Stiftung Warentest empfiehlt Immobilienfonds

Offene Immos kommen in der Zeitschrift Finanztest gut weg - doch ein Vergleich mit einem älteren Test macht nachdenklich

„Offene Immobilienfonds sind trotz der zahlreichen Auflösungen weiterhin als Geldanlage für private Anleger geeignet. Sie bieten eine gute Ergänzung zu Aktien und Anleihen und können das Vermögen vor Inflation schützen.“ Das schreibt nicht etwa der Fondsverband BVI – sondern die Stiftung Warentest in einer Pressemitteilung zum Erscheinen ihrer Zeitschrift „Finanztest“. Ein wenig habe ich mich darüber schon gewundert – und gespannt den ausführlichen Artikel in der Zeitschrift gelesen.

Darin argumentiert die Stiftung, das Chaos rund um die Schließungen von insgesamt acht Immobilienfonds – darunter auch große Fonds wie Axa Immosolect, CS Euroreal und SEB Immoinvest – sei nun vorbei. Und die verbleibenden offenen Immobilienfonds von Commerzbank, Deka, Deutscher Bank, Union Investment und anderen seien nun wieder stabile Geldanlagen, die einen guten Schutz vor Inflation bieten. Da habe ich erneut gestutzt.

Viele offene Immobilienfonds brachten positive Renditen

Zwar mag es gute Gründe für Optimismus geben. Immerhin sollte eine neue gesetzliche Regelung die Fonds robuster machen: Ab 2013 müssen Investoren mit einer Frist von 12 Monaten kündigen, wenn sie Anteile zurückgeben wollen. Und für neue Anleger gilt eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren. Privatanleger allerdings können immerhin 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr abziehen, so Finanztest.

Im Artikel wird zudem auf die positiven Renditen der weiter bestehenden Fonds in den vergangenen fünf Jahren und selbst im letzten Jahr verwiesen. Ähnliches hatte die Ratingagentur Scope zuletzt ja auch schon berichtet. Nur: Wie jeder weiß, sind positive Renditen in der Vergangenheit keine Garantie für eine positive Wertentwicklung in der Zukunft. Zumal auch die jetzt geschlossenen Fonds, allen voran Immoinvest und Euroreal, einst einen glänzenden Ruf und eine makellose Vergangenheitsperformance hatten.
Nun aber, und darüber wundere ich mich eigentlich am meisten, bekommen sie ihr Fett weg. Da heißt es etwa: „Sie hatten nicht genug Geld flüssig, um alle Anleger auszuzahlen, die Anteile verkaufen wollten. Teilweise hatten sie das selbst verschuldet.“ Die Fonds hätten zu viele institutionelle Investoren an Bord genommen, die in kurzer Zeit viel Geld abgezogen hätten. Zwar räumt der Artikel ein, dass die Probleme auch aus dem Wegfall von Vertriebswegen herrührten, kurz darauf geht es aber wieder um die Institutionellen: „Der Branchenverband BVI hatte seinen Mitgliedern schon vor Jahren empfohlen, Großinvestoren von Privatanlegern zu trennen. Deka macht das bereits seit 2006. SEB hat jedoch erst im Jahr 2009 großen Investoren eine eigene Anteilsklasse angeboten. Das kam zu spät.“

Die Verlierer des Jahres 2012 waren im Immobilienfonds-Test 2007 noch Sieger

Die Kritik mag ja berechtigt sein. Man darf sich aber schon fragen, warum Finanztest sie erst jetzt anbringt. Schließlich habe ich online einen Test aus dem Heft 2/2007 gefunden. Also aus einer Zeit, als Deka bereits die Trennung der Anteilsklassen vollzogen hatte. Es ging um offene Immobilienfonds. Und auf Rang 1 der Test-Tabelle standen nicht etwa die jetzt viel gelobten Fonds von Commerzbank (der Hausinvest Europa musste sich mit Rang 9 begnügen) oder Deka (bester Fonds auf Rang 6), sondern der hart kritisierte SEB Immoinvest - den vielen institutionellen Anlegern im Fonds zum Trotz. Hat Finanztest das damals also noch nicht als Problem wahrgenommen?

In der Tabelle zum Test wurden jedenfalls andere Kriterien aufgeführt. Und anderem ist dort zu lesen, dass SEB Immoinvest, Kanam Grundinvest (Rang 2, jetzt aufgelöst) und CS Euroreal (Rang 4) noch keinen einzigen Verlustmonat hatten. Die meisten getesteten Fonds stufte Finanztest in die Risikoklasse 1 (von 15!) ein. Die „Qualität“ des Siegerfonds SEB Immoinvest bewertete die Stiftung Warentest mit 87,9 Punkten. Zitat: „Sie können sich bei der Fondsauswahl an unserer Bewertung orientieren. Normalerweise sollte ein bisher guter Fonds auch gut bleiben.“ Nach den gleichen, oberflächlichen Testkriterien hätte wohl auch der Fonds von Bernie Madoff bei Warentest Höchstnoten erzielt.

