ETF-Kosten: die Mär vom Paradies USA

Einer Statistik der Deutschen Bank zufolge sind die Indexfonds in Europa am billigsten

Ich weiß nicht, in wie vielen Diskussionen ich schon versumpft bin, die alle von der gleichen Frage ausgingen: "Warum sind ETFs in den USA so viel billiger als in Deutschland?" In der Regel wurden in solchen Diskussionen einzelne Beispiele von ETFs auf identische Indizes angeführt, die in den USA für eine deutlich geringere Verwaltungsgebühr zu haben waren als in Europa. Ich habe dann meist mit Gegenbeispielen (Stichwort: Euro Stoxx 50) gekontert. Und niemand konnte seine Position wirklich belegen. In einer regelmäßig von der Deutschen Bank veröffentlichten ETF-Marktstatistik habe ich nun aber tatsächlich eine aussagekräftige Übersicht gefunden. Und siehe da: ETFs sind in Europa offenbar billiger als irgendwo sonst auf der Welt.

Die mittlere Total Expense Ratio (TER) von 1.237 erfassten europäischen ETFs liegt der Statistik zufolge bei 0,42 Prozent pro Jahr. In den USA und im asiatisch-pazifischen Raum kosten ETFs dagegen im Mittel 0,55 Prozent pro Jahr. Das gleiche Bild ergibt sich beim Blick auf einzelne Assetklassen: Aktien-ETFs in den USA kosten im Mittel 0,57 Prozent pro Jahr; in Europa sind es nur 0,45 Prozent. Die durchschnittliche TER von US-Renten-ETFs beträgt stolze 0,38 Prozent - gegenüber 0,19 Prozent in Europa.

Richtig müsste die eingangs erwähnte Ausgangsfrage für Diskussionen also heißen: Warum sind ETFs in Europa eigentlich so viel günstiger?

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sechs Kommentare

Anonymous

Glaube keine Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast… Die mittlere TER ist in meinen Augen denkbar ungeeignet, um Kosten zu vergleichen. Mindestens müsste man doch nach Anlagevermögen des jeweiligen Fonds gewichten. Sonst droht eine Verfälschung durch eine Vielzahl teurer Spartenfonds. Und selbst das wäre noch fragwürdig. Denn es kommt ja auf die günstigste TER an, die man für einen Index finden kann, insbesondere bei den besonders relevanten, marktbreiten Indizes. Wenn man so vorgeht, stellt man schnell fest, dass europäische Fonds schnell ein vielfaches kosten wie ihre US-Gegenstücke.

Anonymous, - 13-03-’12 01:08
Holger

Hallo Anonymous,

stimmt – mit Ihnen hatte ich, glaube ich, auch schon einmal darüber diskutiert. Ihr Einwand ist natürlich berechtigt. Ich empfinde die schlichten Mittelwerte aber nicht unbedingt als schlechter als gewichtete Mittelwerte oder eine willkürliche Auswahl. Im Idealfall würde jemand einmal eine Statistik mit einer Vielzahl interessanter Kennzahlen fälschen.

Dann könnte man auch noch mal ernsthaft über Ihre Behauptung aus dem letzten Satz Ihres Kommentars reden.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 13-03-’12 22:33
Anonymous

“Ich empfinde die schlichten Mittelwerte aber nicht unbedingt als schlechter als gewichtete Mittelwerte oder eine willkürliche Auswahl” Der gewichtete Mittelwert hat doch eine viel bessere Aussagekraft darüber, was der Durchschnittskunde am Ende wirklich zahlt. Die Anlagesummen konzentrieren sich auf einen sehr kleinen Anteil der Fonds und der schlichte Mittelwert missachtet diese wesentliche Tatsache. Sicherlich muss man auch die Brauchbarkeit des gewichteten Mittelwerts hinterfragen, aber das ändert meines Erachtens nichts daran, dass der schlichte Mittelwert eben doch noch sehr viel schlechter ist.

Anonymous, - 14-03-’12 14:47
Holger

Hallo Anonymous,

Der gewichtete Mittelwert hat doch eine viel bessere Aussagekraft darüber, was der Durchschnittskunde am Ende wirklich zahlt.

damit haben Sie sicher Recht. Nur bedeutet das eben auch, dass der gewichtete Mittelwert in hohem Maße die Kosten einiger weniger ETFs (großer Anbieter auf DAX und Euro Stoxx 50) widerspiegelt. Das interessiert mich persönlich nicht besonders. Trotzdem würde ich die Kennzahl gerne mal sehen – ebenso wie einen Vergleich der Kosten von ETFs, die ich persönlich interessant finde.

Und natürlich würde mich auch interessieren, welche Renditen Anleger diesseits und jenseits des Atlantik mit ETFs auf die gleichen Indizes so erzielen.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 14-03-’12 20:45
Anonymous

Die Diskussion könnte bald obsolet sein: Wenn die geplante Reform der Investmentfondsbesteuerung (siehe http://www.der-betrieb.de/content/pdfft,..) so wie vorgeschlagen umgesetzt wird, dann entfällt die steuerliche Bevorzugung von steuerlich transparenten Fonds und folglich die steuerliche Bestrafung für die Invesition in USA-Fonds (oder irgendwelchen anderen intransparenten Fonds). Denn steuerliche Transparenz wird dann ganz abgeschafft — alle Fonds gelten als intransparent und werden pauschal besteuert (auch bei Swap-Fonds wird es dann keine steuerliche 0 mehr geben). Gleichzeitig werden dann natürlich die Pauschalisierungsregeln realistischer gestaltet.

Anonymous, - 01-05-’12 01:28
Holger

Danke – das ist spannend.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 01-05-’12 11:38
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