Wie viel Zeit sollte man in Geldanlage investieren?

Eine etwas persönlichere Betrachtung zur Blogparade der comdirect aus Anlass des Finanzblogawards.

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Der diesjährige comdirect Finanzblog-Award ist in vollem Gange. Am 6. Mai wird der Preis auf der re:publica verliehen – und ich durfte mich wieder einmal nicht bewerben, weil mein Arbeitgeber ihn für die comdirect organisiert. So gesehen ist es gut für mich, dass es diesmal auch eine Blogparade zum Award gibt. Die ist für die Preisvergabe selbst nicht relevant, ich kann mitmachen und das Gefühl haben, auch ein wenig dazuzugehören. Schließlich schmücken sich in diesem Jahr gefühlt so viele Blogs mit dem FBA-Logo wie noch nie. Aber endlich mal hin zum Thema. Das lautet: „Ich investiere in…“. Natürlich ließe sich der Satz sehr einfach vervollständigen, zum Beispiel so: „…Aktien, Verzinsliches, Rohstoffe – in verschiedenen Verpackungen“. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Denn tatsächlich lädt das Blogparadenthema zu einer etwas grundsätzlicheren Betrachtung ein.

Schließlich ergänzt die comdirect das schlichte Thema um allerlei Fragen – nach dem Stellenwert von Geld für mich persönlich, nach materiellen und immateriellen Werten, nach der Bedeutung von Lebenszeit und von Gesundheit. Weil ich aber nur einen einzigen Beitrag zur Blogparade schreiben und außerdem auch einen Rest meiner berüchtigten geheimnisvollen Aura wahren möchte, beschränke ich mich mal auf einen einzigen dieser Aspekte.

Nämlich: Warum investiere ich eigentlich so viel Zeit in die Beschäftigung mit Geld? Und wie viel Zeit sollte man sinnvollerweise investieren?

Beeinträchtigt Spaß an der Geldanlage die Erfolgsaussichten?

Hardliner beantworten die zweite Frage in etwa so: Beschäftigung mit Geldanlage ist für sich genommen kein Lebenszweck, sie hat lediglich eine dienende Funktion, weil sie hilft, Anlageziele zu erreichen. Daher sollte man den Zeitaufwand dafür so gering wie möglich halten. Dies hat mehrere Vorteile: Zum einen wird wertvolle Lebenszeit für wichtigere Dinge frei. Und zum anderen wird die Gefahr minimiert, dass man so viel Spaß am Anlegen hat, das man beginnt, mit seinem Vermögen herumzuspielen – also Entscheidungen zu treffen, die zwar den Spaß an der Geldanlage erhöhen, dafür aber die Erfolgsaussichten beeinträchtigen. Beispiele dafür sind zum Beispiel die Suche nach viel versprechenden Einzelaktien, also Stock Picking, und die Suche nach dem passenden Einstiegs- oder Ausstiegszeitpunkt, also Market Timing.

Nun stimme ich mit den oben genannten Hardlinern durchaus darin überein, dass man es sich als kleiner Privatanleger dreimal überlegen sollte, ob man wirklich Einzelaktien kaufen oder gar künftige Marktbewegungen prognostizieren sollte. Allerdings glaube ich auch nicht, dass es hilfreich ist, mithilfe eines (guten) (Honorar-)Beraters einmalig ein passendes passives Depot aus zusammenzustellen, anschließend einmal im Jahr 15 Minuten für ein Rebalancing aufzuwenden und ansonsten nicht weiter über seine Anlagestrategie nachzudenken. Denn das führt, so denke ich zumindest, fast unweigerlich dazu, dass man sich zu wenig mit Geldanlage beschäftigt.

Meine Antwort auf die zweite der eingangs gestellten Fragen lautet deshalb: Man sollte zumindest so viel Zeit in die Beschäftigung mit Geldanlage investieren, dass man erstens in der Lage ist, das Richtige zu tun, und zweitens auch in der Lage ist zu verstehen, warum man das tut.

