Sind Anleihen-ETFs riskanter als direkt gehaltene Anleihen?

Das Risiko von Bond-ETFs und Einzelanleihen im Vergleich

Das Argument taucht immer wieder auf, wenn es um dir Frage geht, ob man direkt in Staatsanleihen imvestieren oder lieber einen entsprechenden ETF kaufen soll: Der Direktkauf sei weniger riskant, weil man sicher sein kann, am Laugzeitende den Nennwert der Anleihe ausbezahlt zu bekommen. Normalerweise jedenfalls.
Bei Anleihen-ETFs dagegen gibt es nur eine Sicherheit: dass sie auf ewig schwanken.

Das liegt daran, dass die von den ETFs abgebildeten Indizes in der Regel die Entwicklung von Anleihen mit einer bestimmten Restlaufzeit abbilden – also zum Beispiel die Entwicklung deutscher Staatsanleihen mit 7 – 9 Jahren Restlaufzeit.

Unterschreitet eine Anleihe die Mindest-Restlaufzeit, fliegt sie aus dem ETF

Unterschreitet eine Anleihe die Mindest-Restlaufzeit (im Beispiel also 7 Jahre), fliegt sie aus dem Index und damit aus dem ETF – egal, wo der Kurs gerade steht. Logisch also, dass ETF-Anleger sich nicht auf einen festen Kurs zum Zeitpunkt X verlassen können.

So gesehen sind einzelne Anleihen, die man bis zur Fälligkeit hält, tatsächlich weniger riskant. Warum also sollte man überhaupt Staatsanleihen-ETFs kaufen? Schließlich kommen bei ETFs weitere Probleme hinzu. Da ist zum einen die fällige Verwaltungsgebühr. Die ist zwar bei Staatsanleihen-ETFs in der Regel besonders niedrig – aber das gilt ja auch für die Rendite.

Und wer tatsächlich einen ETF mit ausschließlich deutschen Staatsanleihen kauft, der zahlt Gebühren für eine in der Praxis extrem unnötige Diversifikation über verschiedene Emissionen des gleichen Emittenten, dessen Ausfallrisiko noch dazu verschwindend gering ist.

Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass Anleihen-ETFs oft Wertpapierleihe betreiben (oder Swaps einsetzen) und den Anlegern zusätzliche Risiken aufbürden. Die dadurch eingefahrene Zusatzrendite geben sie aber nur zum Teil weiter. Unschön.

Also noch einmal: Wieso sollte man überhaupt Staatsanleihen-ETFs kaufen? Mit dieser Frage setzt sich – wenn alles gut geht noch in dieser Woche – ein weiterer Artikel auseinander.

Zum Weiterlesen

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2 Responses

  1. Anonym sagt:

    Gutes Thema! Interessiert mich auch sehr!

  2. KLEINANLEGER sagt:

    Hallo, Herr Handstein!

    Es gibt bei inflationsindexierten Staatsanleihen einen guten Grund, einen ETF anstelle einer Anleihe zu halten. Steigt die Inflation (und fallen somit tendenziell die Aktien wegen der höheren Abzinsung der künftigen Gewinne), werden langlaufende inflationsindexierte Anleihen stärker profitieren als kurzlaufende. In diesem Fall ist es gut, eine lange Laufzeit – z. B. durch einen ETF – sichergestellt zu haben.

    Aber auch bei einer drohenden Deflation ist es gut, eine lange Laufzeit bei „normalen“ Anleihen – z. B. durch einen ETF – sichergestellt zu haben. Bei einer Deflation sinken die Umsätze der Unternehmen wegen der vermehrten Kassenhaltung der Verbraucher. Folge: Die Aktienkurse brechen ein. Umgekehrt proftitiert nichts stärker von der Deflation als eine (normale) langlaufende Staatsanleihe. Auch in solch einem Fall kann man also froh sein, sich durch einen ETF eine lange Laufzeit gesichert zu haben.

    Viele Grüße vom Kleinanleger

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