Studie vergleicht Kosten von Gold-Investments

Münzen, Barren, Goldkonto – oder doch ein ETC? Wenn es um die Kostenbelastung geht, fällt die Antwort recht eindeutig aus.

Es gibt viele Wege, in Gold zu investieren: den Direktkauf physischen Goldes in Form von Barren (ab 1 Gramm) oder Münzen, die Eröffnung eines Goldkontos oder den Erwerb börsengehandelter Produkte wie ETCs (Exchange Traded Commodities) oder Zertifikate. Sie alle haben spezifische Vor- und Nachteile. Zumindest in puncto Kosten haben die Wertpapiere die Nase von einer bestimmten Mindestmenge an allerdings deutlich vorne. Das ergab eine Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin mit dem schönen Titel „Transaktions- und Distributionskostenanalyse Gold“. Die Deutsche Börse nutzte das Studienergebnis denn auch prompt, um Werbung für ihren physisch hinterlegten ETC Xetra-Gold als besonders kostengünstiges und flexibles Investment zu machen. Mit Recht?

Ein genauerer Blick auf die Kosten der unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten kann helfen, diese Frage zu beantworten. Die Studie wartet mit detailliertem Zahlenmaterial zu den Investmentvehikeln auf. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Alle Zahlen beziehen sich auf Produktgruppen, nicht auf einzelne Angebote wie Xetra-Gold, das direkte Konkurrenzprodukt EUWAX Gold der Börse Stuttgart oder andere ETCs.

Doch genug der Vorrede. Das kosten die unterschiedlichen Wege, in Gold zu investieren.

Goldbarren und Goldmünzen im Direktkauf

Barren und Münzen sind der Studie zufolge ab 1 Gramm erwerbbar. Zu den Vorteilen zählt vor allem, dass es keinerlei Kontrahentenrisiko gibt und der Käufer das Gold direkt erwirbt. Wer einen Barren kauft, hat also unmittelbaren Zugriff auf sein Gold. Als Nachteile nennt die Studie die im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten geringere Handelbarkeit, hohe Spreads und hohe Lagerkosten – vor allem bei geringen Mengen. Als Kostenfaktoren zählt die Studie neben dem Spread die Kosten für ein Bankschließfach oder ein Depot beziehungsweise für einen eigenen Safe auf, außerdem auch Versicherungs- und Transportkosten. In den Beispielrechnungen der Studie wurden bei kleinen Mengen allerdings nicht alle Faktoren berücksichtigt – wer lagert schon 1 Gramm Gold in einem Bankschließfach? Dennoch machen alleine die Transaktionskosten den Kauf winziger Mengen physischen Goldes zu einer reichlich schwachsinnigen Veranstaltung. Die Studien-Autoren haben folgenden Kostenanteil pro Jahr für den jeweils günstigsten Bezugsweg (in Klammern genannt) errechnet:

  • 1 Gramm: 29,77 % (Bank)
  • 10 Gramm: 7,79 % (Bank)
  • 31,1 Gramm: 5,02 % (Bank)
  • 50 Gramm: 3,59 % (Bank)
  • 100 Gramm: 2,92 % (Bank)
  • 1.000 Gramm: 2,22 % (Edelmetallhändler)

Interessanterweise ist der Direktkauf der Studie zufolge mit Transaktionskosten von absolut 15,95 Euro tatsächlich die günstigste Möglichkeit bei der Minimenge von 1 Gramm. Für den Kauf derselben Menge in Form eines ETC (ein Wertpapier bezieht sich in der Regel auf 1 Gramm – zumindest bei den deutschen Produkten) werden Transaktionskosten von 30,99 errechnet, was mir ziemlich hoch erscheint. Aber egal: 1 Gramm Gold sollte ohnehin niemand kaufen – es sei denn, er kauft es zum Spaß.

Das Goldkonto – günstig bei kleinen Mengen

Für die meisten kleinen Mengen ist das Goldkonto der Studie zufolge das empfehlenswerteste Investmentvehikel. Bei dieser Anlageform eröffnen Goldkäufer ein Depotkonto bei einem spezialisierten Anbieter, erwerben physisches Gold über diesen und lagern es direkt ein. Auf Wunsch können sie es sich nach Hause liefern lassen. Der Spread zwischen An- und Verkaufspreis ist beim Goldkonto häufig geringer als bei Barren und Münzen, aber in der Regel höher als bei ETCs und Zertifikaten. Zusätzlich zum Spread können eine Reihe weiterer Gebühren anfallen – Verkaufskommissionen, Rücknahmekommissionen, Depotgebühren und Auslieferungsgebühren etwa. Zudem gibt es oft Mindestanlagesummen, zum Beispiel in Höhe von 1.000 oder 5.000 Euro. Und dennoch: Bei Mengen zwischen 2 Gramm und einer Feinunze (31,1 Gramm) steht das Goldkonto kostenmäßig ziemlich gut da. Nämlich wie folgt (Kosten pro Jahr in Prozent):

