Silbermünzen - Zahlungsmittel und Sammelobjekt

Ein kritischer Blick zurück in meine Kindheit

Silbermuenze der Bundesrepublik DeutschlandAls Kind war ich ein Fan von ihnen. Und auch wenn meine Begeisterung in den letzten Jahrzehnten doch stark nachgelassen hat: Die Silber-Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland scheinen sich nach wie vor großer Beliebtheit zu erfreuen. Davon zeugt nicht zuletzt das hoch getaktete Ausgabeprogramm des Finanzministeriums: Am 9. Februar wurde die 10-Euro-Gedenkmünze "300. Geburtstag Friedrich II." ausgegebe; nächste Woche, am 12. April, steht die Ausgabe der Gedenkmünze "50 Jahre Deutsche Welthungerhilfe" an.

Anders als vor 20 Jahren habe ich inzwischen so meine Zweifel, ob es sich bei diesen Münzen um eine tolle Geldanlage handelt. Immerhin spricht eine Auflage von 300.000 Stück (Friedrich II.) in der Qualität "Spiegelglanz", der Sammlervariante also, nicht unbedingt für eine große Knappheit der Münzen. Und ehrlich gesagt bin ich auch enttäuscht, dass die Münzen zu 37,5 Prozent aus Kupfer - und also lediglich zu 62,5 Prozent aus Silber - bestehen. Eine Münze wiegt 16 Gramm, das ergibt ein Silbergewicht von 10 Gramm. Bei einem Silberpreis von 24,72 Euro je Feinunze (London Fixing, 4. April) beträgt der Materialwert also 7,95 Euro.

Gesetzliches Zahlungsmittel - aber nur in Deutschland

Ein Trost: Eine 10-Euro-Gedenkmünze wird immer mindestens 10 Euro wert sein - zumindest in Deutschland. Hierzulande gelten die Münzen nämlich als gesetzliches Zahlungsmittel und müssen in Geschäften akzeptiert werden. In anderen Ländern gilt diese Annahmepflicht nach Angaben des Bankenverbandes allerdings nicht.

Ein Problem bei der Sache ist der Ausgabepreis der Spiegelglanz-Gedenkmünzen. Der liegt nämlich in jedem Fall deutlich über 10 Euro: "Der Preis wird gebildet durch den Materialwert des Silbers am Tag vor der Ausgabe (Fixing London) zzgl. eines Aufschlags von 10,– € sowie der MwSt.; Mindestpreis: 15,– €". Dass Käufer immer wenigstens 10 Euro für die Münze erhalten, schützt also nicht vor deutlichen Verlusten.

Anders ist das bei der 08/15-Variante der Gedenkmünzen - der Prägung in der Qualität "Stempelglanz". Diese Münzen enthalten überhaupt kein Silber, sondern bestehen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung. Dafür sind sie aber auch für zehn Euro zu haben und lassen sich auch für zehn Euro wieder loswerden. Ich fürchte nur: für mehr auch nicht.

Und ich fürchte außerdem: Diese Stempelglanz-Münzen habe ich in meiner Kindheit gekauft (nur dass sie damals zumindest noch aus Silber bestanden).

Die Gedenkmünzen 2012 - eine kleine Übersicht

Falls jetzt trotzdem jemand bundesrepublikanische Gedenkmünzen erwerben will, folgt hier noch eine kleine Übersicht über die in diesem Jahr erscheinenden Münzen:

  • 300. Geburtstag Friedrich II., 9. Februar
  • 50 Jahre Deutsche Welthungerhilfe, 12. April
  • 200 Jahre Grimms Märchen, 14. April
  • 100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek, 13. September
  • 150. Geburtstag Gerhart Hauptmann, 8. November

Außerdem wird im Juni - für etwas mehr Geld - eine 20-Euro-Goldmünze aus der Serie "Deutscher Wald" ausgegeben. Im Oktober folgt dann für noch mehr Geld die 100-Euro-Goldmünze "Dom zu Aachen".

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Ein Kommentar:
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fb am 09-04-’12 00:52

Wohl wahr, seitdem die Stempelglanz-Ausgabe kein Silber mehr enthält, kann man die Silberzehner getrost übersehen. Als Anlage nicht mehr interessant.

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