Jede Strategie ist nur so gut wie der Anleger, der sie anwendet

Wer nämlich – beispielsweise – passiv investiert ohne zu wissen, warum, läuft eben doch Gefahr bei der nächstbesten Gelegenheit vom nächstbesten Bauernfänger wieder von seiner klugen Strategie abgebracht zu werden. Und wer gehört hat, wie toll ETFs sind, um sie dann trotzdem völlig falsch einzusetzen, erzielt mitunter schlechtere Ergebnisse als mit teureren Produkten.

Und damit komme ich dann allmählich auch zur Beantwortung der ersten Frage:

Ich investiere deshalb Zeit in die Beschäftigung mit Geldanlage, weil Geldanlage wichtig ist. Weil ich den Ehrgeiz habe zu verstehen, wie ich die wichtigen Dinge in meinem Leben richtig angehen kann. Und ja, natürlich auch deshalb, weil es mir Spaß macht, mich mit einem Thema zu beschäftigen, das zugleich so einfach und so komplex ist.

Dies waren zumindest die wesentlichen Gründe dafür, dass ich vor fast fünf Jahren begonnen habe, hier über Geldanlage zu bloggen, denn über ein Thema zu schreiben ist für mich so ziemlich die unkomplizierteste Art, mich damit zu beschäftigen. Inzwischen habe ich auch beruflich wieder ständig mit Geldanlage zu tun und wende dafür privat wieder weniger Zeit dafür auf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zum Weiterlesen

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7 Responses

  1. Finanzwesir sagt:

    Hallo Holger,
    das sehe ich ähnlich. Wenn man sich von dem Satz „Ich investiere nur in Dinge, die ich verstehe“ leiten läßt, dann erweitert die Beschäftigung mit Themen der Geldanlage die Bandbreite der möglichen Investments.
    Meiner Meinung nach gilt das Lesen der aktuellen Finanzpresse nicht als „Beschäftigen mit Dingen der Geldanlage“. Da werden ohen Sinn und Zweck immer neue Säue durchs Dorf getrieben. Statt dessen sollte man lieber zeitlose Werke wie z.B. „Winning the Looser´s game“ von Charles D. Ellis lesen oder sich Blogs wie Deinen oder Holger Grethes Zendepot zu Gemüte führen.
    Ach ja: Und ohne Excel geht nichts. Wenn man über das grundsätzlich Strategische hinaus ist und konkrete Anlageformen studiert sollte man immer Excel offen haben. Es geht doch nichts über eine kleine Modellrechnung. Was wäre wenn wir 4% Rendite bei einer Laufzeit von 20 Jahren und 0,2 % Gebühren ansetzen? Was passiert, wenn die Gebühren bei 2% liegen…
    Excel weiß es

  2. Volker Gerding sagt:

    Uneingeschränkte Zustimmung was den Zeitaufwand *für* die Geldanlage betrifft. Das Leben ist zu aufregend, als dass man viel Zeit für die Vermögensbildung aufbringen sollte, zumal wohl tatsächlich die Gefahr besteht, dass der Anleger aus lauter Spaß an der Investition langsam aber sicher zum Spekulanten mutiert. Aber es gibt ja auch die Beschäftigung *mit* der Geldanlage an sich – und die finde ich, wie wohl auch alle, die Blogs oder Wirtschaftsbücher schreiben, lesen oder Kommentare verfassen, spannend. Die Beschäftigung mit der Geldanlage ist meiner Meinung nach deshalb so fesselnd, weil sie die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen abdeckt – hoffen, wünschen, Freude, Leid, Gier, Frustration, Glücksgefühle usw. – und auch reichlich Anlass für logisch-rationales Reflektieren bietet. Auf welchem Gebiet gibt es so viele Ideen, Produkte, Theorien, ja, geradezu Glaubenssätze wie in Bezug auf die Geldvermehrung, manchmal gut verständlich, manchmal geradezu faszinierend abstrahierend? Und wer schaut nicht neidvoll auf die Börsenlegenden (der Held seit meiner Jugend – Andre Kostolany) und wem überkommt nicht ein gewisses Schaudern, wenn die schwindelerregenden Theorien und Berechnungen der Nobelpreisträger genauso schwindelerregend in den finanziellen Abgrund führen (s. LTCM)?
    Dass der Anleger bei einer rationalen Entscheidung, wie es die Vermögensbildung sein sollte, weiß was er macht, ist generell ein guter Rat und zum Glück bedarf es hierfür auch meiner Ansicht nach nicht allzu viel Zeit.
    Die Beschäftigung mit dem Thema Geld im weitesten Sinne – von Georg Simmels „Philosophie des Geldes“ über Nassim N. Taleb bis hin zu vielen Beiträgen in Finanzblogs und -foren , ist aber zeitlos und bereichernd. Besonders dann, wenn spezifische Themen durch grundlegenden Fragen bereichert werden.
    Vielen Dank für den anregenden Beitrag.

