Wie kauft man einen ETF?

An der Börse, außerbörslich oder über einen Sparplan - jede Möglichkeit hat ihre Vorteile und Nachteile

Einen ETF kaufen - aber wie? (Foto: Shutterstock)

"Wie kauft man einen ETF?" - Die Frage an Google (oder jemand anderen) ist berechtigt. Und vermutlich haben schon deshalb viele Anleger Berührungsängste, wenn es um ETFs und andere börsengehandelte Anlageinstrumente, weil sie nicht genau wissen, wie sie die Dinger in ihr Depot kriegen. Vielleicht hilft dieser kleine Überblick ja dem einen oder anderen dabei.

Grundsätzlich gilt: Auch börsengehandelte Anlageinstrumente handeln Privatanleger nicht direkt an der Börse. Vielmehr vermitteln Banken alle Aufträge an die Handelsplätze. Die führen sie dann aus. Das gilt völlig unabhängig von der Frage, ob man über einen Online-Broker handelt oder über eine klassische Filialbank.

Filialbank oder Direktbank beziehungsweise Online-Broker?

Dennoch hat die Frage, ob Sie Kunde einer klassischen Filialbank oder einer Direktbank beziehungsweise eines Online-Brokers sind, Konsequenzen für die Art der Orderaufgabe. Oder anders ausgedrückt, ob Sie bei der Geldanlage die Hilfe eines Beraters in Anspruch nehmen oder selbst entscheiden. Sind Sie der klassische Filialbanken-Kunde, können Sie - nachdem Sie einen oder mehrere passende ETFs ausgewählt haben - im Grunde einfach zu Ihrem Bankberater gehen und sagen: Ich möchte ETF XY kaufen. Die Bank ist dann verpflichtet, den Kauf für Sie abzuwickeln und dabei das Bestausführungsprinzip (Best Execution) zu beachten. Das heißt: Die Bank muss über denjenigen Handelsplatz ordern, der das für Sie beste Ergebnis verspricht - den besten Preis, die niedrigsten Gebühren, die höchste Ausführungswahrscheinlichkeit und -geschwindigkeit etc. Prinzipiell müssen Sie sich also keine Sorgen machen, dass bei der Order etwas schiefgeht. In der Praxis gibt es aber immer wieder Auseinandersetzungen über die korrekte Interpretation des Best-Execution-Prinzips und über die richtige Art, den besten Handelsplatz zu ermitteln.

Ein weiteres Problem könnte sein, dass Ihr Berater Sie vom Kauf des ETFs abbringen will, weil die Bank dafür keine Provisionen erhält. Aber falls das wirklich passieren sollte, heißt es halt einfach: standhaft bleiben. Von solchen theoretisch möglichen Ärgernissen einmal abgesehen sollte der Kauf eines ETFs über eine Filialbank eine komfortable Sache sein. Eigene Erfahrungen damit habe ich aber leider nicht.

Den Handelsplatz beim Online-Broker auswählen

Das liegt daran, dass ich seit geraumer Zeit all meine Transaktionen über einen Online-Broker abwickle. Der Hauptgrund sind die niedrigeren Gebühren, die bei Direktbanken anfallen. Inzwischen halte ich es aber auch für deutlich bequemer, Wertpapiergeschäfte von zu Hause tätigen zu können - und zwar genau dann, wenn ich es für richtig halte.

Als Selbstentscheider bleibt es Ihnen allerdings nicht erspart, auch selbst einen Handelsplatz auszuwählen. Sie geben also innerhalb Ihres Onlinezugangs zunächst die WKN oder ISIN des Wertpapiers an, das Sie kaufen möchten. Anschließend wählen Sie einen Handelsplatz aus. Grundsätzlich gibt es dabei die Möglichkeit, börslich oder außerbörslich zu handeln. An den verschiedenen zur Verfügung stehenden Börsen (Xetra/Börse Frankfurt, Börse Stuttgart, andere Regionalbörsen, ausländische Börsenplätze) gibt es transparente Regeln und eine unabhängige Orderüberwachung. Außerbörslich, das heißt beim Handel über irgendwelche Partner Ihrer Bank, fallen dafür oft niedrigere Gebühren an, und die Ausführungsgeschwindigkeit ist besonders hoch. Auch steht nicht an allen Handelsplätzen die gleiche Vielfalt an Ordertypen zur Verfügung.