Im Jahr 2012 wirken die Testmethoden und Ratschläge aus dem Jahr 2007 ein bisschen zynisch: Der SEB Immoinvest brachte Anlegern, nimmt man den Börsenkurs als Maßstab, in den vergangenen fünf Jahren 24 Prozent Verlust. Anleger tun deshalb gut daran, sich beim Lesen des aktuellen Tests auch vor Augen zu führen, wie anders die gleiche Zeitschrift die gleichen Fonds noch vor fünf Jahren bewertet hat – und ihre Schlüsse daraus zu ziehen.

Zum Weiterlesen

Kategorie: 
Stichwörter: ,,,,.
zwölf Kommentare:
Gravatar!
Mark am 20-06-’12 17:45

Klasse Artikel, vielen Dank dafür!

Speziell die Recherche zum Jahr 2007 ist gelungen und zeigt, dass die Beurteilung nach Rendite und Verlustmonaten kein guter Ratgeber war. Ich denke, dass eine fundierte Analyse immer verschiedene Szenarien durchspielen muss, in die das Anlageobjekt geraten kann. Die Beurteilung der Eintrittswahrscheinlichkeiten dieser Szenarien ist dann die nächste (schwierige) Aufgabe.

Derartige umfassende Analysen sind natürlich sehr aufwändig und daher eher selten anzutreffen, schade eigentlich…

PS: Ich war von 2003 bis 2008 im SEB Immoinvest, und habe kurz vor der Schließung verkauft…man muss ja auch mal Glück haben :-)

Gravatar!
Holger am 20-06-’12 19:41

Hallo Mark,
danke für den Kommentar. In der Tat sollte eine fundierte Analyse meines Erachtens auch anders aussehen – und sich beispielsweise eher an den Ratingkriterien von Scope orientieren. Allerdings scheinen mir bei offenen Immobilienfonds auch solche komplexeren Verfahren problematisch zu sein, denn auf den ersten und zweiten Blick haben die meisten gescheiterten Fonds für mich vor allem eines gemeinsam: Ihnen fehlt ein starker Privatkundenvertrieb. Es ist ja nicht so, dass Fonds wie der SEB Immoinvest als schlechte Fonds mit minderwertigen Objekten und schwachem Management galten. Aber wenn plötzlich die SEB-Filialen an Santander verkauft werden oder die Dresdner Bank in der Commerzbank aufgeht, die eben keine Fonds der früheren Dreba-Tochter Degi verkauft, dann scheint das halt ein Problem zu sein.
Aber was sagt das über die Fonds an sich?

Gravatar!
Mark am 23-06-’12 21:24

Na ja, mir wurde der Fonds damals von einem sogenannten Vermögensberater empfohlen (große deutsche Gesellschaft, von der ich mich sehr schnell wieder getrennt habe). Ich denke, das war schon ein ziemlich leistungsfähiger Vertriebskanal.

Streubesitz über die Privatkunden ist auf jeden Fall hilfreich, wobei man die Leute auch bei der Stange halten muss, wenn mal Zweifel aufkommen. Da braucht es dann Verkäufer vor Ort, über Filialen oder eben Außendienstler.

Gravatar!
Holger am 26-06-’12 07:53

Ja, das war sicher ein leistungsfähiger Kanal. Ich wollte auch nicht nahelegen, dass die Fonds nie solche Kanäle hatten – immerhin sind sie 6 Mrd. Euro groß geworden. Problematisch ist halt, wenn die Kanäle plötzlich wegfallen (oder empfehlen: Kauft mal lieber den Hausinvest)…

Gravatar!
Tim am 01-07-’12 00:56

Hallo Holger,

sehr guter Artikel. Ich finde es ohnehin erstaunlich, wie munter die Leute von der Stiftung Warentest Finanzprodukte einfach so empfehlen.

Ich dachte, dass die Immobilienpreise sich in Dtld schon gut entwickelt hat. Die Performance aus der Vergangenheit sagt nichts über die Zukunft aus.

Wie hoch sind eigentlich die Ausgabeaufschläge bei den Immofonds im Schnitt?
Wie viel laufende Gebühren stecken in den Dingern insgesamt? Was verdient so ein Fondsmanager eigentlich?

