Die Zukunft des Goldpreises

Lohnt es sich für Investoren, Gold in ihr Portfolio aufzunehmen?

Wie Gold sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wissen wir alle: ziemlich gut. Dieses Wissen hilft Anlegern aber nicht, Entscheidungen zu treffen, die auf die Zukunft gerichtet sind. Eine Studie von Oxford Economics versucht, das Verhalten des Edelmetalls in verschiedenen Szenarien zu prognostizieren.

In zwei Artikeln früheren Artikeln hatte ich bereits die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Preis von Gold vorgestellt - von Inflation und Deflation bis hin zum Zinsniveau und dem politischen Klima. Oxford Economics hat diese Faktoren ergänzt und als Basis für eine Gleichung genommen, die helfen soll, die Goldpreisentwicklung zu modellieren. Die Einflussgrößen sind:

  • Die Inflationsrate und deren Volatilität: Ein Anstieg der Inflation sollte zu einer erhöhten Nachfrage nach Sachwerten wie Gold führen. Gleiches gilt für einen Anstieg der Volatilität der Inflationsrate – die damit verbundene höhere Unsicherheit könnte zu einer stärkeren Präferenz für reale Assets führen.

  • Das globale Einkommen: Mehr Reichtum könnte zu einer höheren Nachfrage nach Schmuck führen, die kurzfristig nicht vollständig durch eine höheres Goldangebot ausgeglichen werden kann.

  • Der Außenwert des US-Dollar: Ein sinkender Dollarkurs dürfte zu einem höheren Goldpreis führen – zumindest in Dollar.

  • Das reale Zinsniveau: Je höher das reale Zinsniveau, desto niedriger sollte die Nachfrage nach Gold sein.

  • Die Korrelation von Gold mit dem Aktienmarkt: Je weniger die Entwicklung des Goldpreises mit der Entwicklung des Aktienmarktes korreliert, desto stärker ist die Diversifikationswirkung des Edelmetalls. Entsprechend sollte der Preis steigen.

  • Finanzkrisen und politische Risiken: Je höher die Angst vor Instabilität des Finanzsystems oder des politischen Systems, desto höher sollte der Goldpreis steigen.

  • Die Aktivität des öffentlichen Sektors: Eine Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbanken könnte sich positiv auf den Goldpreis auswirken, Verkäufe von Goldreserven dagegen negativ.

Vier Szenarien für die Entwicklung des Goldpreises

Diese Variablen fließen in eine Gleichung ein, mit deren Hilfe die Autoren zunächst die Goldpreisbewegungen in zwei kritischen Phasen – von 1979 bis 1982 und von 2007 bis 2010 – analysieren, um anschließend den Blick in die Zukunft zu wagen. Die mathematisch-statistischen Details erspare ich mir an dieser Stelle.

Die Studie vergleicht vier verschiedene Szenarien:

  1. Im Basis-Szenario findet eine stabile wirtschaftliche Erholung statt, mit moderater Inflation und einer allmählichen Normalisierung des finanziellen Umfelds.

  2. Im Deflations-Szenario führt ein massiver finanzieller Schock zu einer erneuten Rezession, die von fallenden Verbraucherpreisen begleitet wird.

  3. Im Stagflations-Szenario gibt es zwar eine höhere Inflationsrate und höhere Zinsen, aber ein niedrigeres Wirtschaftswachstum als im Basis-Szenario.

  4. Im Inflations-Szenario führen eine Lohn-Preis-Spirale und laxe Geldpolitik zu zweistelligen Inflationsraten, die eine Verschärfung der Geldpolitik nötig machen - und eine Rezession auslösen.

Gold schneidet in den wenigsten Szenarien gut ab

Die Details zur Entwicklung der unterschiedlichen Anlageklassen in den verschiedenen Szenarien spare ich ebenfalls aus. Sie sind in der kompletten Studie nachzulesen. Am Ende steht jedenfalls eine Rangfolge der unterschiedlichen Assets in jedem einzelnen Szenario.

  • Im Basis-Szenario entwickelt sich Gold von allen fünf untersuchten Assetklassen – Aktien, Anleihen, Cash, Hauspreise und eben Gold – am schlechtesten. Aktien schneiden am besten ab, gefolgt von Cash und Hauspreisen.

  • Im Deflations-Szenario ist Cash die bevorzugte Anlageklasse, gefolgt von Anleihen. Gold belegt Rang 3, Aktien und Hauspreise die beiden letzten Plätze.

