Kritische Beschlüsse auf Hauptversammlungen – eine lustige Liste

Was auf Hauptversammlungen geschieht, ist gelegentlich undurchsichtig, oft kompliziert und häufig weit weg von Privatanlegern. Obwohl auch die natürlich betroffen sind, wenn merkwürdige Beschlüsse abgenickt werden. Ein Beitrag zu mehr Transparenz kommt jetzt ausgerechnet von der Fondsindustrie: Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hat eine Liste mit kritischen Punkten von Hauptversammlungen vorgelegt, die in diesem Jahr bereits stattgefunden haben. Und die ist durchaus spannend zu lesen.

Fünf Punkte hat der BVI dabei untersucht, nämlich:

  • Verwendung des Bilanzgewinns,
  • Entlastung des Vorstands,
  • Entlastung des Aufsichtsrats,
  • Wahlen zum Aufsichtsrat und
  • Rückerwerb eigener Aktien

Die Erkenntnisse des Verbandes: Bei etwa der Hälfte der 136 untersuchten Unternehmen wurden die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat kritisch gesehen, bei immerhin einen Viertel bewertete der BVI die die Vorschläge zum Rückkauf eigener Aktien kritisch, und bei immerhin 23 Unternehmen hielt der Verband die Verwendung des Bilanzgewinnes für kritisch oder außergewöhnlich.

Das Spannende an so einer Liste ist aber natürlich, sie einfach mal zu durchstöbern, um zu schauen, wer da so genannt wird. Also los: eine Auswahl interessanter Unternehmen.

Die beanstandeten Unternehmen – eine Auswahl

  • Deutsche Telekom: Immer ein beliebtes Opfer. Diesmal meckerten die Fachleute des BVI über die „Dividendenausschüttung aus der Substanz“. Sicher richtig (wenn auch durch einen komfortablen Cash Flow gedeckt), aber nicht unbedingt neu. Die gleiche Kritik galt auch Celesio, der Deutschen Beteiligungs AG, Gagfah und anderen.
  • Adidas, Volkswagen und andere: Es geht aber auch andersrum. Eine Reihe von Unternehmen kritisierten die Verbandsvertreter allerdings auch, weil die Dividende zu niedrig ausfiel und die Ausschüttungsquote unter 20 Prozent lag. Besonders prominent dabei: Adidas, Volkswagen, Solarworld und Porsche. Wobei zumindest das letztgenannte Unternehmen sein Bargeld vermutlich noch dringend benötigt…
  • Commerzbank, Infineon, IVG Immobilien: Hier sieht der BVI sogar die Entlastung des Vorstandes kritisch. Begründung: „Schlechte Ergebnisse relativ zur Branche und fragliches Risikocontrolling.“ Aus dem gleichen Grund gilt auch die Entlastung der Aufsichtsräte dieser Unternehmen als kritisch. Die Commerzbank taucht natürlich auch unter dem Punkt „Kapitalerhöhungen“ auf. Da gab es ja auch recht viel Bedarf in letzter Zeit…
  • Hannover Rück, Nordex und andere: Gleich eine ganze Reihe von Unternehmen hat die Bezüge ihrer Vorstände und Aufsichtsräte nicht veröffentlicht. Der BVI findet’s doof. Ich auch.

Man könnte ewig so weitermachen, aber irgendwann ist’s auch mal gut mit den Aufzählungen. Die komplette Liste gibt es ohnehin auf der Website des BVI.

Zum Weiterlesen

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