Warum man keine Einzelaktien kaufen sollte

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich an dieser Stelle Argumente dafür aufgezählt, dass man lieber Einzelaktien kaufen sollte als marktbreite, passive Indexfonds (oder irgendwelchen anderen Kram). Die Argumente waren alle ernst gemeint. Aber ehrlich: Eigentlich halte ich günstige ETFs für das bessere Anlagevehikel. Der Versuch einer Beweisführung.

Ein wichtiges Argument für den Kauf von Indexfonds ist, dass der Aktienmarkt so effizient ist, dass man ihn praktisch nicht schlagen kann. Dass es also selbst Experten nicht gelingt, systematisch die besten Aktien auszuwählen. Warum also sollten Laien dazu in der Lage sein?

Hinzu kommt: Es ist psychologisch viel einfacher, in einen Indexfonds zu investieren und dabei die Ruhe zu bewahren, als die in der Regel deutlich volatilere Entwicklung einer einzelnen Aktie zu verfolgen, die einen ständig durch emotionale Wechselbäder schickt. Dieses Auf-und-Ab wird noch durch die Medien und Analysten verstärkt, die den aufmerksamen Anleger unablässig mit immer neuen Empfehlungen und sonstigen Betrachtungen bombardieren.

Aufregung verleitet zu vorschnellem Handeln

Nun ist so ein bisschen Aufregung natürlich nicht unbedingt schlecht - viele verlangt es ja geradezu danach. Nur: Aufregung ist gefährlich - selbst wenn sie Spaß macht. Nicht umsonst gibt es das Zitat der Wirtschaftsjournalistin Jane Bryant Quinn: "Good investing isn't sexy". Geld richtig anzulegen, ist nicht aufregend. Auch nicht unbedingt langweilig, ganz im Gegenteil. Aber es ist eine nüchterne Angelegenheit. Weil Emotionen einen zu vorschnellen Handlungen verleiten - zum Kaufen und Verkaufen. Damit produziert man aber in aller Regel keine Outperformance, sondern einfach nur: Kosten. Die Broker freuen sich, der Privatanleger leidet.

Die risikoadjustierte Rendite von ETFs ist besser

Wer einfach nur die erwartete Rendite seines Portfolios betrachtet, macht es sich zu leicht. Wirklich wichtig ist auch das Risiko, das man eingehen muss, um diese Rendite zu erreichen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite bei gleichbleibendem Risiko, desto besser. Und je niedriger das Risiko bei gleichbleibender Rendite - desto besser.

Damit ist ein wesentlicher Vorteil von Indexfonds beschrieben. Sie sind weniger riskant als Einzelaktien - weil sie 50 oder 600 Aktien enthalten und deshalb weniger schwankungsanfällig sind. Und trotzdem kann man mit ihnen in der Theorie die gleiche Rendite erzielen. Oder fast: Natürlich fallen Gebühren an. Aber die können auch für Aktien-ETFs unter 0,3 Prozent des verwalteten Vermögens liegen. Kurz: Die risikoadjustierte Rendite ist einfach besser, wenn man auf Indexfonds setzt.

Indexfonds erleichtern die Diversifikation

Damit ist auch schon der letzte wichtige Punkt angesprochen: Jedes Depot braucht ein Mindestmaß an Diversifikation, um das Risiko zu streuen. Im Idealfall heißt das: Diversifikation über verschiedene Regionen und Branchen, aber auch über verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Eine vernünftige Diversifikation ist aber mit Einzeltiteln kaum umzusetzen. Erst recht nicht, wenn man zum Beispiel nur 10.000 Euro anzulegen hat. Sollte man dann fünf Einzelaktien kaufen? Oder sieben? Oder doch lieber: einen ETF auf den DJ Euro Stoxx 50, einen auf den MSCI World, einen auf den MSCI Emerging Markets und dazu eine oder mehrere Staatsanleihen?

Wer Spaß haben will, ist in dieser Frage wahrscheinlich unentschieden. Wer Erfolg haben will, nicht.

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vierzehn Kommentare

Til

Ich denke mal, es liegt Stark daran, welchen Kurs die Einzelaktie hat… wenn die am Boden ist, kann es ja eigentlich nur besser werden – im mittelmass, kann es natürlich ein auf und ab werden … von daher ..

