Wann sollte man Aktien kaufen, um die Dividende zu erhalten?

Warum Anleger nicht nur auf den Stichtag für die Dividendenberechtigung starren sollten.

Die Dividendensaison naht. Die Medien berichten wieder über die unfassbar hohen Ausschüttungen der DAX-Unternehmen, über Erfolge und Dividendenerhöhungen bei den einen, über Misserfolge und Kürzungen der Ausschüttungen bei den anderen. Und wenn ich meiner Piwik-Statistik glauben darf, dann wenden sich auch immer mehr Menschen hilfesuchend an Google, um herauszufinden, wann genau man denn nun eine Aktie kaufen muss, um die attraktive Dividende denn auch in jedem Fall zu erhalten.

Würden sie mich fragen statt eine Suchmaschine, hieße die Antwort vermutlich: am besten nie. Das soll nicht heißen, dass man keine Aktien kaufen soll. Und auch nicht, dass man sich nicht auf Dividenden freuen soll. Allerdings habe ich den – durch die Lektüre verschiedener entsprechender Themen in Foren und anderswo erhärteten – Verdacht, dass den meisten derartigen (Suchan-)Fragen ein Denkfehler zugrunde liegt. Nämlich: Dass Anleger ein tolles Geschäft machen können, wenn sie eine Aktie direkt vor der Ausschüttung der Dividende kaufen und sie direkt nach der Ausschüttung wieder verkaufen.

Nur funktioniert das eben nicht.

Der Aktienkurs wird um den Dividendenbetrag gemindert

Schließlich wird der Aktienkurs am Tag der Dividendenzahlung (dem sogenannten Ex-Dividenden-Tag) um den ausgeschütteten Betrag gemindert – ungefähr jedenfalls. Natürlich können andere Einflüsse den Dividendeneffekt überlagern, sodass theoretisch auch eine Kurssteigerung am Ausschüttungstag drin ist.

Erwarten darf man das als Anleger allerdings nicht. Rechnen sollte man vielmehr damit, dass man vor der Ausschüttung eine Aktie im Wert von x Euro besitzt. Am Tag der Ausschüttung verringert sich der Aktienkurs dann um den Betrag der Dividende, sagen wir mal d Euro. Man hat also eine Aktie im Wert von x Euro – d Euro = y Euro und zusätzlich die Dividende.

Diese Dividende darf man nun allerdings auch noch versteuern. Sie stellt für das Finanzamt schließlich einen Ertrag dar. Also hat man streng genommen nach dem Ausschüttungstag nicht die Aktie im Wert von y Euro + d Euro auf dem Konto. Der Betrag auf dem Konto wird auch noch um den Abgeltungsteuerbetrag von a Euro vermindert – sofern die Ausschüttung nicht steuerfrei aus dem steuerlichen Einlagekonto gezahlt wird.

Als Anleger bleiben einem statt des investierten Betrages von x Euro also nur y Euro + d Euro – a Euro. Und dabei sind nicht einmal die Handelsgebühren berücksichtigt, die man für das zweifelhafte Vergnügen bezahlen darf, eine Aktie direkt vor der Ausschüttung zu kaufen und direkt danach wieder zu verkaufen.

Kurzfristig auf Dividenden zu spekulieren wird meist zu einem Minusgeschäft

Also: Die eingangs genannte Frage führt oft direkt zu einem schlechten Geschäft. Als Anstoß für ein gutes Geschäft kann sie allenfalls dann dienen, wenn sie einen Denkprozess auslöst, der zu einer genau entgegengesetzten Erkenntnis führt: Aus steuerlichen Gründen kann es sinnvoll sein, mit dem Kauf einer Aktie lieber bis nach der Hauptversammlung zu warten. Denn wer will schon Geld investieren, um direkt am nächsten Tag 5 Prozent davon (minus Abgeltungsteuer) zurückzuerhalten?

Dennoch ist natürlich auch eine sachlich richtige Antwort darauf ohne besserwisserische Erklärungen möglich: Der Ex-Dividenden-Tag ist bei deutschen Unternehmen in der Regel der Tag nach der Hauptversammlung. Wer die Dividende vereinnahmen will, muss die entsprechende Aktie daher normalerweise am Tag der Hauptversammlung in seinem Depot liegen haben, auf der die Dividende beschlossen wird. Wer es genau wissen will, sollte am besten beim jeweiligen Unternehmen nachfragen – manche liefern allerdings auch Informationen dazu im Investor-Relations-Bereich ihrer Websites (Beispiel Daimler).