  • Im Stagflations-Szenario belegt Gold Rang 4. Cash geht erneut als beste Anlageklasse aus dem Vergleich hervor, gefolgt von Hauspreisen und Aktien. Anleihen schneiden noch schlechter ab als Gold.

  • Im Inflations-Szenario zumindest steht Gold als Sieger da, gefolgt von Aktien und – Cash. Die Hauspreise profitieren überraschend nicht und landen auf Rang 4. Anleihen möchte auch in diesem Szenario niemand haben.

Zwei Dinge sind für mich überraschend: Dass Gold so schlecht abschneidet, obwohl die Studie vom World Gold Council in Auftrag gegeben wurde (was ein gutes Zeichen ist) und dass Cash in so vielen Szenarien bestens dasteht. Es wirkt fast, als könnten Anleger mit Tagesgeld kaum etwas falsch machen – auch wenn dessen reale Rendite derzeit knapp negativ sein dürfte.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Gold aufgrund seiner positiven Korrelationseigenschaften eine stabilisierende Rolle im Portfolio spielen kann, obwohl es langfristig schlicht dazu tendiert, seinen realen Wert in etwa zu behalten. Im Basis-Szenario sollte der Gold-Anteil für britische (!) Investoren etwa fünf Prozent betragen. Sollte es zu hohen Inflationsraten oder zu Stagflation kommen, wäre ein höherer Anteil empfehlenswert – aber wer möchte darauf schon setzen?

Die komplette Studie „The Impact of Inflation and Deflation on the Case for Gold“ ist beim World Gold Council kostenlos erhältlich, sofern man sich als Nutzer registriert.

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sechs Kommentare

Hedger

Interessante Untersuchung.
Neben den fundamentalen Betrachtungen kann man auch Hinweise im Chart von Gold selbst finden. Nach dem kräftigen Kursrutsch im Spätsommer konnte zwar eine Gegenbewegung stattfinden, aber das Verfehlen des letzten Höchststandes, kann nicht dahingehend gewertet werden, dass jetzt die Gold-Hausse sofort weitergeht. Aus der Sicht der Charttechnik – sie ist sicherlich nur eine Betrachtung neben anderen – könnte nun die jüngste Abwärtsbewegung wieder aufgenommen werden. Bemerkenswert ist die aktuelle Entwicklung auch deshalb, weil eigentlich im Herbst die Kursentwicklung des Goldpreises aufwärts gerichtet ist.

Grüße
Hedger

Hedger, (URL) - 22-11-’11 20:48
Holger

Hallo Hedger,

danke. Ich muss gestehen, dass ich von Charttechnik keinen blassen Schimmer habe. Dass der Gold preis im Herbst steigen soll, habe ich dagegen schon öfter gehört – zumindest im September und Oktober war das ja auch dieses Jahr wieder der Fall, glaube ich.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 23-11-’11 06:36
Hedger

Hallo Holger,

ich habe noch einige charttechnische Betrachtungen zum Goldpreis vorgenommen.
http://finanziell-umdenken.blogspot.com/...

Viele Grüße
Hedger

Hedger, (URL) - 26-11-’11 10:15
Holger

Hallo Hedger,

danke für den Hinweis! Ich werde Dein Blog dann heute oder morgen auch mal in meine Blogroll aufnehmen.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 27-11-’11 12:07
Sergej

Ein klasse Beitrag über den Goldpreis bzw. dessen mögliche Entwicklung in der Zukunft. Vor allem weil Gold immer noch als beste Anlageart von vielen propagiert wird. Für viele, die auf Gold setzen sicherlich ernüchternd.

Viele Grüße von Sergej

Sergej, (URL) - 06-12-’11 13:51
Corinna

Ein gewissermaßen abstraktes Risiko besteht meines Erachtens auch darin, dass die Emittenten der physisches Gold nachbildenden ETCs (Exchange Traded Commodities) neben dem Goldbestand kaum über eigenes Vermögen verfügen – das haftende Eigenkapital von Xetra Gold beispielsweise beträgt lediglich ca. 1,4 Millionen Euro, nicht einmal ein Promille des in ETCs investierten Kapitals. Über in diesem Zusammenhang denkbare Szenarien hinaus finde ich das Fazit jedoch nachvollzierhbar, dass Gold “langfristig schlicht dazu tendiert, seinen realen Wert in etwa zu behalten”. Das hat etwas beruhigendes und macht auch Sinn.

Corinna, (URL) - 09-12-’11 16:58
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