  3. Holger sagt:

    Hallo Finanzwesir,

    danke für Deinen Kommentar. Insbesondere die erste Bemerkung kann ich nur unterschreiben. Wobei ich den Satz „Ich investiere nur in Dinge, die ich verstehe“ gerne etwas großzügig interpretiere. Denn ich finde es nach wie vor durchaus schwierig, auch ein so (relativ) einfaches Produkt wie einen ETF bis ins letzte Detail (z. B. der Konstruktion der Wertpapierleihe oder des Swaps) zu verstehen.

    Und Excel (bzw. in meinem Fall: Libre Office) ist definitiv schön für Schnickschnack, aber nicht überlebenswichtig, glaube ich. 😉

    Viele Grüße
    Holger

  4. Holger sagt:

    Hallo Herr Gerding,

    da habe ich meinen Kommentar gerade geschrieben, während Sie den Ihren abgeschickt haben. So schön habe ich es selbst leider nicht ausdrücken können – diese Unterscheidung ist in der Tat Gold wert, glaube ich. Wobei natürlich die Gefahr besteht, dass einen die gründliche Beschäftigung *mit* der Geldanlage dazu bringt, plötzlich doch mehr Zeit *für* die Geldanlage aufzuwenden als nötig. Aber grundsätzlich treffen Sie genau ins Schwarze, finde ich.

    Viele Grüße
    Holger

  5. Ulrich sagt:

    @Man sollte zumindest so viel Zeit in die Beschäftigung mit Geldanlage investieren, dass man erstens in der Lage ist, das Richtige zu tun, und zweitens auch in der Lage ist zu verstehen, warum man das tut.@

    und

    @Allerdings glaube ich auch nicht, dass es hilfreich ist, mithilfe eines (guten) (Honorar-)Beraters einmalig ein passendes passives Depot aus zusammenzustellen, anschließend einmal im Jahr 15 Minuten für ein Rebalancing aufzuwenden und ansonsten nicht weiter über seine Anlagestrategie nachzudenken. Denn das führt, so denke ich zumindest, fast unweigerlich dazu, dass man sich zu wenig mit Geldanlage beschäftigt.@

    ergaenzen sich wohl. Man braucht erstmal sehr viel erfahrung, um zu verstehen wann man handeln muss und wann nicht. Und dann noch mehr erfahrung, um erfolgreich nicht zu handeln.

    @Finanzwesir
    Du hast recht, diese Sau durchs Dorf Mentalitaet von Presse und Banken macht die Leute nur unsicherer und schadet der Anlagekultur in Deutschland nachhaltig. Aber es ist halt auch ein Business. Medien leben ja davon Leute immer und immer wieder anzulocken und da muss halt auch regelmaessig n neues Thema her.

  6. Hallo Holger
    Guter Artikel! Ich bin da im grossen und ganzen bei dir, allerdings mit zwei Präzisierungen:
    1. ich glaube nicht, dass sich alle Menschen mit Geldanlage beschäftigen sollten. Wenn ich da an meine Frau denke, dann ist der Finanzberater doch eher die richtige Wahl
    2. die Sinngemässe Aussage „man muss ein Finanzprodukt genau verstehen“ würde ich ebenfalls noch stärker relativieren. Die Ausgabe/Kreation von ETFs zum Beispiel ist eine recht komplizierte Sache, wie ich in meinem Blog beschreibe (http://geldberg.com/was-sind-etfs/). Aber der Investor muss eigentlich nur wissen wie man einen ETF a.) handelt, und was er b.) ökonomisch repräsentiert.

  7. Chun Kome sagt:

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    Mit freundlichen Grüßen.

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