Ich will an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, denn mit dem Aufzählen aller Vor- und Nachteile der verschiedenen Handelsplätze lassen sich vermutlich komplette Bände füllen. Wichtig ist: Wenn Sie an einer öffentlichen Börse handeln, können Sie eigentlich immer ein gutes Gefühl haben. Und wenn Sie einen gängigen ETF zu den Haupthandelszeiten erwerben, müssen Sie auch nicht groß darüber nachdenken, aus Angst vor schlechten Kursen ein Limit zu setzen. Andererseits machen machen Sie unter Umständen dennoch außerbörslich ein besseres Geschäft - und je nach Bank kennen Sie vielleicht sogar schon vor der Ausführung den Kurs, zu dem Sie kaufen können.

Nach der Wahl des Handelsplatzes sollten Sie noch bestimmen, ob Sie "billigst", das heißt ohne Limit ordern oder einen bestimmten Höchstkurs als Limit setzen wollen. Ich kaufe eigentlich immer billigst, da ich langfristig anlege, kein Market Timing betreiben will und mich ein- oder zweimal sehr geärgert habe, dass meine Order wegen eines eng gesetzten Limits überhaupt nicht ausgefürt wurde.

Dann bestätigen Sie die Transaktion mit einer Transaktionsnummer (TAN), und der ETF gehört (praktisch) Ihnen.

ETF-Sparpläne bei Direktbanken

Die letzte wichtige Möglichkeit, einen ETF zu kaufen, ist über einen ETF-Sparplan. Praktisch alle großen Direktbanken in Deutschland bieten ETF-Sparpläne zu günstigen Konditionen an. Hierbei handeln Sie außerbörslich und kaufen ETF-Anteile zum Nettoinventarwert (NAV). Börsengebühren werden nicht fällig - wohl aber kann Ihre Bank eine Ausführungsgebühr verlangen. Allerdings sind bei vielen Banken inzwischen etliche ETF-Sparpläne kostenlos verfügbar.

Der Nachteil dieser Sparpläne ist Ihre eingeschränkte Flexibiltät: Unter Umständen ist die Höhe des Sparbetrags auf eine für Sie zu niedrige Summe begrenzt. Auch können Sie den Ausführungszeitpunkt nicht so genau wählen wie beim klassischen Kauf über die Börse. Darüber hinaus implizieren Sparpläne natürlich eine gewisse Regelmäßigkeit, die sich mit einer einmaligen Anlage schlecht verträgt. Allerdings ist es in der Regel möglich, Sparpläne einmal auszuführen und dann auszusetzen. Gerade für ETF-Einsteiger sind solche Sparpläne deshalb eine einfache, praktische und kostengünstige Möglichkeit, ETFs zu erwerben.

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zwei Kommentare:
Gravatar!
Ulrich am 15-07-’12 18:39

Schöne Anleitung *Daumen hoch

Also für Menschen, die nur sehr kleine Beträge regelmäßg anlegen wollen ist so ein Sparplan bei einem Broker, ohne Kosten, sicher sehr interessant. Kleinvieh macht auch irgendwann sehr viel Mist ;) .

Gravatar!
Holger am 16-07-’12 22:37

Hallo Ulrich,

danke. Ich denke, streng genommen können Sparpläne wohl auch für größere Anlagebeträge eine gute Alternative sein – zumindest wenn die betreffende Bank Sparpläne mit hohen Beträgen ermöglicht.

Viele Grüße
Holger

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