Warum sollten Anleger in Rohstoffe investieren?
Larry Swedroe argumentiert recht überzeugend für Rohstoff-Investments
Lohnt es sich, über einen diversifizierten Index (beziehungsweise einen ETF, der diesen trackt) in Rohstoffe zu investieren? Genauer: Dürfen Anleger, die dies tun, mit einer positiven realen Rendite rechnen? Um diese Frage kreisen die Kommentare zu einem älteren Artikel über Rohstoff-Investments. Auch dieser neue Artikel wird das Problem nicht lösen. Aber er kann zumindest noch einige Argumente beisteuern – die von Larry Swedroe, der Anlegern Rohstoffe in seinem Buch „The Only Guide to Alternative Investments You'll Ever Need“ wärmstens ans Herz legt.
Negative Korrelation mit Aktien und Anleihen
Zwischen 1970 und 2008 haben Rohstoff-Investments, gemessen durch den S&P GSCI, Swedroe zufolge aktienähnliche Renditen gebracht – und wiesen dabei ein aktienähnliches Risiko auf. Dennoch, argumentiert der Autor, können Investoren das Risiko ihres Gesamtportfolios durch die Hinzunahme von Rohstoffen senken.
Der Grund dafür liegt darin, dass die Renditen von Rohstoffen in diesem langen Untersuchungszeitraum negativ mit denen von Aktien und Anleihen korreliert waren – der Traum jedes Anlegers (oder fast jedes Anlegers...). Konkret haben Rohstoffe immer dann besonders hohe Renditen gebracht, wenn die Renditen von Aktien besonders schlecht waren – in Monaten mit negativen Aktienrenditen, waren Rohstoffrenditen im Mittel überdurchschnittlich hoch.
Positive Korrelation mit Inflation
Mit der Inflationsrate waren Rohstoffe in der Vergangenheit dagegen – anders als Aktien und Anleihen – positiv korreliert. Das ist nicht nur folgerichtig, schließlich wiesen Rohstoffe in der Vergangenheit eine negative Korrelation mit diesen beiden Anlageklassen auf, sondern auch gut für Investoren. Schließlich ist eine Absicherung des Portfolios gegen Anstiege des Preisniveaus schwierig zu bewerkstelligen, wenn man nur auf Anlageklassen zurückgreift, deren Rendite negativ durch die Inflation beeinflusst wird. Nicht ganz unwichtig: Rohstoffe sind nicht nur mit der Inflationsrate positiv korreliert, sondern auch mit Änderungen der Inflationsrate - sie können daher als Hedge gegen einen unerwarteten Anstieg der Teuerung wirken.
Rohstoffe als Absicherung gegen externe Schocks
Rohstoffe ermöglichen Anlegern Swedroe zufolge schließlich auch eine Absicherung gegen externe Schocks (Original: event risk), die sich negativ auf die Konjunktur und damit die Aktienmärkte auswirken. Bei diesen Schocks kann es sich um politische Instabilität (sagen wir mal: Aufstände im Nahen Osten) genauso handeln wie schlechtes Wetter (das zu schlechten Ernten führt) oder Streiks (die zu steigenden Rohstoff-Preisen führen können – es kommt wohl darauf an, wo gestreikt wird). Auch Rohstoffaktien helfen Investoren in solchen Situationen nicht. Swedroe zufolge werden deren Kurse stärker von den üblichen Risiken des Wirtschaftslebens beeinflusst als von rohstofftypischen Risiken, etwa einem Rückgang der Inflation.
Swedroes Argumente für Rohstoff-Investments beruhen also in erster Linie auf ihrer Absicherungsfunktion. Was die Rendite angeht, stützt er sich einzig auf Vergangenheitsdaten. Zwar nennt er die drei bekannten Renditequellen – Veränderungen des Spotreises, Rollrenditen und Zinsgewinne –, erörtert sie aber nicht näher. Ich finde die in Sachen Absicherung ins Feld geführten Argumente recht überzeugend. Allerdings ist natürlich unsicher, ob die Korrelation von Aktien und Rohstoffen nach wie vor negativ ist – schließlich ändern sich solche Zusammenhänge mit der Zeit. Und wir als Euro-basierte Investoren haben immer das Problem, dass wir auch Zusammenhänge zwischen der Entwicklung von Rohstoffpreisen und des US-Dollar-Wechselkurses nicht einfach ignorieren können. Dazu schreibt die amerikanisch geprägte Literatur selbstredend nie etwas.
