Stiftung Warentest: Dispozinsen bis zu 14,25 Prozent

Stiftungsvorstand Hubertus Primus: "Zu viele Banken nutzen den Dispo, um ihre Kunden zu schröpfen."

Die Dispozinsen für Girokonten sind zurückgegangen – aber immer noch zu hoch. So lässt sich wohl das Ergebnis des jüngstens Tests der Stiftung Warentest zusammenfassen. Die Tester prüften insgesamt 1.504 Banken und stellten dabei Zinsunterschiede von bis zu 10 Prozentpunkten fest. Die günstigsten Dispozinsen bot demnach Dauer-Testsieger Deutsche Skatbank mit 4,9 Prozent, am teuersten waren einige kleine Genossenschaftsbanken mit 14,25 Prozent. Der Durchschnitt der Dispozinsen liegt bei 10,65 Prozent. Dies veranlasste Stiftungsvorstand Hubertus Primus zu dem Kommentar, zu viele Banken nutzten den Dispozins, „um ihre Kunden zu schröpfen“.

Primus verschweigt jedoch auch nicht, dass es eine durchaus positive Entwicklung auf dem Markt gibt: „Knapp 250 der 1.504 Banken im aktuellen Test haben ihren Dispozins deutlich  gesenkt.  Deutlich  heißt:  um  mindestens einen  Prozentpunkt.  In  den  vergangenen  Jahren  war  die Bilanz viel schlechter.“ Bewegt hätten sichvor allem diejenigen Institute, die im Vorjahr besonders hohe Zinsen verlangt häten, so Primus. „Von den über 100 Banken, die Dispozinsen von 13 Prozent und mehr verlangten,  sind  noch  35  übrig  geblieben.  Das  sind allerdings genau 35 zu viel.“

Niedrigere Dispozinsen, höhere Kontoführungsgebühren

Der Test zeigt jedoch auch auf, dass niedrigere Dispozinsen alleine noch nicht zu insgesamt besseren Konditionen für Bankkunden führen. Nach Angaben der Stiftung Warentest versuchen nämlich einige Banken, beim Dispo besser auszusehen als sie sind. Sie bieten günstige Dispozinsen nur für Girokonten mit hoher Kontoführungsgebühr. Das ist unerfreulich, stützt aber letztlich doch irgendwie meine These, dass die Höhe des Dispozinses nur eines von vielen Auswahlkriterien bei der Suche nach einem Girokonto sein sollte.

Test-Projektleiterin Stephanie Pallasch erklärt denn auch folgerichtig: „Bei der Suche nach einer neuen Bankverbindung sollte ein Kunde auf jeden Fall auf das Gesamtpaket Girokonto schauen.  Wie hoch sind die Kontoführungsgebühren? Wo kann ich kostenlos Bargeld abheben? Erst dann ist auch der Blick zu den Konditionen der Überziehung wichtig.“

Sag ich ja. Wird also wirklich nur aus PR-Gründen immer so arg kritisch auf die Dispozinsen geschaut?

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4 Responses

  1. Ich finde die ständige Berichterstattung über Dispozinsen aberwitzig. Ich habe kein Girokonto, um dieses zu überziehen. Die wenigsten Menschen überziehen ihr Girokonto, aber diese Menschen sind aus einem Milieu, wo ohnehin nicht die tollen Beiträge in den Gazetten über Dispozinsen gelesen werden. Und oft sperrt die Bank die Überziehungsmöglichkeiten für solche Leute und das vollkommen zurecht.

    Ich beispielsweise kenne nicht den Dispozins meines Girokontos. Ich kenne auch nicht den aktuellen Guthabenzins. Ich betreibe Aktiensparen

  2. FK sagt:

    Geld auszugeben, das man nicht hat, ist sowieso eine ganz dumme Angewohntheit vieler geworden. Die Banken wird man allerdings kaum überzeugen können „zum Wohle aller“ derartige Kredite nicht mehr zu gewähren.

  3. Jens sagt:

    Ich finde es immer beachtlich, wenn bei Auxmoney oder anderen P2P-Kreditnetzwerken Leute ihren Dispo ausgleichen wollen und dafür „mal eben“ einen 18.000 Euro-Kredit benötigen! 🙂

    Die dramatischen Unterschiede bei den Girokonten sind auch beachtlich, das stimmt. Gut, dass Finanztest da genau hin schaut! 🙂

  4. Holger sagt:

    Wow, das ist allerdings beachtlich. Ich gebe zu, dass ich nie auf diesen Plattformen schaue, obwohl ich es mir schon öfter vorgenommen habe.

    Was müssen solche Leute denn für Zinsen zahlen, um einen Kredit zu kriegen? Die Banken scheinen sie ja zumindest für ziemlich kreditwürdig zu halten, wenn sie ihnen einen so hohen Überziehungsrahmen einräumen…

    Viele Grüße
    Holger

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