Gerade bei vielen ausländischen Aktien sind solche Informationen auch dringend nötig, denn die Sache mit der Dividende ist in anderen Ländern durchaus komplizierter geregelt: Es gibt zum Beispiel einen zusätzlichen „Record Day“. Dieser Tag liegt dann einige Zeit vor dem Ausschüttungstag, der wiederum nichts mit der Hauptversammlung zu tun haben muss. Und nur wer die Aktie am Record Day hält, erhält später auch die Dividende. Aber das führt an dieser Stelle zu weit – und wäre einen eigenen Artikel wert.

Sicherheitshalber noch ein kleiner rechtlicher Hinweis: Hören Sie in Steuerfragen um Gottes Willen nicht auf irgendwelche Dinge, die Sie in diesem oder anderen Blogs lesen. Konsultieren Sie stattdessen Ihren Steuerberater.

Zum Weiterlesen

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3 Responses

  1. Daniel Schneider sagt:

    Wenn man zur zeit von Finanziel nicht so erfolgreichen Landern die günstigen Aktien abkauft,würde das doch clever sein oder?

  2. Johnson sagt:

    An Daniel Schneider:
    Ich würde sagen, man kann diese Frage nicht präzise beantworten. Es kommt auf die Länder im Einzelnen an, auf die Aktien im Einzelnen, auf die persönliche Risikoeinstellung, auf weitere persönliche Faktoren (z.B. allgemein gesagt: Lebensweise), auf die Anlagephilosophie (stock picking vs. passiv anlegen bzw. aktiv vs. passiv bzw. Einzelaktien vs. Indizes), auf die Gesamtvermögensaufstellung inkl. Asset Allocation, Humankapital etc. und wahrscheinlich noch auf vieles mehr.

    Abgesehen von diesen essentiellen Dingen müsste man wahrscheinlich auch der Ansicht sein, dass sich diese Länder in Zukunft erfolgreicher entwickeln als sie es jetzt tun. Man kann im Einzelfall eventuell Prognosen treffen, aber dann kommt es auf den Zeitraum an – wahrscheinlich landet man am Ende im Zufallsbereich und damit meine ich die Wahrscheinlichkeit von 50%, dass man Recht hat.
    Dann müsste man noch wissen, was finanziell wenig erfolgreiche Länder überhaupt sind bzw. wie man sowas misst. Und man müsste wissen, wann Aktien günstig sind – im Vergleich zu ihrem inneren Wert (sofern man value-mäßig drauf ist).
    Dann ist die Frage noch: Clever für welches Ziel/bei welcher Motivation?
    Die Frage ist auch etwas missverständlich, denn man könnte meinen, man will sowas wie Landesaktien kaufen oder unbedingt einem Staat als share holder die Aktien abkaufen.
    Wie gesagt, die Beantwortung dieser Frage scheint mir in dieser Form leider nur sehr abstrakt möglich zu sein, was aber dazu passt, wie abstrakt sie gestellt wurde.

    PS: Ich vermute, es sind Länder gemeint, die zum populären Stichwort „Eurokrise“ passen. Dazu könnte man auch Italien zählen und der Leitindex dieses Landes, der FTSE MIB, ist in den letzten beiden Monaten eher gefallen, weswegen hier jemand vermuten könnte, die Aktien seien dort günstig und könnten wieder steigen. Wenn man dieser Ansicht ist, kann man – sofern man das Geld ohne Probleme entbehren kann und das total zu einem passt – von mir aus darauf spekulieren. Das soll aber keine Anlageempfehlung sein. Ob dann das Gewünschte eintritt oder nicht, kann man eigtl nicht wissen und das zu berechnen dürfte nicht so einfach sein. Man sollte sich nur lieber im Voraus damit abfinden, dass die eigenen Prognosen falsch sein können.

  3. Holger sagt:

    Hallo Johnson,

    ja, die Aufgabe, unterbewertete Aktien in Krisenländern zu finden, ist reizvoll aber schwierig. Ich habe mich in den vergangenen Jahren auch immer wieder mal beim Gedanken ertappt, dass griechische Aktien doch nun eigentlich…

    Und nach der nächsten Katastrophe war ich dann doch froh, nicht schwach geworden zu sein.

    Ziemlich sicher bin ich nur, dass man auch Aktien aus Krisenländern nicht unbedingt unmittelbar vor der Dividendenausschüttung kaufen sollte. 😉

    Viele Grüße
    Holger

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