, wenn er eine andere Anlageform (etwa: Staatsanleihen) gewählt hätte. Der Fachbegriff für diesen fiktiven Verlust lautet Opportunitätskosten. Diese sind umso höher, je höher das allgemeine Zinsniveau ist. Im Umkehrschluss heißt das: Je niedriger das Zinsniveau, desto höher sollte eine Feinunze Gold bewertet sein. Phasen mit negativen Realzinsen sollten besonders positiv für den Goldpreis sein. Dies werde, so die Autoren der der Studie, sowohl durch die Analyse der 1970er-Jahre gestützt als auch durch die aktuelle Entwicklung – in einem Umfeld mit rekordverdächtig niedrigen nominalen Zinsen und leicht negativen Realzinsen eilt der Goldpreis zumindest nominal von Rekord zu Rekord (auch wenn er im Moment Pause macht).
Der Außenwert des US-Dollar und der Goldpreis
Die Studie stellt außerdem fest, dass der Außenwert des US-Dollar seit den 1970er-Jahren einen beträchtlichen Einfluss auf den Goldpreis ausübt – und zitiert eine Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2008, der zufolge in den vergangenen Jahren 40 bis 50 Prozent der Goldpreisbewegungen mit dem US-Dollar zusammenhingen. Den Studien-Autoren zufolge führt ein sinkender Außenwert des US-Dollar zu einer Zunahme der Kaufkraft in Nicht-Dollar-Ländern – und damit zu höheren Rohstoffpreisen. Darüber hinaus dient der US-Dollar genau wie Gold als Wertaufbewahrungsmittel – sinkt dessen Wert, wird Gold als Alternative attraktiver.
Der Einfluss von Finanzkrisen auf Gold
Nach vier Jahren Finanzkrise haben wir ja alle reichlich Anschauungsunterricht über die Wirkung von Krisen auf den Goldpreis erhalten. Und natürlich spielt dieser Faktor auch in der Studie eine Rolle. Egal ob es um Kursstürze am Aktienmarkt, den Verlust von Vertrauen in die Sicherheit von Anleihen oder einfach um einen steigenden Bedarf an schnell liquidierbaren Assets geht: Gold profitiert – zumindest theoretisch, denn es gab auch immer wieder Phasen, in denen keine zuverlässige Korrelation zwischen dem Goldpreis und Stress-Indikatoren wie Anleihen-Spreads oder dem US-Aktien-Volatilitätsindex VIX erkennbar war.
Gold und politische Instabilität
Angst vor einem Systemcrash ist für viele Anleger vermutlich ein wesentlicher Anreiz, in Gold zu investieren. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Autoren der Studie auch politische Instabilität als einen Faktor identifiziert haben, der den Goldpreis treiben kann. Viel mehr muss man dazu wohl nicht schreiben.
Das Handeln von Zentralbanken und Regierungen und seine Wirkung auf Gold
Schließlich sind auch Zentralbanken und andere Akteure des öffentlichen Sektors wichtige Einflussgrößen für den Goldpreis – auch in Zeiten, da es keine Bindung von Währungen an einen Goldstandard mehr gibt. Der Grund: Über den Auf- und Abbau von Goldreserven können Zentralbanken und Regierungen das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage empfindlich beeinflussen. Die Autoren der Studie machen einen Abbau der Goldreserven nach der Abschaffung des Bretton-Woods-Systems mitverantwortlich für den langen Gold-Bärenmarkt in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren.
So viel also zu den Faktoren, die den Goldpreis beeinflussen. Im nächsten und letzten Teil des Artikels geht es um die möglichen Auswirkungen der in den beiden ersten Teilen vorgestellten Einflussfaktoren auf den Goldpreis in verschiedenen Szenarien – also in der Zukunft.
Die komplette Studie „The Impact of Inflation and Deflation on the Case for Gold“ ist beim World Gold Council kostenlos erhältlich, sofern man sich als Nutzer registriert.
Foto: NoWhay
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zwei Kommentare
Hallo Chris,
grundsätzlich ist das richtig, denke ich. Man sollte nur im Kopf behalten, dass die Studie sich auf die Vergangenheit bezieht – und im Rückblick lassen sich solche Zusammenhänge recht leicht konstruieren. Wenn es um die Zukunft geht, müsste man wissen, was die Zentralbanken in den nächsten Monaten und Jahren so vorhaben (das noch nicht im Preis widergespiegelt wird).
Viele Grüße








“Über den Auf- und Abbau von Goldreserven können Zentralbanken und Regierungen das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage empfindlich beeinflussen. Die Autoren der Studie machen einen Abbau der Goldreserven nach der Abschaffung des Bretton-Woods-Systems mitverantwortlich für den langen Gold-Bärenmarkt in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren.”
Aus dieser Ausnahme entnehme ich, dass man von einem Bullen- Markt ausgehen kann, wenn die Zentralbanken ihren Goldbestand aufbauen.
Viele Grüße, Chris