  • 1 Gramm: 34,56 %
  • 10 Gramm: 5,74 %
  • 31,1 Gramm: 3,44 %
  • 50 Gramm: 3,2 %
  • 100 Gramm: 3,11 %
  • 1.000 Gramm: 2,91 %

Insgesamt ist das Goldkonto also nicht gerade günstig – und es ist schon auffällig, dass bei vielen Grammzahlen sogar der physische Direkterwerb billiger ist.

Physisch hinterlegte ETCs mit Auslieferungsmöglichkeit

Ab einem Gegenwert von 50 Gramm sind der Studie zufolge physisch hinterlegte Gold-ETCs mit Auslieferungsmöglichkeit der günstigste Weg, (indirekt) physisch in Gold zu investieren. Der Kostenanteil pro Jahr sieht hier wie folgt aus, wenn man von einem Investment ohne Auslieferung ausgeht:

  • 1 Gramm: 106,92 %
  • 10 Gramm: 11,34 %
  • 31,1 Gramm: 4,14 %
  • 50 Gramm: 2,85 %
  • 100 Gramm: 1,78 %
  • 1.000 Gramm: 1,49 %

Die unfassbar hoch erscheinenden Kosten für den Kauf eines einzigen Gramms kommen zustande, weil Mindest-Bankgebühren von 15,41 Euro und zusätzlich variable Gebühren in Höhe von 0,36 % zugrunde gelegt wurden. Hinzu kommen fixe und laufende Depotgebühren. Das soll sich wohl an den durchschnittlichen Kosten am Markt orientieren, lässt sich aber sicher deutlich günstiger hinbekommen. Allerdings wurde bei den anderen Anlagemöglichkeiten auch mit durchschnittlichen Kostensätzen gerechnet. Inwieweit es auch dort Sparpotenzial gibt, kann ich allerdings nicht so gut beurteilen.

ETCs ohne Auslieferungsmöglichkeit und klassische Zertifikate sind noch günstiger

Wer auf eine physische Auslieferung seines Goldes keinen Wert legt, sondern einfach nur die Preisentwicklung des Edelmetalls abbilden will, hat übrigens noch günstigere Anlagemöglichkeiten als die physisch hinterlegten ETCs mit Auslieferungsmöglichkeit. Besonders gut schnitten bei der Kostenanalyse nämlich physisch hinterlegte ETCs ohne Auslieferungsmöglichkeit und klassische, unbesicherte Zertifikate auf Gold ab – auch wenn beide Anlageformen in die oben referierte ausführliche Analyse nicht einbezogen wurden. So stellen sich die Kosten eines Kaufes von Gold im Wert von 10.000 Euro laut Studie wie folgt dar:

  • Bank (Goldbarren): 3,97 %
  • Goldkonto: 3,14 %
  • Physisch hinterlegte ETCs mit Auslieferungsmöglichkeit: 1,43 %
  • ETFs mit Auslieferungsmöglichkeit (nur in der Schweiz): 1,10 %
  • Physisch hinterlegte ETCs ohne Auslieferungsmöglichkeit: 1,13 %
  • ETFs ohne Auslieferungsmöglichkeit (nur in der Schweiz): 1,37 %
  • Zertifikate: 0,78 %

Der Trend ist also recht eindeutig (und entspricht auch dem, was man erwarten darf): Je weiter sich ein Investment vom direkten physischen Goldkauf entfernt und je höher das Kontrahentenrisiko ist, desto niedriger sind die Kosten. Ausnahme: Gold-ETFs in der Schweiz, die physisch in Gold investieren, kein Emittentenrisiko aufweisen und dennoch günstiger sind als die ETCs in der Studie.

Zum Weiterlesen

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1 Response

  1. sparFuxx sagt:

    Hallo Holger,
    schöne Übersicht – vor allem die sehr hohen Kosten bei Kleinstmengen finde ich mal nett zu sehen!
    Frage / Verständnisproblem: um die einmaligen Transaktionskosten in jährliche Kosten umrechnen zu können, muss man doch eine (willkürliche) Annahme zur Haltedauer machen, oder? Und die fehlt mir im Artikel, so daß das ganze für mich nicht so ganz nachvollziehbar ist.
    Verstehe ich es nicht richtig, oder fehlt die Zahl?
    Viele Grüße, sparFuxx

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