Zum Weiterlesen
- Welche Rendite bringen Rohstoffe - und wie riskant sind sie?
- Rohstoffe, Futures, Rollierung, Backwardation und Contango
- Probleme bei der Investition in Rohstoffe: Was ist eigentlich der Markt?
sechs Kommentare
Schließe mich dem obigen Kommentar an. Dazu kommt auch noch, dass bei Rohstoffen Lagerkosten anfallen und die Preissteigerungen durch die Inflation auch noch versteuert werden müssen, was noch einmal die Rendite drückt.
Hallo zusammen,
grundsätzlich mag das stimmen, aber die diversifizierten Rohstoff-Indizes, von denen hier die Rede ist, haben Anlegern über Zeiträume von mehreren Jahrzehnten hinweg aktienähnliche Renditen beschert. Das ist erst mal Fakt. Ob man sich darauf verlassen kann, dass dies auch künftig so sein wird, steht auf einem anderen Blatt.
Zumindest gibt es aber verschiedene, an anderer Stelle hier schon besprochene (und bezweifelte) Quellen für eine Rendite über der Inflationsrate: Zinserträge, Rollerträge, Spotpreis-Steigerungen und Rebalancing-Erträge.
Trotzdem bin auch ich vorsichtig, wenn es um Rohstoff-Investments geht. Aber es gibt zumindest eine Reihe seriöser Quellen für die Annahme, dass es eine gute Idee sein könnte, Rohstoffe im Portfolio zu haben.
Viele Grüße
Hallo zusammen,
ich kann die Sichtweise von Stefan gut nachvollziehen und genau diese Argumente haben mich vor ein paar Jahren auch umgetrieben. Dennoch halte ich heute Rohstoff-Investment (wenn richtig gemacht und sinnvoll eingesetzt) für sehr sinnvoll.
Wenn Rohstoffe, dann nur in einen breit diversifizierten Rohstoff-Future-Index investieren. Vorteil hier: Die Quellen der Rendite sind größer als zum Beispiel bei einer Investition in einen Barren Gold. Neben Spotpreis-Steigerungen erhält man noch ggf. Rollerträge, Zinserträge und Rebalancing-Erträge.
Zinserträge: Das Geld wird bei einer solchen Anlage von der Fondsgesellschaft nur als Sicherheit genutzt und kann daher als Tagesgeld verzinst werden.
Rebalancing-Erträge: Das ist meines Erachtens die wichtigste Quelle von Erträgen, die aber auch sehr schwer zu verstehen ist. In Kürze: Rebalancing führt neben Risikosteuerung auch zu einer Erhöhung der Rendite eines Portfolios, weil teuer gewordene Positionen verkauft werden und günstiger gewordene Positionen gekauft werden. Aufgrund der Regression zum Mittelwert bringt das positive Erträge. Rebalancing in einem diversifizierten Portfolio mit Aktien und Anleihen bringt vielleicht einen Mehrertrag von 0,5 Prozentpunkte. Also relativ wenig spürbar. Aber Rebalancing in einem gut diversifizierten ETF mit vielleicht 20 Rohstoffen bringt einen deutlichen höheren Mehrertrag, denn Rohstoffe sind untereinander nahezu unkorreliert. In der wissenschaftlichen Literatur spricht man von ca. 3-4 Prozentpunkten Mehrertrag (siehe z. B. Erb/Harvey: The Strategic and Tactical Value of Commodity Futures, in: Financial Analysts Journal, 2006, Heft2).
Addiert man alle Ertragsquellen zusammen, dann ergab sich in der Vergangenheit eine Rendite von Rohstoff-Future-Indexes, die mit der von Aktien vergleichbar war. Was die Zukunft bringt, weiß natürlich kein Mensch (wie bei Aktien und Anleihen auch), aber die Quellen der Rendite sollten prinzipiell erhalten bleiben.