Til, (E-Mail ) (URL) - 03-06-’09 21:17
Handundstein

Ist nur schwierig zu erkennen, wann eine Aktie unten ist. Schließlich kann’s immer noch weiter runtergehen. Sagen wir mal: bei Arcandor. Aber auch bei Daimler etc. ;-)

Handundstein, (E-Mail ) (URL) - 03-06-’09 21:37
Georg

“Wer Spaß haben will, ist in dieser Frage wahrscheinlich unentschieden. Wer Erfolg haben will, nicht.”
Amen! :-)

Georg, (E-Mail ) (URL) - 05-06-’09 18:31
Berufspsycho

Das alleine sind aber keine Gründe warum man keine Einzelaktie kaufen sollte sondern eher der Grund warum für die meisten ETFs das bessere Vehikel sind. Gibt ja nebst Performance und Sicherheit noch andere Gründe, z. B. emotionale Gründe wie Moral, Ethik, Zockerfreude etc.. Manch ein Unternehmen findet sich in meinem Depot weil ich die Idee gut finde und nicht weil ich damit großes Geld zu verdienen erwarte, wenn auch hoffe. So beispielsweise Tesla, ich finde den Wagen den die entwickeln super aber ich glaube es wird ein Rohrkrepierer!

Ach Mist, das unterstreicht wieder deine Argumentation. ;)

Berufspsycho, (URL) - 03-08-’11 12:30
Holger

Hallo Berufspsycho,

Du hast natürlich völlig Recht: Das sind im Wesentlichen Gründe für den Kauf von ETFs – nicht unbedingt gegen den Kauf einzelner Aktien. Praktisch läuft das halt am Ende auf dasselbe hinaus.

Allerdings sollte dieser Artikel zusammen mit dem Bruder-Text “Warum man Einzelaktien kaufen sollte” gelesen werden.

Ich muss ohnehin gestehen, dass ein gar nicht so kleiner Teil meines Depots tatsächlich aus Aktien einzelner Unternehmen besteht. Die haben zumindest einen wesentlichen Vorteil: Transparenter und kostengünstiger geht es halt nicht.

Viele Grüße

PS: Schöne Website – und das schreibe ich nicht nur, weil ich durch das Lesen der “Über mich”-Seite gelernt habe, dass mein alter Lieblingsfilm “Die Jugger” tatsächlich eine eigene Sportart inspiriert hat…

Holger, (URL) - 03-08-’11 19:00
Berufspsycho

Hallo Holger,

danke für das Lob, welches postwendend retour geht. Bei mir liegt der Großteil in Fonds, das liegt aber an meinen unglaublich tollen Vergangenheitserfahrungen, die Streuung steigt, denn Fonds sind kein alleiniges Allheilmittel.

Bzgl. Jugger solltest Du mal gucken, in deiner Umgebung gibt es bestimmt auch Spieler, das Alter sollte da zweitrangig sein.
Da gibt es gidf mit dem Suchbegriff “Jugger Forum”. ;)

Grüße
Walter

Berufspsycho, (URL) - 04-08-’11 08:49
Thomas

Bei ETFs mit vielen Einzelpositionen hat man doch gar keinen Überblick, ob man gut aufgestellt ist. Wer verfolgt denn die Entwicklung jeder einzelnen Firma daraus?
Und selbst wenn einem einige nicht gefallen, kann man sie nicht rausschmeißen.
In Krisenzeiten, in denen fast alles zu Boden geprügelt wird (scheint ja gerade wieder soweit zu sein), mag das nicht so schlimm sein, in “normalen” Phasen wird man aber immer unter- und überbewertete Sachen drin haben.

Man sollte also genug Geld haben (so ab 15000€), um mit Einzelaktien genug zu diversifizieren (so ab 6 Einzeltitel von Bluechips).
Darunter sollte man eigentlich nicht am Aktienmarkt anfangen, auch nicht mit ETF.

Wenn es deutlich mehr ist, kann ja auch der eine oder andere Nebenwert mit rein, mehr als 30 Positionen sind aber Quatsch, selbst als Milliardär.

Ausserdem sollte auch im Hinterkopf haben, das Fonds jederzeit geschlossen oder verschmolzen werden können.
Da hat man als Fondsanteileinhaber gar keinen Einfluß darauf.
Nur als Aktionär hat man wirklich Sacheigentum.

