Wer braucht eigentlich eine Beratungsflatrate?
Zugegeben, die Idee ist interessant, und sie bringt vielleicht auch Bewegung in den Anlageberatungsmarkt. Das Wertpapierhandelshaus Accessio will ab Juli Honorarberatung anbieten - und zwar als "Beratungs-Flatrate". Für 42 Euro im Moment darf man sich dann beraten lassen. Ein ähnliches Modell bietet bereits die Quirin Bank an, die ist aber teurer.
Wirklich billig erscheint aber auch das Accessio-Angebot nicht. 42 Euro im Monat - das sind 504 Euro im Jahr, also auch nicht unbedingt soo wenig. Aber dafür sollen die Kunden ihre Provisionen zurückerhalten. Damit wirbt Accessio natürlich auch: Wer viermal im Jahr je 3.500 Euro in Aktien-, Immobilien- und Rentenfonds oder Zertifikate anlegt, bekäme nach Angaben des Unternehmens 532 Euro zurückerstattet. Wow! 28 Euro Ersparnis! Und dafür muss man scheinbar (genau verstanden habe ich es nicht) nur jedes Jahr 14.000 Euro neu anlegen.
Kurz: Man fragt sich schon, ob da nicht einfach eine Abzock-Idee (die provisionsgetriebene Verberatung) durch eine andere ersetzt wird. Denn mal ehrlich: Wer in der Zielgruppe der Menschen mit "kleinen Vermögen ab 20.000 Euro" braucht schon eine ständige Betreuung durch Vermögensberater? Und nur bei einer ständigen Betreuung ergibt eine Flatrate auch wirklich Sinn.
Der gute Ruf von Accessio
Hinzu kommt noch, dass mit Accessio ausgerechnet ein Unternehmen Vorreiter in Sachen Beratung werden will, das einen eher zweifelhaften Ruf hat. Schreibt auch das Manager Magazin in seinem Bericht: "Mehrere Anlegeranwälte traten auf den Plan. Der Vorwurf: Die Accessio-Leute köderten Sparer mit befristeten, hoch verzinsten Tagesgeldangeboten und drehten ihnen dann riskante Wertpapiere an. In vielen Fällen seien Aktien, Anleihen und Genussscheine immer wieder derselben, miteinander verbundenen Firmen in den Depots gelandet."
Klingt vertrauenerweckend, oder? Im Vergleich dazu wirkt sogar das merkwürdige neue Vertriebsmodell des Versicherers Fortis sympathisch. Der will in Deutschland Netto-Versicherungsverträge anbieten, die erst gar keine Provisionen enthalten. Vertreiben soll die eine eigene Tochterfirma, die erst mal auch nur Fortis-Produkte anbieten soll. Also so ziemlich das Gegenteil von Unabhängigkeit. Aber angeblich sollen später auch andere Versicherer dazukommen. Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben...








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