Zudem bringt das Beimischen von Rohstoffen in ein gut diversifiziertes Portfolio nochmals einen Rebalacing-Effekt. Zum Beispiel statt 70% Aktien, 30% Anleihen eher 65% Aktien, 5% Rohstoffe und 30% Anleihen. Das sollte das Risiko des Portfolios senken und zugleich die Rendite des Portfolios steigern. Zumindest war das in der Vergangenheit der Fall. (Siehe z. B. Studien von Prof. Martin Weber: Jacobs, H., S. Müller and M. Weber (2009), How should Private Investors diversify? – An Empirical Evaluation of Alternative Asset Allocation Policies to Construct a ‘World Market Portfolio, http://weber.bwl.uni-mannheim.de/36.html)
Viele Grüße,
Matthias
Hallo,
tja, warum sollte man in Rohstoffe investieren? Weil man steigende Kurse erwartet?
Man verbindet das mit der Theorie, daß die Rohstoffpreise langfristig steigen müssen, da die Nachfrage ständig steigt und das Angebot immer knapper wird. Auf der Nachfrageseite haben wir die ständig wachsende Weltbevölkerung und den ständig steigenden Verbrauch von Rohstoffen, vor allem in den Wirtschaften der sich entwickelnden Länder. Bodenschätze sind naturgemäß begrenzt. Die Förderung wird jedes Jahr aufwändiger, so daß die Preise steigen müssen. Auch die nachwachsenden Rohstoffe wachsen nicht in den Himmel, denn geeignete Anbauflächen sind begrenzt und werden durch Erosion und Flächenverbrauch eher weniger als mehr.
So weit die Theorie.
Bewährt sie sich in der Praxis? In den letzten 5 Jahren haben weder Rohstoff- noch Aktienbesitzer ‘was verdient.
Immerhin zeigt sich, daß Rohstoff- und Aktienpreise nicht zu 100 % korreliert sind. Und das nährt die Hoffnung, daß eine Beimischung von Rohstoffen in ein diversifiziertes Portfolio am Ende vielleicht doch Sinn machen könnte…
Grüße
Uhu
Hallo Uhu,
ja, darauf zu setzen, dass sich solche Prognosen bewahrheiten, ist aus Anlegersicht immer schwierig. Aber klar: Die großen Rohstoffkonzerne richten ihre Geschäftspolitik definitiv danach aus – aber vielleicht führt gerade das auch irgendwann dazu, dass das Angebot deutlich höher ist, als man dachte.
Und was die Korrelation angeht: Das ist sicher einer der wesentlichen Gründe für Rohstoff-Investments. Das einzige Problem: Korrelationen ändern sich im Lauf der Zeit. Und ich habe das Gefühl (mehr nicht), dass die Korrelation von Rohstoffen und Aktienmärkten sich nicht unbedingt zum Guten verändert hat – aber auch das kann sich ja wieder ändern.
Viele Grüße








Also so ganz überzeugt mich das nicht.
Meine Überlegung ist: ein Unternehmen, in welches man in Form von Aktien investieren kann, erwirtschaftet laufend Gewinne. Von diesen kann man als Investor direkt profitieren, und zwar in Form von Dividenden. Selbst Unternehmen die keine Dividenden auszahlen, investieren laufend ihre Gewinne und erhöhen damit ihre Fähigkeit, später einmal höhere Dividenden auszuzahlen. Kauft man einen Unternehmensanteil, steigert sich also der Wert des eigenen Investments fortwährend. Solange man nicht sehr teuer einkauft, liegt die Rendite langfristig gesehen über der Inflationsrate.
Rohstoffe dagegen werfen keine Erträge ab. Profitieren kann man hier nur in Form von Preissteigerungen. Und dass diese Preissteigerungen langfristig für Rohstoffe als Anlageklasse über der Inflationsrate liegen könnten, halte ich für kaum logisch. Und eine Rendite in Höhe der Inflationsrate halte ich auf Sicht von sehr langen Zeiträumen für kaum erstrebenswert.
Die negative Korrelation mit anderen Anlageklassen mag schön sein. Auch die Möglichkeit, auf Rohstoffe, bei denen man in nächster Zeit besonders hohe Preissteigerungen erwartet zu setzen, mag erfolgversprechend sein, wenn man sich hier eine Prognose zutraut. Aber für mich sind das alles keine Gründe, warum ich einen Teil meines Portfolios in Rohstoffe umschichten sollte.