Thomas, - 05-08-’11 00:47
sparFuxx

Hallo Thomas,
“Nur als Aktionär hat man … Sacheigentum”????
Am Investmentfonds hat man ebenfalls Eigentum. Man hat nur keinen direkten Einfluß (so, als wäre es eine stille Einlage).

Wenn Du anhand von Unter- und Überbewertungen durch Stockpicking eine signifigante Überrendite gegenüber einem ETF erzielen kannst, dann gratuliere ich Dir gerne.

Bitte bedenke aber: die Mehrheit kann das nachweislich (und systemimmanent) nicht.

Von daher muss es nicht falsch sein, der Mehrheit durch den Kauf eines ETFs zum Durchschnitt zu raten. Oder?

Viele Grüße,
sparFuxx

sparFuxx, (URL) - 05-08-’11 09:06
Thomas

Das “Sacheigentum” einer bestimmten Firma in einem Fonds kann auch ganz schnell weg sein. In einem aktiv gemanagten Fonds sowieso durch Entscheidung des Fondsmanagers.
Dafür wird dann vielleicht was gekauft, von dem ich gar nicht Eigentümer sein möchte.
Aber auch in ETF durch Indexumstellungen oder Fondsschließungen/Verschmelzungen.

Als Aktionär bin ich echter Eigentümer mit einem selbst definiertem Teil meines Geldes, solange ich will, und wenn es bis in die Pleite ist.

Die Gefahr für die Mehrheit, die sich (zumindest vor einer Woche) z.B. ein DAX-ETF gegönnt hat ist, das da zumindest nach meiner Einschätzung z.B. völlig überbewertete deutsche Autofirmen drin sind, während Firmen wie die Metro oder die Deutsche Post für einen Spottpreis zu haben sind.

Wenn der normale Anleger schon selbst am Aktienmarkt investiert sein will, sollte er sich auch mit den Firmen beschäftigen, an denen er dann beteiligt ist. Nimmt man einen Fonds, gibt man schon wieder einen Teil der Verantwortung ab. Das was drin ist, wird schon alles gut sein. Aber zu jeder Firma in dem Fonds werden die meisten wohl kaum eine Meinung haben.
Aber warum in etwas investieren, was man gar nicht beurteilen kann oder will?

Da kann man auch gleich beim Tagesgeld bleiben.

Thomas, - 07-08-’11 00:39
Holger

Aber warum in etwas investieren, was man gar nicht beurteilen kann oder will?

Hallo Thomas,

ein m. E. guter Grund ist, dass man an den hohen Renditen teilhaben will, die die Anlageklasse Aktien insgesamt bietet – und zwar ohne sich großartig damit zu beschäftigen. Schließlich können die meisten arbeitenden Menschen ihre Zeit profitabler und/oder spaßiger verbringen hals mit Aktienanalysen.

Hinzu kommt das von sparFuxx angesprochene Problem: Die Mehrheit kann schon aus logischen Gründen keine überdurchschnittliche Rendite erzielen. Und es gibt viele Studien, die bestätigen, dass auch die meisten Profis das nach Kosten nicht hinkriegen.

Noch eine Frage zu Ihrem ersten Kommentar: Woher nehmen Sie Ihre Zahlen, also dass es “so ab 6” Aktien sein sollten und dass mehr als 30 Aktien Quatsch sind?

Viele Grüße

Holger, (URL) - 07-08-’11 13:45
Thomas

Deswegen meine ich ja, das wer sich nicht beschäftigen will, sollte es lassen. Es muß ja auch keine tagelange Analyse sein.
Ein paar Kennzahlen, ein Chart und eine eigene Meinung zur Zukunft des Geschäftsmodelles sollten reichen.
Die Entscheidung für einen Fonds müßte ja dann mehr Arbeit machen, da müßte alles darin analysiert werden.

Das mit der Aktienzahl ist natürlich nur meine Meinung. Aber zu wenig ist einfach zu wenig Diversifizierung.
Und zu viel ist nicht zu überblicken. Selbst habe ich so 10 Positionen. Heute kurz nach 8 hab ich in Frankfurt mal Deutsche Post für 11,00€ abgestaubt. Kaufen, wenn Kanonen donnern :-)

Grüße

Thomas, - 08-08-’11 08:46
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