Aktien, Anleihen, REITs, Rohstoffe: Korrelationen in der Krise

In einer Krise geht alles nach unten - außer den Korrelationen. Netter Spruch. Und gefühlt traf er in der Finanzkrise des vergangenen (?) Jahres auch ziemlich ins Schwarze. Aktien: Crash. REITs: sowieso. Anleihen: zumindest, wenn es um Corporate Bonds oder riskantere Staatsanleihen ging. Mal schauen, wie das ganze Desaster sich in der Statistik widerspiegelt.

Bei der Überprüfung hilft die hübsche Website AssetCorrelations.com, die netterweise alle möglichen Korrelationen zwischen Anlageklassen übersichtlich präsentiert - natürlich konsequent aus amerikanischer Sicht. Egal. Für den ernsthaften Gebrauch zum Aufbau eines Depots ist die Tatsache, dass alle Korrelationen nur für kurze Zeiträume bis zu zwei Jahren gezeigt werden, schon ein größeres Problem.

Aber hier geht es ja nicht um den ernsthaften Gebrauch. Also: Wie sahen die Korrelationen in den vergangenen finsteren Monaten aus?

Die Korrelation der internationalen Aktienmärkte

Das weiß jeder, der die Finanznachrichten auch nur halbwegs aufmerksam verfolgt hat: Die Märkte fielen im Gleichschritt. Mit Ausnahme des ghanaischen Aktienmarktes vielleicht, aber der wird von AssetCorrelations.com nicht erfasst. Ansonsten: Der S&P 500 und der MSCI Germany (kein DAX, tut mir leid, aber klüger ist es wohl so) zeigten eine fast perfekte Korrelation von 0,9. Der MSCI Germany und der MSCI France wiesen sogar eine Korrelation von 0,96 auf. Und auch zwischen dem deutschen Aktienmarkt und den Märkten verschiedener wichtiger Schwellenländer gab es starke Zusammenhänge. Der Nutzen internationaler Diversifikation? Na ja, es gab ihn schon. Irgendwie.

Korrelation des deutschen Aktienmarktes mit...

  • ...britischen Aktien: 0,90
  • ...japanischen Aktien: 0,81
  • ...australischen Aktien: 0,93
  • ...brasilianischen Aktien: 0,89
  • ...südafrikanischen Aktien: 0,90

Man sieht: Viel war mit einer Diversifikation innerhalb der Assetklasse Aktien in den vergangenen zwölf Monaten nicht zu holen.

Die Korrelation verschiedener Anlageklassen untereinander

Deutlich besser sieht es da - erwartungsgemäß - schon aus, wenn man auch Anleihen gehalten hat. US-Staatsanleihen wiesen im vergangenen Jahr praktisch keine nennenswerte Korrelation mit anderen Anlageklassen auf - einmal abgesehen von inflationsindexierten US-Staatsanleihen. Aber auch das ist ja keine Überraschung. Egal ob mit Rohstoffen, Immobilien oder Aktien: Der Zusammenhang war stets nahe 0 oder sogar leicht negativ. Gleiches gilt für Gold. Rohstoffe korrelierten dagegen mittelstark mit den Aktienmärkten, aber auch mit den im Dow Jones International Real Estate enthaltenen Immobilienaktien. Diese wiederum konnten sich von den Aktienmärkten überhaupt nicht abkoppeln und wiesen über alle Regionen hinweg Korrelationen über 0,80 auf.

Korrelationen verschiedener Anlageklassen im Überblick

  • US-Large-Cap-Aktien und internationale Immobilien: 0,85
  • US-Large-Cap-Aktien und US-Staatsanleihen: 0,01
  • US-Large-Cap-Aktien und Gold: -0,01
  • US-Large-Cap-Aktien und Rohstoffe: 0,50
  • US-Staatsanleihen und Gold: 0,19
  • US-Staatsanleihen und Rohstoffe: -0,01
  • US-Staatsanleihen und internationale Immobilien: 0,08
  • Gold und internationale Immobilien: 0,02
  • Gold und Rohstoffe insgesamt: 0,26
  • Rohstoffe und internationale Immobilien: 0,50

Viele Zahlen, ein kurzes Fazit: So ganz stimmt der Eingangssatz von den sinkenden Kursen und den steigenden Korrelationen wohl doch nicht. Diversifikation hat auch im vergangenen Jahr nicht versagt - so lange man sie konsequent über verschiedene Anlageklassen hinweg betrieben hat. Wer allerdings gehofft hat, er könne mit Emerging-Markets-Aktien die Schwankungen der Märkte der entwickelten Länder ausgleichen, dürfte ein böses Erwachen gehabt haben.

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