Gold als Asset für europäische Anleger

Eine Studie hat ermittelt, welche Rolle das Edelmetall in den Portfolios von Investoren aus der Eurozone spielen sollte.

Das World Gold Council veröffentlicht eine Gold-Investment-Studie nach der anderen. Und da es in diesem Blog zuletzt schon so oft um das Edelmetall ging, kann ich eigentlich auch über die jüngste dieser Studien noch berichten. Sie hat untersucht, welche Rolle Gold in den Portfolios von Anlegern aus der Eurozone spielen kann, und trägt folgerichtig den Titel „Gold as a strategic asset for European investors“.

Die Studie untersucht fünf verschiedene Fälle und nutzt dazu Datenmaterial aus den Jahren 1986 bis 2010 (für die ersten vier Fälle) beziehungsweise aus den Jahren 1999 bis 2010 (für den fünften Fall). Für diese Zeiträume stehen Daten für alle untersuchten Anlageklassen zur Verfügung. Eine Besonderheit der Studie: Die Renditen wurden jeweils in Euro oder der Vorgängereinheit ECU (European Currency Unit) gemessen.

Portfolios aus acht Anlageklassen als Basisfall

Die untersuchten Portfolios sind teilweise recht komplex aufgebaut und sollen offenbar eher die typische Asset Allocation institutioneller Investoren widerspiegeln als die von Privatanlegern. Die Fälle im Einzelnen:

Fall 1 stellt ein klassisches institutionelles Portfolio aus acht Anlageklassen dar. Das Portfolio enthält kurzlaufende US-Staatsanleihen (T-Bills), europäische Staatsanleihen, einen diversifizierten US-Anleihen-Index, europäische Aktien, europäische Small Caps, außereuropäische Aktien, einen diversifizierten Rohstoff-Index und Gold.

Fall 2 enthält die gleichen Anlageklassen. Allerdings liegen der Untersuchung in diesem Fall konservative Schätzungen der realen Rendite anstelle empirischer Daten zugrunde. Unter anderem wird für T-Bills, den diversifizierten Rohstoff-Index und Gold eine reale Rendite von 0 Prozent angenommen.

Fall 3 enthält mehr verschiedene Anlageklassen. Das heißt: Es gibt nun Anleihen-Bestandteile unterschiedlicher Duration, inflationsindexierte Anleihen, Immobilien-Aktien und andere Feinheiten mehr.

Fall 4 enthält die gleichen Anlageklassen, allerdings werden erneut die konservativen Rendite-Schätzungen verwendet.

Fall 5 schließlich bezieht sich ebenfalls auf das erweiterte Portfolio, untersucht allerdings ausschließlich die Periode von 1999 bis 2010, also die Zeit seit Bestehen des Euro.

Höherer Gold-Anteil bei höherem Risiko

Für jeden Fall werden jeweils drei Portfolios mit unterschiedlichem Risikoprofil untersucht. Gemessen wird das Risikoprofil anhand des Verhältnisses von Aktien und Anleihen. Im Portfolio mit dem niedrigsten Risikoprofil beträgt dieses Verhältnis 25:75, im ausgewogenen Portfolio 50:50 und im riskanten Portfolio liegt es bei 75:25.

Das Ergebnis der Studie besteht nun letztlich in einer einzigen Zahl: der mittleren Gold-Allokation, bei der ein Portfolio „effizient“ ist, also ein optimales Verhältnis von Risiko und Rendite aufweist. Dabei zeigen sich zwei wesentliche Trends: Der Gold-Anteil liegt umso höher, je höher das Risikoprofil des Portfolios ist. Und er liegt in den Fällen 1 und 2 („Basic assets“) jeweils höher als in den Fällen 3 bis 5, in denen eine erweiterte Palette von Anlageklassen verwendet wurden.

So liegt die mittlere Gold-Allokation im konservativen Portfolio des Falles 1 bei 5,4 Prozent und im riskanten Portfolio bei 10,1 Prozent. Im konservativen Portfolio des Falles 3 beträgt sie dagegen nur 2,4 Prozent, im riskanten Portfolio 3,0 Prozent. Statistisch signifikant sind all diese Werte allerdings offenbar nur auf dem 25-Prozent-Niveau – ich wusste bisher nicht einmal, dass man dieses Niveau ernsthaft für Signifikanz-Tests benutzt.

Vielleicht findet der eine oder andere die Studie ja trotzdem interessant. Ich glaube, das Verfahren zur Ermittlung der Portfolio-Effizienz ist ganz spannend, auch wenn es mich in seinen Einzelheiten mal wieder überfordert hat. Wie immer ist die Studie nach Anmeldung kostenfrei beim WGC verfügbar.

Zum Weiterlesen

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zwei Kommentare:
Gravatar!
KLEINANLEGER am 19-01-’12 17:06

Superhinweis auf die Studie!
Vielen Dank für die Auswertung!

Gruß vom Kleinanleger

Gravatar!
Holger am 20-01-’12 20:14

Hallo Kleinanlger,

danke! Freut mich, dass Sie Studie und Artikel hilfreich fanden.

Viele Grüße

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