Futures, Rollierung, Backwardation und Contango

Futures sind komplizierte Konstruktionen. Sie dienen der Absicherung gegen künftige Preisschwankungen oder auch ganz einfach der Spekulation. Im ersten Fall werden Futures als Versicherung eingesetzt, im zweiten als schlichte Wette. Für Privatanleger dagegen sind die Terminkontrakte aber vor allem aus einem dritten Grund interessant.

Verschiedenen Studien zufolge ist nämlich die Abbildung diversifizierter Indizes von Rohstoff-Futures die beste Möglichkeit, in Rohstoffe (neudeutsch Commodities) zu investieren. Unkomplizierter werden Futures dadurch aber nicht. Und Begriffe wie Rollierung, Backwardation und Contango klingen zumindest verwirrend, manchmal auch furchteinflößend. Vielleicht hilft ja dieser kleine Erklärungsversuch dagegen.

Futures sind – da zitiere ich einfach mal das Börsenlexikon von FAZ.net„Terminkontrakte auf ein bestimmtes Gut. Terminkontrakte auf Waren werden als Commodity Futures, solche auf Aktien, Anleihen, Indizes und Währungen Financial Futures genannt. Sie verpflichten je nach Ausgestaltung als Short- oder Long-Positionen den Erwerber des Kontraktes, eine bestimmte Menge und Qualität des zugrunde liegenden Basiswerts zu einem bestimmten in der Zukunft liegenden Zeitpunkt zu einem bei Abschluss festgelegten Preis zu liefern oder zu kaufen.“

Daraus ergibt sich schon, dass Futures (normalerweise zumindest) an einem bestimmten Datum in der Zukunft fällig werden. Und daraus wiederum ergibt sich für Finanzinvestoren ein Problem: Wer einen Öl-Future mit Fälligkeitsdatum 15. Juni 2009 kauft, möchte ja nicht unbedingt am 15. Juni ein Ölfass in seinen Vorgarten gestellt bekommen.

Der Rollvorgang bei Futures

Aber: Dieses Problem lässt sich natürlich umgehen – durch Rollierung (auch Rollen genannt). Das funktioniert eigentlich recht einfach: Emittenten von Indexzertifikaten oder Rohstoff-ETFs verkaufen rechtzeitig vor dem Fälligkeitsdatum den auslaufenden Future und stecken den Verkaufserlös in einen länger laufenden Kontrakt.

Die Deutsche Bank erklärt das recht anschaulich am Beispiel ihres Indexzertifikates DB2BRE, das die Partizipation an der Kursentwicklung von Ölfutures ermöglichen soll: Um für dieses Zertifikat ein zeitlich unbefristetes Engagement zu ermöglichen, verkauft die Bank jeden Future zehn Tage vor seiner Fälligkeit und investiert in den nächsten Future (mit Fälligkeit im darauf folgenden Monat). Den Juli-Future, der am 15. Juni fällig wird, würde sie also Anfang Juli abstoßen, um dafür in den August-Future mit Fälligkeit Mitte Juli zu investieren.

So weit, so einfach. Kompliziert wird der ganze Rollvorgang – zumindest für uns als Anleger – dadurch, dass bei der Rollierung Gewinne oder Verluste entstehen können. Je nachdem, ob der nächste Future teurer oder billiger ist als der gerade auslaufende. Notiert der auslaufende Future zu einem höheren Kurs als der länger laufende, dann bekommt man als Anleger nämlich mehr Anteile des neuen Futures für sein Geld – und umgekehrt.

Noch ein Beispiel von der Deutschen Bank und ihren Brent-Öl-Futures: Zum Rolltermin Ende Dezember 2008 notierte der Februar-Future (mit Fälligkeit im Januar) bei 40,15 US-Dollar. Der März-Future, in den gerollt wurde, notierte aber bei 42,92 US-Dollar. Für einen alten Kontrakt erhielten Anleger also nur 40,15/42,92 = 0,935 neue Kontrakte. Sie erlitten einen Rollverlust von mehr als sechs Prozent.

Contango und Backwardation

Rollverluste entstehen also immer dann, wenn länger laufende Warentermingeschäfte (Futures also) höher notieren als kürzer laufende. Diese Situation heißt in der Fachsprache Contango. Umgekehrt entstehen immer dann Rollgewinne, wenn kürzer laufende Futures teurer sind als länger laufende. Der Name für diese Situation heißt Backwardation.

Herrscht eine Contango-Situation, müssen Anleger also darauf hoffen, dass der tatsächliche Ölpreis (der Spotpreis) noch stärker steigt, als durch den Preis für den Future schon antizipiert wird. Die Contango-Situation spiegelt also letztlich die Erwartung des Marktes wider, dass der Preis für einen Rohstoff (Öl) in Zukunft steigen wird.

Wer nämlich Öl verarbeitet wie etwa die Betreiber von Raffinerien und steigende Preise erwartet, wird Futures kaufen, um sich damit einen bestimmten Lieferpreis zu sichern (den des Futures eben). Wenn dagegen der Großteil der Marktteilnehmer mit sinkenden Preisen rechnet, dann geht Forwardkurve der Future-Preise in Backwardation über.

Der Cost of Carry

Außer den Erwartungen der Marktteilnehmer beeinflusst auch der so genannte Cost of Carry die Future-Preise. Wer steigende Ölpreise erwartet, hat nämlich zwei Möglichkeiten, sich dagegen abzusichern. Die erste ist der schon beschriebene Kauf eines Futures. Die zweite ist der Kauf von Öl auf dem Spot-Markt. Wer jetzt Öl kauft, das er erst in zwei Monaten benötigt, muss dieses Öl allerdings lagern. Und das kostet Geld. Darüber hinaus entgehen ihm auch Zins-Einnahmen, weil Öl schließlich keinen Ertrag bringt, wenn es einfach nur gelagert wird. Diese Opportunitätskosten bilden zusammen mit den Lagerkosten den Cost of Carry. Und sie sind ein Argument dafür, lieber erst mal einen Öl-Future zu kaufen – jedenfalls dann, wenn der Cost of Carry größer ist als der Unterschied zwischen dem Preis für Öl auf dem Spot-Markt und für einen Öl-Future.

Warum man das alles wissen muss? Nun, es hilft zu verstehen, wo die Rendite von Rohstoff-Futures herkommt. Und genau darum soll es demnächst in dieser Serie gehen.

Zum Weiterlesen:

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