VG
Tim

Gravatar!
Holger am 01-07-’12 11:52

Hallo Tim,

danke. Ich meine, die Ausgabeaufschläge liegen – unrabattiert – in der Regel bei 5 Prozent oder knapp darüber; die reinen Verwaltungsgebühren in der Regel zwischen 0,6 und 0,8 Prozent. Allerdings ist darin (und soweit ich weiß auch in der TER) nicht berücksichtigt, dass beim Kauf und Verkauf von Objekten ebenfalls eine Gebühr zugunsten der KAG fällig wird. Das nur mal aus dem Stegreif – habe eine Weile nicht mehr in die Prospekte geschaut.

Viele Grüße
Holger

Gravatar!
Tim am 02-07-’12 23:07

Hi Holger,

nun wenn man die 5 Prozent und die 0,6 Prozent addiert, landet man im ersten Jahr bei mindestens 5,6% an Kosten. Das ist viel. D.h. der Fonds muss ziemlich gut abschneiden im ersten Jahr, damit der Anleger keinen Verlust macht.

Was mich an diesen Fonds stört: Sie sind ziemlich intransparent. Im Endeffekt kann der Fondsmanager auch Immobilien der Konzernmutter oder einer Konzerntochter kaufen. Welcher Preis wird dann bezahlt? Wie sind die Mietverträge in diesem Fall gestaltet, wenn womöglich die Bank Mieter ist?

VG
Tim

Gravatar!
Holger am 04-07-’12 19:10

Hallo Tim,
ja, der volle Ausgabeaufschlag haut bei kurzfristigen Anlagehorizonten ziemlich rein. Allerdings zahlen aufgeklärte Anleger den natürlich nicht, weil sie Rabatte nutzen.

Was Deine Fragen angeht, kann ich nicht wirklich antworten. Aber völlig ausschließen lassen sich solche Interessenkonflikte sicher nicht. Allerdings kann es die natürlich auch bei geschlossenen Fonds, REITs oder jedem anderen Unternehmen geben.

Viele Grüße
Holger

Gravatar!
Rolf am 11-07-’12 16:35

Ich finde die Immobilienfonds haben über wirklich viele Jahre eine konstante Rendite über 5% erwirtschaftet und ,in Abhängigkeit vom Fonds, auch ordentliche Ausschüttungen gehabt.

In der Finanzkrise hat jede Anlageklasse versagt und die Unruhen der Märkte setzt den Anbietern stark zu.

Mit Hilfe von Immobilienfonds kann sich der Kleinanleger bereits mit kleinen Summen an großen Gewerbeprojekten beteiligen und als Depotbeimischung wird diese Art des Invests bestimmt bestehen bleiben.

Nicht jeder hat soviel Bares zur Verfügung, um auf eigene Faust in Immobilien investieren zu können.

Gravatar!
Holger am 14-07-’12 21:31

Hallo Rolf,

das sind sicher richtige Hinweise. Im Artikel ging es mir auch eher um die merkwürdigen Testmethoden und die Glaubwürdigkeitsprobleme bei Finanztest.

Dass man in der Diskussion um Offene Immobilienfonds manchmal den Eindruck haben kann, hierbei handele es sich um legalisierten Beschiss, finde ich auch deutlich übertrieben. Sie haben ja tatsächlich eine lange Geschichte – und jetzt auch belastbarere Regeln, was den Abzug von Geldern angeht.

Aber REITs scheinen mir trotzdem die bessere Anlagemöglichkeit zu sein, einen Teil der mit ihnen einhergehenden Kursrisiken kann man abfangen, indem man den Anteil risikoarmer Zinsanlagen erhöht – denn letzlich sind Offene Immos ja auch eine Mischung aus Immobilien und relativ hohem Cash-Anteil.

Viele Grüße
Holger

Gravatar!
Martin Hark am 06-08-’12 18:14

sehr guter Artikel und eine nette Homepage!
Ich beschäftige mich mit meiner Homepage auch mit Fonds – um somit möglichen Investoren einen einfaches Grundverständnis von der Materie zu vermitteln.

Gravatar!
Rene am 22-09-’12 23:15

Egal ob offene Immobilienfonds oder geschlossene, eine Direktinvestition in Immobilien ist immer lukrativer. Die Masse der Fonds ist dramatisch schlecht.

(optionales Feld)
Emoticons :: Registrieren/Einloggen
Bitte beantworten Sie diese einfache Frage. Sie dient dazu, automatisierten Kommentar-Spam zu verhindern.
Persönliche Informationen speichern?
Benachrichtigen
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.